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04.05.2013

15:27 Uhr

Verdi-Chef

Bsirske fordert Kirchen zu mehr Lohngerechtigkeit auf

Beim Arbeitsrecht liegen Gewerkschaften und Kirchen über Kreuz. Tarifverhandlungen gibt es keine. Der Verdi-Chef fordert Veränderungen – und der Kirchentagspräsident droht mit dem Europäischen Gerichtshof.

Verdi-Chef Frank Bsirske: Die Gewerkschaft geht schon länger gegen die Sonderrechte von Diakonie und Caritas vor. dpa

Verdi-Chef Frank Bsirske: Die Gewerkschaft geht schon länger gegen die Sonderrechte von Diakonie und Caritas vor.

HamburgVerdi-Chef Frank Bsirske hat die Kirchen zu mehr Lohngerechtigkeit aufgerufen. Die Kirche dürfe nicht das Recht haben, „auf dem Rücken der Beschäftigten Lohndumping zu betreiben und sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen“, sagte Bsirske am Samstag auf dem Evangelischen Kirchentag in Hamburg. Kirchentagspräsident Gerhard Robbers kündigte an, die Kirche werde vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen, falls Verdi ein Streikrecht vor dem Bundesverfassungsgericht durchsetzen sollte.

Verdi geht schon länger gegen den Sonderweg der evangelischen und katholischen Kirche beim Arbeitsrecht vor. Die Bezahlung von Kirchenmitarbeitern - darunter mehr als eine Million in Diakonie und Caritas - wird nicht in Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften festgelegt, sondern in Kommissionen. Das Bundesarbeitsgericht hatte diese Praxis im November 2012 im Grundsatz bestätigt, aber eine bessere Beteiligung der Gewerkschaften angemahnt. Auch das Streikverbot wurde gelockert.

Weitere Diskussionsrunden gab es am vorletzten Tag des Protestantentreffens etwa zu Bundeswehreinsätzen im Ausland, zur Zukunft der Demokratie, zur Ökumene oder zu den Arbeitsbedingungen auf Schiffen. Rund 50 Demonstranten störten die Bibelarbeit von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) im Hamburger Michel. Auf Transparenten forderten sie „Bundeswehr abschaffen“.

Am Freitag hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück unter das Kirchentagsvolk gemischt. Beim größten Konzert des Christentreffens im Stadtpark jubelten rund 65 000 Besucher der A-cappella-Gruppe Wise Guys zu.

Wie Arbeitnehmer überwacht werden – spektakuläre Beispiele

Januar 2010

Die Ulmer Drogeriemarktkette Müller muss wegen des rechtswidrigen Umgangs mit Gesundheitsdaten von Mitarbeitern 137 500 Euro Strafe zahlen. Das Unternehmen hatte zwischen 2006 und 2009 Beschäftigte nach Krankheitsgründen gefragt und die Daten rechtswidrig in den Personalakten gespeichert.

Oktober 2009

Für Verstöße gegen den Datenschutz im Unternehmen muss die Deutsche Bahn ein Rekordbußgeld von 1,12 Millionen Euro zahlen. Daten von Mitarbeitern waren zwischen 2002 und 2005 systematisch mit denen von Lieferanten abgeglichen worden, um ohne konkreten Anlass Korruption zu bekämpfen.

April 2009

Es wird bekannt, dass der Lebensmitteldiscounter Lidl Informationen über die Krankheiten von Mitarbeitern systematisch registriert hat. Schon 2008 hatte das Unternehmen für Schlagzeilen gesorgt, weil Mitarbeiter mit versteckten Kameras überwacht wurden. Auch Kunden wurden dabei gefilmt. In Protokollen wurde beispielsweise vermerkt, wann eine Mitarbeiterin zur Toilette ging oder Pause machte. Lidl zahlte insgesamt mehr als 1,5 Millionen Euro Bußgeld.

Mai 2008

Die Deutsche Telekom räumt ein, von 2005 bis 2006 seien Telefondaten von Managern und Aufsichtsräten ausgespäht worden. Der Konzern wollte herausfinden, ob Telekom-Mitarbeiter vertrauliche Informationen an Journalisten weitergegeben haben. Insgesamt sollen etwa 50 Personen bespitzelt worden sein. Das Unternehmen hatte den Fall 2008 mit einer Anzeige selbst ins Rollen gebracht. Quelle: dpa

Der Kirchentag war am Mittwoch eröffnet worden und geht am Sonntag mit einem großen Open-Air-Gottesdienst zu Ende. 117 000 Gläubige hatten sich für alle fünf Tage angemeldet, hinzu kommen Zehntausende Tagesgäste. Am Mittag wollten die Veranstalter Bilanz ziehen.

Von

dpa

Kommentare (15)

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nonprofit

04.05.2013, 15:35 Uhr

Hier hat er zu 100% Recht...

Account gelöscht!

04.05.2013, 16:33 Uhr

Dass überhaupt Menschen noch diesen verlogenen Vereinen angehören ist tragisch.Kirchen wollen Macht und Geld.
Kirche ist ein Weg der Politik.
Mit Gott hat das nichts zu tun.

Jens

04.05.2013, 18:45 Uhr

Nun,
sobald die Gewerkschaften ihren eigenen Mitarbeitern Streikrecht oder wenigstens gewerkschaftliche Organisation zugestehen. Von einer tariflichen Bezahlung mal abgesehen...

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