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25.02.2011

14:35 Uhr

Verehrung und Kritik

Guttenbergs skurrile Umfragewerte

VonGero Brandenburg, dpa

Repräsentative Umfragen sehen Guttenberg weiterhin als Liebling der Bürger. In Online-Umfragen hingegen wird mehrheitlich sein Rücktritt gefordert. Forsa-Chef Güllner erklärt den scheinbaren Widerspruch.

Liebling der Massen: Laut ZDF-Politbarometer lehnen 75 Prozent der Deutschen Guttenbergs Rücktritt als Minister ab. Quelle: dapd

Liebling der Massen: Laut ZDF-Politbarometer lehnen 75 Prozent der Deutschen Guttenbergs Rücktritt als Minister ab.

DüsseldorfDie unterschiedlichen Umfragewerte zu Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg geben Rätsel auf. Auffällig ist, dass der Freiherr aus Bayern in repräsentativen Umfragen zwar einbüßt, aber immer noch sehr wohlwollend beurteilt wird. In Online-Umfragen hingegen votiert die Mehrheit der Teilnehmer gegen ihn.

Nach dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer führt Guttenberg die Top 10 der beliebtesten deutschen Politiker weiterhin an – auch wenn der CSU-Politiker an Zuspruch einbüßt. Bei der Einschätzung nach Sympathie und Leistung fiel Guttenberg auf einen Durchschnittswert von 1,4 (zuvor 2,0). Kanzlerin Angela Merkel folgt knapp dahinter, auf Platz drei liegt SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier.

42 Prozent der Bürger halten Guttenberg zwar für politisch dauerhaft beschädigt, eine deutliche Mehrheit (75 Prozent) findet aber nicht, dass er als Verteidigungsminister zurücktreten muss, weil er für seine Dissertation Texte anderer Autoren benutzte, ohne dies zu kennzeichnen. 60 Prozent sehen ihn immer noch für höchste politische Ämter geeignet.

Sämtliche Online-Umfragen ergeben eine deutlich kritischere Einstellung zu Guttenberg und den Plagiatsvorwürfen. Stets votiert eine Mehrheit für Guttenbergs Rücktritt. Einige Beispiele: Bei "Frankfurter Rundschau", "Welt" und der "Süddeutschen Zeitung" waren es jeweils mehr als 80 Prozent. Selbst bei bild.de wollen dies 57 Prozent (Stand: 13.55 Uhr). Erstaunlich ist, dass sich bei einer Telefon-Umfrage der Bild-Zeitung 87 Prozent der Teilnehmer für Guttenberg aussprachen.

Wie lassen sich diese deutlichen Unterschiede erklären?

Forsa-Chef Manfred Güllner sieht sowohl Telefon- als auch Online-Umfragen sehr skeptisch. „Es sind manipulative Instrumente und ergeben gewiss kein repräsentatives Bild.“  Fast immer seien sie von Interessengruppen gesteuert. Bei der telefonischen Ted-Umfrage würden sich vornehmlich Guttenberg-Befürworter melden, ähnlich sei es bei Online-Bewertungen – nur dass sich dort vornehmlich Kritiker des Ministers formierten. Güllner sagt: „Ob ein Teilnehmer ein- oder zehnmal abstimmt, geht aus den Umfragewerten nicht hervor. Die Ergebnisse sind meist manipuliert.“

Die große Zustimmung für zu Guttenberg in repräsentativen Umfragen neigt sich aber auch nach Ansicht von Güllner ihrem Ende entgegen. „Es dauert natürlich eine Weile, bis Guttenbergs Sympathiepanzer abgeschmolzen ist – aber er schmilzt.“ Das zeigt auch das ZDF-Politbarometer. Guttenbergs deutlicher Vorsprung gegenüber anderen Politikern ist fast aufgebraucht.

Kommentare (36)

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ue1

25.02.2011, 15:18 Uhr

Eine Stimme online mehrfach abzugeben ist ganz einfach:

Zwar behaupten die Betreiber / Programmierer solcher Systeme, daß dies über einen Prüfmechanismus verhindert wird, aber dieser läßt sich einfach aushebeln.

Die Prüfung findet nämlich über den sog. Cookie (welcher nach Stimmabgabe auf der Fetsplatte des PC abgelegt wird) statt, aber dieser läßt sich ganz leicht löschen und schon gilt man als "neuer" Teilnehmer für die Abstimmung.

Manche Revoluzzer haben halt dank Hartz IV jede Menge Zeit, diesen Vorgang beliebig oft zu wiederholen.

komisch

25.02.2011, 15:42 Uhr

Wie erklärt es sich dann, dass beim BP die Werte wohl eng zusammen lagen?
Oder ist es so? Jeder betrügt wo, bei: Mwst, E-Steuer, Km-Limit, Viehfutter, Mogelpackung, Zoll, Falscangaben,
Internet, Kreditkarten usw. damit ist Kuttenberg einer vom Volk?. So wie der Herr so das G*scherr?
Oder Datenschutz in D ist Verbrecherschutz gegen die Bevölkerung?

poolliter

25.02.2011, 15:43 Uhr

Ich habe bisher in meinem Bekanntenkreis immer vertreten: Gerade die Deutschen sind nach den Erfahrungen von 1933 - 1945 weniger manipulierbar, durch politische Scharlatane.
Leider muß ich anscheinend meine Meinung korrigieren.
Aber vielliecht ist Herr (Ohne Dr.) Guttenberg einfach nur der größter Manipulator aller Zeiten.
Ich möchte hier keinesfalls die Politik von Herrn Guttenberg in die Nazi-Ecke stellen, sondern nur auf Paarallelen in der manipulativen Wirkung, die auf einen großen Teil des Volkes wirken, hinweisen.

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