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26.02.2013

11:22 Uhr

Verdi greift DGB an

Gewerkschafter bestreiken Gewerkschaft

Dass Verdi zu einem Warnstreik aufruft ist nicht ungewöhnlich. Dass der Deutsche Gewerkschaftsbund nun bestreikt wird schon. Der DGB, der gerne hohe Löhne fordert, drückt bei einer Tochterfirma auf die Kostenbremse.

Verdi bestreikt den DGB mit dessen Vorsitzenden Michael Sommer. dpa

Verdi bestreikt den DGB mit dessen Vorsitzenden Michael Sommer.

DüsseldorfVoller Selbstbewusstsein sind die Gewerkschaften ins Tarifjahr 2013 gegangen. Die gute Konjunktur, so der Tenor, müsse auch die Portemonnaies der Arbeitnehmer füllen. Michael Sommer, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), posaunte im Gefühl der Stärke: „Die Gewerkschaften werden die Tarifverhandlungen in diesem Jahr sehr selbstbewusst führen und, falls nötig, auch mit aller Konsequenz.“

Nur zehn Tage später merkt der DGB-Chef wie recht er hatte. Denn die Gewerkschaft Verdi – selbst Mitglied im Gewerkschaftsbund – hat die rund 750 Beschäftigten der DGB Rechtsschutz GmbH für Dienstag zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Ab 14 Uhr ist eine Kundgebung vor der DGB-Zentrale am Hackeschen Markt in Berlin geplant. Die Forderung lautet: Wir wollen mehr Lohn.

Verdi reagiert mit dem Streik auf das Angebot für die Mitarbeiter der DGB Rechtsschutz GmbH, einer Tochter des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Ihnen wurden in der zweiten Verhandlungsrunde im Januar 2013 lediglich eine Lohnsteigerung von 0,9 Prozent für zwölf Monate angeboten. Die GmbH unterhält bundesweit 111 Büros und 48 Service-Points. Sie ist zuständig für Gewerkschaftsmitglieder, die Rechtsschutz benötigen.

„Dieses Angebot ist völlig unzureichend – es für nicht weiter verhandelbar zu erklären, ist eine Provokation“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Gerd Denzel. „Die Beschäftigten sind die Zeitspielerei leid und wollen endlich ein verhandlungsfähiges Angebot sehen.“ Verdi fordert 6,5 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten.

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Die Gewerkschaften gehen in die Vollen und fordern bis 6,6 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten.

Die Beschäftigten kritisieren besonders, dass Mitglieder des DGB sich in den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst für 6,5 Prozent mehr Geld einsetzen, bei der DGB-Tochter aber nur 0,9 Prozent mehr zahlen wollten. Die Arbeitgeber bezeichneten die Forderung als unbegründet. Seit Anfang 2010 seien die Gehälter der Beschäftigten um 6,8 Prozent gestiegen.

Der FDP-Politiker Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, nutzte den Umgang des Gewerkschaftsbundes mit der eigenen Tochter zu einer Attacke via Twitter. „Wein trinken, Wasser predigen: #DGB will eigenen Mitarbeitern nur 0,9% Lohnerhöhung geben“, kommentierte Otto. Andere sehen es ähnlich:

Kommentare (14)

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Marc

26.02.2013, 11:51 Uhr

Das ist doch typisch bei den Genossen. Große Töne spuken,gewaltige Lohnerhöhungen einfordern, die eigenen Mitarbeiter aber mit Hungerlöhnen abspeisen.
Die eigentlichen Absahner der Gewwerkschaftsbeiträge sind doch Sommer, Birske und Co. Die Gewerkschaftsführer sind Aufwiegler und Agigatoren und leben von den Mitgliederbeiträgen wie die Made im Speck ohne irgendeine Verantwortung zu tragen. So sind sie halt die Gewerschaftsführer, Wasser predigen aber selber Wein trinken. Ich selbst war nie in der Gewerkschaft, habe aber miterlebt was die Gewerschaft bei unserer absichtlich herbeigeführten Firmenschliessung für ihre Mitglieder getan hat, nämlich gar nichts.

Numismatiker

26.02.2013, 12:32 Uhr

Die Tatsache, daß Gewerkschaften ihre Mitarbeiter ausbeuten, ist seit Jahren bekannt. Verdi gehört übrigens auch dazu.

Besser macht das diesen Umstand allerdings nicht.

Heuchelgewerkschaften

26.02.2013, 12:37 Uhr

Vielen Dank, dass Sie endlich mal das Thema Umgang mit den eigenen Mitarbeitern bei den heuchlerischen Gewerkschaften aufgegriffen haben. Das ist ebenso wie bei den Kirchen, vor allem der evangelischen: Längst keinen Rückhalt mehr in der Bevölkerung, aber nach außen hin den moralinen Kraftmeier abgeben und Mondforderungen stellen, die andere bezahlen sollen, aber wenn's um die eigenen Pfründe geht, dann wird gemobbt, gelogen, intrigiert und gedroht, was das Zeug hält. Gewerkschaften bewirken inzwischen nur noch ein: Zeit-, Geld- und Kraftverlust in den Unternehmen und eine ständig steigende Preisspirale sowie haufenweise Arbeitslose, weil die höheren Löhne natürlich auf die Preise abgewälzt werden und Personal eingespart und die Produktion verlagert wird.

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