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02.03.2014

13:32 Uhr

Verbraucherschutz

SPD will gegen Dispozinsen vorgehen

Wer sein Konto überzieht, muss zahlen: Derzeit verlangen Banken Dispozinsen von bis zu 14 Prozent. Verbraucherminister Heiko Maas (SPD) will das Problem nun angehen, doch könnte die CDU einen großen Vorstoß ausbremsen.

Bundesverbraucherminister Heiko Maas (SPD) will gegen hohe Dispozinsen vorgehen. dpa

Bundesverbraucherminister Heiko Maas (SPD) will gegen hohe Dispozinsen vorgehen.

BerlinDispozinsen für das Überziehen des Kontos sollen nach dem Willen von Bundesverbraucherminister Heiko Maas schon bald sinken. Der SPD-Politiker bekräftigte in der „Welt am Sonntag“ entsprechende Pläne der großen Koalition, ohne jedoch einen konkreten Zeitpunkt zu nennen. „Wenn Leute ins Minus gehen und in den Dispo fallen, müssen sie darauf hingewiesen werden, dass sie exorbitante Zinsen zahlen müssen“, sagte Maas dem Blatt. Dispozinsen bis 14 Prozent seien weder sachgerecht noch notwendig, und für manche seien sie „der erste Schritt in die Totalverschuldung“.

Union und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, dass Banken verpflichtet werden sollen, Kunden mit einem überzogenen Konto zu warnen und bei längerer Inanspruchnahme günstigere Alternativen anzubieten. Auf die Umsetzung der Vorhaben pochen angesichts der niedrigen Zinsen, für die sich Banken das Geld bei der Notenbank leihen können, auch Verbraucherschützer. Diese hatten sich immer wieder auch für eine gesetzliche Deckelung der Dispozinsen stark gemacht. Maas sagte nun zwar, auch die SPD halte dies für richtig. Eine Deckelung werde mit der Union jedoch nicht umzusetzen sein.

Bei einem Konto im Minus muss man zwischen zwei Zinsarten unterscheiden: So werden für ein Konto im erlaubten Rahmen („Dispokredit“) Zinsen fällig. Derzeit im Schnitt knapp über 10 Prozent. Überzieht man das Konto im „geduldeten Rahmen“ weiter, kommen weitere Zinsen hinzu, die Verbraucherschützer wegen ihrer Höhe jedoch als eine Art „Strafzinsen“ ansehen. Derzeit muss man nach Beobachtung von Experten hier insgesamt mit einem Zinssatz von durchschnittlich über 14 Prozent rechnen.

Der Minister setzt auch auf Transparenz, um die Zinsen zu drücken: „Die Höhe der Dispozinsen sollte auch im Internet vergleichbar sein. Diese Klarheit wird es den Banken dann immer schwerer machen, in der jetzigen Niedrigzinsphase noch so hohe Dispozinsen abzuverlangen.“ Verbraucherschützer halten einen solchen Schritt ebenfalls für wichtig, sehen aber auch einen Haken: Denn wer sein Konto überzieht, kann in aller Regel nicht problemlos den Anbieter wechseln, um ein günstigeres Konto zu eröffnen.

Jüngst hatte Europas größte Direktbank ING-Diba die Dispo- und Überziehungszinsen auf einheitlich 7,95 Prozent gesenkt und damit den Zuschlag abgeschafft. Nach Beobachtung von Experten gibt es darüber hinaus noch einige weitere kleinere Banken mit ähnlicher Zinsgestaltung.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

03.03.2014, 18:29 Uhr

Maas sollte in seiner Zuständigkeit als Verbraucherschützer die vernachlässigte Dienstaufsichtsbehörde der BaFin übernehmen. Dann hört der Lobbyismus in und mit der BaFin endlich auf.

Schon seit langem kann man nicht mehr hinsehen. Unmöglich was die BaFin veranstaltet und in der BaFin veranstaltet wird. Nicht zuletzt sollten alle endfälligen Lebensversicherungen vorbehaltlich einer Prüfung durch den Verbraucherschutz abgerechnet werden. Es ist unmöglich welche Bewertung Versicherungen vorlegen und seitens der BaFin als plausibel akzeptiert werden. Es besteht der begründete Verdacht, dass die Zuständigen für Versicherungsaufsicht sich mit den Zuständigen für Bankenaufsicht nicht abstimmen und unter einer Bewertung in der BaFin anderes verstehen.

Wenn es eine einheitliche Aufsicht geben soll, dann sollten auch die Beurteilungsprinzipien gleich sein.

Kindergarten, was uns da als staatliche Finanzaufsicht präsentiert wird!

Account gelöscht!

05.03.2014, 18:23 Uhr

ich gehe mal davon aus, dass der Herr Minister wie für einen Politiker üblich hier populistische Forderungen stellt. Ansonsten muss man an seiner Kompetenz doch arg zweifeln. Wer sein Konto ( dauerhaft ) überzieht, der hat ein finanzielles Problem. Er gibt mehr aus als er einnimmt. Und damit hat die Bank ein finanzielles Risiko, das sie sich sehr ordentlich bezahlen lässt. Hier soll mal wieder der mündige Bürger aus der Haftung für sein Fehlverhalten genommen werden was nur wieder zu Regulierung führt. Und das wir schon genug Bürokratie haben, sollte jedem bekannt sein. Also: einfach nur das Geld ausgeben was man auch vorher einnimmt. Ich gebe aber zu: das ist sicher eine sehr unpopuläre Meinung.

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