Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.02.2017

07:57 Uhr

Verbraucherschützer fordern Kontrollsystem

Online-Lebensmittelhandel – ein Risiko?

VonDietmar Neuerer

Ob T-Bone-Steak, Käse oder Gemüse – solche Produkte können auch online gekauft werden. Das setzt nicht nur den konventionellen Handel unter Druck. Es gibt auch Zweifel, ob die Lebensmittelkontrolle ausreichend ist.

Immer mehr Lebensmittelhändler nutzen die Chance, ihre Produkte online anzubieten. dpa

Lebensmittel im Internet.

Immer mehr Lebensmittelhändler nutzen die Chance, ihre Produkte online anzubieten.

BerlinDie Digitalisierung macht’s möglich: Immer mehr Lebensmittelhändler nutzen die Chance, ihre Produkte online anzubieten. Zwar spielt der digitale Handel gemessen am Gesamtumsatz der Branche in Deutschland bisher nur eine kleine Rolle, wie eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Brandenburg zeigt. „Doch die Dynamik am Markt zeigt“, so die Experten, „dass sich das schnell ändern kann.“ Gerade unter Menschen, die ohnehin online einkaufen, steige der Anteil derer, die Lebensmittel – und inzwischen auch frische Lebensmittel – im Internet bestellten.

Die Verbraucherschützer stützen sich in ihrer Einschätzung auf Zahlen des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland für das Jahr 2015. Danach fallen Online-Bestellungen mit einem Anteil von 0,5 Prozent am Lebensmitteleinzelhandel nicht besonders ins Gewicht. Mit einem Umsatz von 736 Millionen Euro im Jahr 2015 erzielte die Online-Sparte im Vergleich zum Vorjahr jedoch ein Plus von 19 Prozent (2014: 618 Millionen Euro) und wird damit als ein starker Wachstumsmarkt eingestuft.

Lebensmittel-Lieferdienste im Überblick

Wie funktioniert das Amazon-Angebot?

Amazon-Abonnenten des Dienstes Amazon Prime (Jahresgebühr 49 Euro) können sich in zahlreichen Vierteln in München und Berlin Lebensmittel kostenlos innerhalb eines Zwei-Stunden-Fensters am gleichen Tag liefern lassen. Der Mindestbestellwert liegt bei 20 Euro. Für einen Aufpreis von 6,99 Euro liefert Amazon sogar innerhalb einer Stunde. Quelle: Oliver Wyman

Was bedeutet das für die Konkurrenz?

1.700 Supermärkte sind durch den Onlinehandel mit frischen Lebensmitteln bis zum Jahr 2020 in ihrer Existenz gefährdet.

Wie funktioniert das Kaufland-Angebot?

Unter shop.kaufland.de testet das Unternehmen einen Lieferdienst für Berlin. Der Mindestbestellwert beträgt 40 Euro. Der Kunde kann den Liefertermin aus stündlichen Zeitfenstern frei wählen. Die ersten drei Bestellungen sind versandkostenfrei, danach kostet es zwischen 2,75 und 4,75 Euro, je nach ausgewähltem Zeitfenster.

Wie funktioniert das Rewe-Angebot?

Der Mindestbestellwert liegt auch hier im Lebensmittel-Onlineshop bei 40 Euro. Die Lieferkosten variieren je nach Zeitfenster und Bestellwert und betragen bis zu 5,90 Euro. Kostenfrei ist die Lieferung ab einem Warenwert von 100 Euro – aber auch nur wenn der Kunde bereit ist, ein Lieferfenster von 6,5 Stunden zu akzeptieren.

Wie funktioniert das Allyouneed-Fresh-Angebot?

Der Mindestbestellwert liegt bei 20 Euro, bis 40 Euro betragen die Lieferkosten 4,90 Euro, danach ist die Lieferung kostenlos. Zugestellt wird in einem Wunschzeitfenster - normalerweise frühestens am nächsten Tag. Bestellungen vor 12 Uhr können jedoch oft auch am selben Tag verschickt werden.

