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03.07.2014

19:40 Uhr

Verfassungsschutz mahnt

Mehr Kampf gegen Wirtschaftsspione gefordert

Der Schaden durch Wirtschaftsspionage wird auf 50 Milliarden Euro geschätzt - im Jahr, in Deutschland. Trotzdem tun vor allem kleine und mittlere Unternehmen zu wenig für ihre Sicherheit, klagen die Verfassungsschützer.

Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, beklagt das viele Unternehmen zu wenig tun um sich vor Wirtschaftsspionage zu schützen. Reuters

Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, beklagt das viele Unternehmen zu wenig tun um sich vor Wirtschaftsspionage zu schützen.

BerlinDer Verfassungsschutz hat deutsche Unternehmen und die EU zu mehr Kooperation im Kampf gegen zunehmende Wirtschaftsspionage aufgerufen. „Wir brauchen eine enge Zusammenarbeit, um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu schützen“, sagte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), Hans-Georg Maaßen, am Donnerstag mit Blick auf die deutschen Firmen in Berlin. Notwendig sei ein „Netzwerk des Vertrauens und des gegenseitigen Informationsaustausches“, forderte er bei einer Tagung mit der Arbeitsgemeinschaft für die Sicherheit der Wirtschaft (ASW).

Deutsche Großunternehmen seien verhältnismäßig gut geschützt. Doch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen fehle es oft am Bewusstsein für die Gefahr durch Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Desinformation, beklagte Maaßen.

Die Hauptbedrohung komme nach wie vor von staatlichen oder privaten Angreifern aus China und Russland. So verfüge die chinesische Armee über 200 000 Nachrichtendienstler, von denen ein Teil mit gesetzlichem Auftrag Wirtschaftsspionage betreibe. „Wir haben es mit starken Gegenübern zu tun“, sagte der BfV-Präsident.

Bei der Wirtschaftsspionage gehe es nicht nur um Cyber-Attacken, wie sie durch die Enthüllungen des Ex-NSA-Mitarbeiters Edward Snowden im Mittelpunkt der Debatte stünden. Ebenso groß sei die Gefahr durch frustrierte Mitarbeiter. Anfällig seien auch Menschen mit sozialen Problemen, Schulden, Alkoholismus oder Spielsucht. Die Unternehmen sollten dafür sorgen, dass sie einen besseren Schutzschild um ihre „Kronjuwelen“ errichten und in diesen kritischen Bereichen nur zuverlässige Mitarbeiter einsetzen.

Der Bundesverband der deutschen Industrie schätze den Schaden durch Wirtschaftsspionage auf 50 Milliarden Euro im Jahr, sagte Maaßen. Dennoch fehlten in vielen Unternehmen Konzepte zum Schutz ihrer wichtigsten Informationen. Zum Teil mangele es an der Bereitschaft, in diesem Bereich zu investieren. Attacken dürften nicht verschwiegen werden, auch wenn dies besonders sensibel sei, weil der Ruf leiden könne. Die Behörden seien immer noch unzureichend über Spionageattacken auf die Wirtschaft informiert. Daher sei die umstrittene geplante Meldepflicht geboten.

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Angesichts möglicher Cyberattacken sprach sich Maaßen für mehr Zusammenarbeit in der Europäischen Union gegen Wirtschaftsspionage aus. Der Inlandsgeheimdienst habe Erkenntnisse, „dass auch kritische Infrastrukturen in Europa im Fokus von Cyberangriffen stehen. Das bereitet uns große Sorgen.“ Daher müsse die EU im Wirtschaftsschutz noch enger zusammenarbeiten. Unter kritischer Infrastruktur werden beispielsweise die Energie- oder Wasserversorgung und die Luftsicherheit verstanden.

Von

dpa

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