Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.02.2004

07:52 Uhr

Verband fordert Reform des PSA-Systems

Insolvenz in Hamburg belastet Zeitarbeitsmarkt

VonMaike Telgheder

Die Insolvenz der Maatwerk GmbH mit Sitz in Hamburg, des größten Betreibers von Personal-Service-Agenturen (PSA) bringt Unruhe in den Zeitarbeitsmarkt. „Die Maatwerk-Insolvenz zeigt, dass der Markt sich bereinigt“, sagt Manpower-Chef Thomas Reitz dem Handelsblatt. Weitere Pleiten dürften folgen, erwartet Jürgen Uhlemann, Präsident des Bundesverbandes Zeitarbeit (BZA).

FRANKFURT/M. Uhlemann erneuerte gestern seine Forderung nach einer Reform der PSA. Bevor sich ein Anbieter als PSA-Betreiber qualifizieren dürfe, müsse er erst einmal mindestens drei arbeitslose Menschen einstellen und sie zu vermitteln versuchen – ganz ohne Subventionierung seitens der Bundesagentur. Die habe zumindest in den ersten drei Monaten pro Mitarbeiter und Monat rund 1000 Euro an Maatwerk bezahlt, um die Eingliederung der Arbeitslosen zu unterstützen. „Da sind Millionensummen ausgegeben worden, der Vermittlungserfolg war bescheiden und jetzt ist Maatwerk insolvent“, sagte Uhlemann.

Auch bei der Arbeit vor Ort dürfte der Fall Maatwerk Spuren hinterlassen, meint beispielsweise Silvia Schallau, Prokuristin bei dem Dienstleistungsunternehmen BBJ Consult Berlin, die bundesweit 46 PSA betreiben. Gerade mit Blick auf kleinere Unternehmen, denen das Modell PSA erst einmal erklärt werden müsse, erleichtere es die Arbeit nicht, wenn der Sinn der PSA jetzt öffentlich wieder diskutiert werde, sagte Schallau.

Die deutsche Tochter des niederländischen Unternehmens Maatwerk, das auf die Eingliederung von Sozialhilfeempfängern spezialisiert ist, hat am Montag beim Amtsgericht Hamburg Insolvenz angemeldet. Maatwerk war mit Abstand das größte PSA-Unternehmen in Deutschland und betrieb 201 der insgesamt 985 Agenturen. Die PSA sollen Arbeitslose über Zeitarbeit in eine neue dauerhafte Beschäftigung vermitteln.

Dass der niederländische Anbieter – ohne Infrastruktur, ohne Kontakt zu den Unternehmen vor Ort und ohne ausreichend qualifiziertes Personal – das Gros der PSA-Zuschläge bekam, hatten verschiedene Zeitarbeitsanbieter bereits im vergangenen Jahr scharf kritisiert. Zudem fürchtete die Branche grundsätzlich eine Wettbewerbsverzerrung durch die staatliche subventionierte Zeitarbeit der PSA. Die Bundesagentur hatte die Entscheidung der jeweiligen Arbeitsämter für Maatwerk mit der Wirtschaftlichkeit der Angebote begründet.

Jetzt muss zumindest ein Teil der Maatwerk-PSA wieder neu vergeben werden. Die Zeitarbeitsfirmen in Deutschland, darunter Adecco, Randstad und Manpower sind zwar durchaus interessiert, werden aber gezielt auswählen. „Wir werden unsere Strategie nicht ändern“, sagte eine Sprecherin von Randstad Deutschland. „Entscheidend für uns ist, dass wir in den Regionen den jeweiligen Marktzugang haben, um die Mitarbeiter in den PSAs auch vermitteln und verleihen zu können.“ Randstad hat derzeit in 22 PSA rund 650 Mitarbeiter unter Vertrag, 35 konnten dauerhaft an Kunden vermitteln werden, blieben – wie es in der Branchensprache heißt – dort kleben.

Auch Manpower will sehr genau prüfen, für welche Agentur man Angebote abgeben wird. „Maatwerk hatte sehr viele Kandidaten, die schwierig zu vermitteln sind“, sagte Deutschland-Chef Reitz. Schließlich solle sich das PSA-Engagement langfristig für Manpower rechnen, so Reitz. Manpower hat für 12 Personal-Service-Agenturen den Zuschlag bekommen. Von den rund 600 aus der Arbeitslosigkeit in die PSA geholten Mitarbeiter wurden bisher allerdings maximal 10 Prozent in eine Festanstellung bei Unternehmen weitervermittelt. Das hatte nach Ansicht von Reitz vor allem mit der schwierigen wirtschaftlichen Situation. Er erwartet, dass es für die Zeitarbeit insgesamt und auch für die PSAs mit einer konjunkturellen Erholung einfacher wird. „Man sollte dem Modell PSA noch eine Chance geben“, resümiert Reitz.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×