Damit weitere Kundengruppen erschlossen werden können, setzen die Akteure im Online-Handel nach Beobachtung der Verbraucherschützer nun darauf, bestehende Vorurteile und Sorgen beim Online-Kauf von Lebensmitteln weiter abzubauen und mit attraktiven Angeboten zu locken. Doch es bleiben Zweifel.

Laut einer jüngst veröffentlichten Forsa-Umfrage steht nur eine Minderheit der 1.003 Befragten (20 Prozent) dem zunehmenden Online-Handel mit frischen Lebensmitteln positiv gegenüber. Die weit überwiegende Mehrheit (70 Prozent) sieht diese Entwicklung eher negativ. Mit Abstand am häufigsten (50 Prozent) wird als Nachteil beim Kauf frischer Lebensmittel im Internet die fehlende Möglichkeit zur Prüfung der Produkte genannt. Es folgen als weitere negative Aspekte die mangelnde Produktqualität (28 Prozent) und die Umweltverträglichkeit (16 Prozent).

Essenslieferant mit steigenden Umsätzen: Rewe sagt Hello-Fresh den Kampf an

Essenslieferant mit steigenden Umsätzen

Premium Rewe sagt Hello-Fresh den Kampf an

Der Erfolg des Kochbox-Lieferdienstes Hello-Fresh schreckt die Lebensmittelhändler auf. Als Erster reagiert Rewe und verknüpft seine Rezeptdatenbank mit dem eigenen Essenslieferanten. Andere könnten bald folgen.

Derlei Befunde werden in der Politik aufmerksam registriert. Und es stellt sich die Frage, ob die Lebensmittelüberwachung ausreichend gewappnet ist für den digitalen Handel. „Wir müssen denselben strengen Maßstab, der bei Kontrollen im konventionellen Handel angelegt wird, auch für den Handel im Internet anwenden. Dazu müssen wir prüfen, ob die bestehenden Strukturen der Lebensmittelüberwachung und die rechtlichen Voraussetzungen ausreichen, um auch den Onlinehandel mit Lebensmitteln angemessen zu kontrollieren“, sagte die sächsische Staatsministerin und Vorsitzende der Verbraucherschutzminister-Konferenz, Barbara Klepsch (CDU), dem Handelsblatt.

Die CDU-Politikerin plädiert für ein „Kontrollsystem“, das den digitalen Lebensmittelhandel gezielt in den Blick nimmt. „Dabei sollten hohe Standards gelten – für die Händler und die Qualität der Produkte“, sagte Klepsch. Erfreulicherweise hätten die Länder hier gemeinsam mit dem Bund bereits eine zentrale Stelle eingerichtet, die gezielt Recherchen im Internet durchführe, fügte die Ministerin hinzu. „Die Ergebnisse werden dann den Ländern zugeleitet, die dann entsprechende Maßnahmen treffen.“

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Renatus Isenberg

15.02.2017, 09:34 Uhr

Wie schwach Merkel in Wirklichkeit ist, sieht man an Problemen wie der Unsicherheit bei den wichtigsten Produkten des Lebens. Hier muss es ein kategorisches Handelsverbot für online Lebensmittel geben - stattdessen nur Gähnen im Regierungslager.. Merkel ist eine Verwalterin von Gesetzen, die sich andere auf den Leib schneidern und Gesetzen, die gar nicht existieren.

Account gelöscht!

15.02.2017, 10:09 Uhr

Kontrollen, wo?

Wenn die Polizei am Frankfurter HAUPTBAHNHOF kontrolliert, ist jeder 10. ein Erfolg für eine Anzeige.

Und glaubt jemand wirklich, dass das dauerhaft gemacht würde.

Und die Lebensmittelkontrollen dürften auch nur spartans sein.

Mehr nicht.

Trotzedem, guten Appetit!

Account gelöscht!

15.02.2017, 10:29 Uhr

Das scheint gut zu funktionieren, werde es selbst testen. Für ältere Mitbürger sollte das eine prima Sache werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×