Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.04.2015

09:27 Uhr

Verdi droht Kommunen

Kitas drohen lange Streiks

Lärmende Kinder, schwierige Eltern, Bürokratie: Die Anforderungen an Erzieherinnen sind hoch. Ihre Bezahlung aber nicht, kritisieren Gewerkschaften. Sie bereiten Eltern auf einen langen Tarifstreit vor.

Verdi-Chef Bsirske setzt auf Konfrontation im Streit um die Tarife in den Kindertagesstätten. dpa

Verdi-Chef Bsirske setzt auf Konfrontation im Streit um die Tarife in den Kindertagesstätten.

BerlinFamilien in ganz Deutschland müssen sich möglicherweise auf wochenlange Streiks in den Kitas einstellen. Verdi-Chef Frank Bsirske beklagte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, die kommunalen Arbeitgeber lehnten eine bessere Bezahlung für Erzieher schlicht ab und leugneten jeglichen Handlungsbedarf. „Wenn die Arbeitgeberseite diese Haltung weiter verfolgt, steuern wir auf eine scharfe Konfrontation zu.“ Derzeit seien die Tarifpartner weiter auseinander als bei Verhandlungen im Jahr 2009. Und damals, so betonte Bsirske, sei zwölf Wochen lang gestreikt worden.

Für die Zeit nach Ostern haben die Gewerkschaften Verdi und GEW bereits wieder Ausstände in Kitas, Behindertenwerkstätten und Jugendhilfe-Einrichtungen angekündigt. Die nächsten Gespräche sind für den 9. April angesetzt.

Die Gewerkschaften fordern eine bessere Eingruppierung und damit eine höhere Bezahlung der bundesweit rund 240.000 Kinderpfleger, Erzieher und Sozialarbeiter in kommunalen Einrichtungen. Verdi spricht von einer Einkommensverbesserung von rund zehn Prozent. Indirekt sollen von einem Tarifergebnis auch die mehr als 500.000 Beschäftigten bei freien und kirchlichen Trägern profitieren, da Tarifverträge hier übernommen werden oder als Orientierung dienen. Die Vereinigung Kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) hat pauschale Erhöhungen wiederholt zurückgewiesen.

Kinder in Deutschland

Neugeborene

2013 kamen gut 682 000 Kinder zur Welt - das waren 8500 mehr Neugeborene als im Jahr zuvor.

Alter der Mütter

Das Durchschnittsalter der Mutter lag bei 29 Jahren, bei 3 Prozent der Erstgeburten war die Mutter älter als 40.

20 Prozent: alleinerziehend

Mehr als 136 000 minderjährige Kinder waren 2013 von der Scheidung ihrer Eltern betroffen, 20 Prozent aller Eltern in Deutschland waren alleinerziehend.

Jede siebte Familie ist kinderreich

Nur jede siebte Familie gilt als kinderreich, hat also 3 oder mehr Kinder im Haushalt.

Minderjährig

Es gab 2013 8,1 Millionen Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind. Von den insgesamt 18,6 Millionen Kindern in diesen Familien waren 13,6 Millionen unter 18.

Kinder in Armut

Laut Unicef mussten zwischen 2000 und 2010 8,6 Prozent der Kinder in Deutschland mehrere Jahre lang in Armut leben.

Akute Gefährdung für Kinder

Laut Studie zeigt rund ein Fünftel der Kinder von drei bis 17 Jahren psychische Auffälligkeiten, Jungen häufiger als Mädchen. Bei 17.000 Kindern und Jugendlichen haben die Jugendämter 2013 eine akute Gefährdung festgestellt – es ging um Vernachlässigung, seelische und körperliche Misshandlung sowie sexuelle Gewalt.

Alkohol bei Jugendlichen#

Mehr als die Hälfte der 11- bis 17-Jährigen hat einer Studie zufolge schon einmal Alkohol getrunken. Bei 15,8 Prozent ist der Alkoholkonsum riskant.

Dabei seien die pädagogischen Anforderungen im Sozial- und Erziehungsdienst in den vergangenen Jahren signifikant gestiegen, sagte Bsirske. Erzieher müssten Bildungspläne für jedes Kind aufstellen, Eltern- und Integrationsarbeit leisten. „Dieser Bereich wird wichtiger für die frühkindliche Bildung, für die Chancenentwicklung, für die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, für die Inklusion.“

Das Argument fehlender Finanzen bei den kommunalen Arbeitgebern will Bsirske nicht gelten lassen. Die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Kommunen seien deutlich gestiegen - und das setze sich nach allen Prognosen in den nächsten Jahren fort. „Wenn wir solche Argumente in dieser Situation akzeptierten, könnten wir uns mit der Aufwertung der sozialen Berufe gleich auf zwei bis drei Jahrzehnte vertagen. Das können wir uns gesellschaftlich nicht leisten“, sagte der Verdi-Chef.

Die sozialen Berufe müssten dringend attraktiver gemacht werden, forderte Bsirske. Derzeit hätten die Erzieherberufe mit ihrer langen Ausbildung und der hohen Teilzeitquote wenig Reiz. Gleichzeitig steige aber die Konkurrenz um qualifizierten Nachwuchs. „So sorgt man nicht für die nötige Attraktivität des Berufsfelds“, kritisierte Bsirske. Stattdessen seien Erzieher „konfrontiert mit dem eingebauten Zwang zum Zweitjob“.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×