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26.06.2014

13:42 Uhr

Verdacht auf Zuhälterei

Kindesmissbrauchsvorwürfe gegen NSU-Helfer

Im Auftrag von Tino Brandt sollen sich Jugendliche prostituiert haben. Der ehemalige V-Mann des Verfassungsschutzes steht bereits wegen seiner Unterstützung des rechtsextremen Mordtrios NSU vor Gericht.

Tino Brandt führte in den 1990er Jahren die rechtsextreme Organisation „Thüringer Heimatschutz“ an. dpa

Tino Brandt führte in den 1990er Jahren die rechtsextreme Organisation „Thüringer Heimatschutz“ an.

ErfurtDer mutmaßliche NSU-Helfer Tino Brandt ist wegen des Verdachts des Kindesmissbrauch festgenommen worden. Gegen Brandt sei am Mittwoch Haftbefehl erlassen worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera am Donnerstag, der damit einen Bericht der Online-Ausgabe der „Thüringer Allgemeinen“ bestätigte. Der Verdacht auf sexuellen Missbrauch eines Kindes habe sich aufgrund von Zeugenaussagen ergeben.

Laut „Thüringer Allgemeinen“ gibt es detaillierte Aussagen eines zur Tatzeit 15-Jährigen, den Brandt sexuell missbraucht und anschließend an Freier vermittelt haben soll. Gegen Brandt laufen bereits Ermittlungen wegen des Verdachts der Zuhälterei. In diesem Zusammenhang wurde laut Staatsanwaltschaft die Rudolstädter Wohnung Brandts durchsucht.

Nach Informationen der Zeitung wurden darüber hinaus die Wohnungen von mindestens fünf Jugendlichen und Männern durchsucht, die sich im Auftrag Brandts prostituiert haben sollen. Der Zuhälterei-Verdacht ergab sich dem Bericht zufolge während der Betrugsermittlungen, die bereits seit mehr als zwei Jahren gegen Brandt und weitere Beschuldigte laufen.

Brandt führte in den 1990er Jahren die rechtsextreme Organisation „Thüringer Heimatschutz“, dem zeitweise auch die die Mitglieder der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe angehört haben sollen. Nach der Flucht des Trios Anfang 1998 soll er sich an der Unterstützung des späteren NSU beteiligt haben.

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Im NSU-Prozess ging es um die letzten Minuten und Sekunden des „Nationalsozialistischen Untergrunds“: den Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Ein Gerichtsmediziner berichtet, Beate Zschäpe starrt nur ins Leere.

Gleichzeitig arbeitete Brandt als V-Mann für das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz. Die rund 100.000 Euro, die er über die Jahre für seine Spitzeldienste erhielt, will er nach eigenen Angaben zur Finanzierung der rechtsextremen Szene benutzt haben. Nach seiner Enttarnung im Jahr 2001 trat er als stellvertretender Landesvorsitzender der Thüringer NPD zurück.

Im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht, in dem sich derzeit unter anderem Zschäpe verantworten muss, soll Brandt als Zeuge aussagen. Der Sprecher der Geraer Staatsanwaltschaft sagte, trotz seiner Verhaftung könne Brandt im Prozess vorgeführt werden.

Dem NSU werden zehn Morde und zwei Bombenanschläge angelastet. Zschäpe soll zusammen mit Böhnhardt und Mundlos, die sich nach einem missglückten Banküberfall im November 2011 das Leben genommen hatten, die rechtsextreme Terrorzelle gebildet haben.

Von

afp

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