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11.08.2015

10:36 Uhr

Vergleich der EU-Staaten

Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland am niedrigsten

Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen ist in Deutschland niedriger als in jedem anderen EU-Land. Die Quote liegt deutlich unter dem Durchschnitt. Im Land mit der höchsten Quote ist jeder zweite Jugendliche ohne Job.

Deutschland hat die EU-weit niedrigste Quote an Arbeitslosen zwischen 15 und 24 Jahren. Sie liegt mit 7,7 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt von 22,2 Prozent. dpa

Jugendarbeitslosigkeit

Deutschland hat die EU-weit niedrigste Quote an Arbeitslosen zwischen 15 und 24 Jahren. Sie liegt mit 7,7 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt von 22,2 Prozent.

WiesbadenDie Erwerbslosigkeit unter Jugendlichen liegt in Deutschland laut Statistischem Bundesamt niedriger als in jedem anderen EU-Land. Im vergangenen Jahr hatten hierzulande rund 330.000 Menschen zwischen 15 und 24 Jahren keinen Job, obwohl sie nach einem suchten, teilte das Amt am Dienstag in Wiesbaden mit.

Die Quote habe somit bei 7,7 Prozent gelegen. Der EU-Durchschnitt lag den Angaben zufolge bei 22,2 Prozent. Den höchsten Wert erreichte Spanien, wo mit 53,2 Prozent gut jeder zweite junge Bürger von Arbeitslosigkeit betroffen war. Knapp dahinter folgte Griechenland mit 52,4 Prozent.

Milliarden zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa

Hohe Arbeitslosigkeit

Mehr als 4,7 Millionen Jugendliche in der Europäischen Union sind der Statistikbehörde Eurostat zufolge arbeitslos. Besonders dramatisch ist die Lage in Ländern wie Spanien, Italien oder Griechenland. Ein Überblick:

Spanien (1)

Jeder zweite Spanier unter 25 Jahren hat keinen Job. Anfang 2013 rief die konservative Regierung ein Milliardenprogramm ins Leben, das noch bis Ende 2016 läuft. Die 100 Maßnahmen kosten insgesamt 3,5 Milliarden Euro, fast ein Drittel davon kommt aus dem europäischen Sozialfonds

Spanien (2)

Es gibt unter anderem finanzielle Anreize für Firmen bei der Einstellung Jugendlicher und Maßnahmen zur Förderung der Berufsausbildung. Die Jugendarbeitslosenquote sank seit dem Start des Programms um rund sechs Punkte auf 49,2 Prozent.

Portugal (1)

In Portugal ist trotz des jüngsten Wirtschaftsaufschwungs immer noch fast jeder dritte Jugendliche arbeitslos. Anfang 2014 wurde das EU-Programm „Jugendgarantie“ umgesetzt. Es ist in Portugal bis Ende 2015 mit insgesamt 1,3 Milliarden Euro ausgestattet.

Portugal (2)

Bis dahin soll 378.000 Jugendlichen eine Arbeitsstelle, ein Ausbildungsplatz, ein Praktikum oder eine Fortbildungsmöglichkeit angeboten werden. Die Jugendarbeitslosenquote ging seit Inkrafttreten des Programms von gut 35 auf zuletzt 29,8 Prozent zurück. Kritiker meinen allerdings, dies sei auch auf die anhaltende Abwanderung zurückzuführen.

Italien (1)

Die italienische Regierung hat kaum spezielle Programme gegen die Jugendarbeitslosigkeit, die zuletzt bei 44,2 Prozent lag. Italien beteiligt sich aber an dem EU-Programm „Jugendgarantie“.

Italien (2)

Es wurden insgesamt 1,4 Milliarden Euro aus Mitteln von EU, Land und Regionen dafür zur Verfügung gestellt. Der Erfolg ist jedoch bislang noch nicht an den Zahlen zu erkennen.

Frankreich (1)

In Frankreich ist fast jeder vierte Jugendliche ohne Job. Für die zuletzt gut 560 000 Arbeitslosen unter 25 Jahren hat die Regierung spezielle Programme aufgelegt. Nach dem Verlust eines Jobs soll Betroffenen innerhalb von vier Monaten eine qualifizierte Stelle oder die Möglichkeit für Aus- und Weiterbildung oder Praktikum angeboten werden.

Frankreich (2)

Gleichzeitig bemüht sich die Regierung, für Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren Arbeitsplätze mit Zukunftsperspektive zu schaffen. Das Programm „Emploi d'avenir“ richtet sich vor allem an junge Leute, die nicht oder kaum qualifiziert sind. Für sie sollen zusätzliche Möglichkeiten zu Ausbildung und Arbeit entstehen. In den ersten drei Jahren der Beschäftigung zahlt der Staat 75 Prozent des Bruttogehalts für die jungen Leute.

Griechenland

Spezielle Programme zur Bekämpfung Jugendarbeitslosigkeit gibt es in Griechenland so gut wie nicht – gut jeder Zweite unter 25 Jahren ist ohne Job. Im Mai beschloss die EU, dass Staaten wie Griechenland 2015 insgesamt eine Milliarde Euro Soforthilfe bekommen sollen.

Die Daten werden nach einer EU-weit einheitlichen Methode erhoben, die auf Standards der Internationalen Arbeitsagentur (ILO) beruht. Sie weichen deshalb von den nationalen Arbeitslosenzahlen ab. Erwerbslos ist, wer keine Arbeit hat, in den vier Wochen vor der Befragung aber aktiv nach einer Tätigkeit gesucht hat und eine solche innerhalb von zwei Wochen aufnehmen könnte.

Als nicht erwerbstätig werden sowohl Erwerbslose eingestuft als auch Menschen, die in den vier Wochen vor der Befragung nicht aktiv nach Arbeit gesucht haben oder nicht kurzfristig für die Aufnahme einer Tätigkeit zur Verfügung stehen.

Was macht die EU gegen Jugendarbeitslosigkeit?

EU-Fördergelder

Für die sogenannte Jugendgarantie sind sechs Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 einplant. Auf diese EU-Gelder können die Staaten zurückgreifen, um Menschen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten zu einer Arbeit, einer Ausbildungsstelle oder einem Praktikum zu verhelfen. Die EU-Kommission setzt sich dafür ein, dass vorgesehene Fördergelder schneller zum Einsatz kommen und schon in den kommenden beiden Jahren verwendet werden. Allerdings steht die endgültige Einigung auf den Finanzrahmen 2014 bis 2020 der Union noch aus.

Europäische Investitionsbank

Schon 2012 hatten die EU-Staats- und Regierungschefs beschlossen, das Kapital der Hausbank der EU um 10 Milliarden Euro aufzustocken, um sie schlagkräftiger zu machen. EIB-Präsident Werner Hoyer hat nun im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit eine Vorfinanzierung von EU-Initiativen angeboten. „Wir sollten überlegen, das vorzufinanzieren, um rasch Wirkung zu erzielen“, sagte Hoyer der „Welt am Sonntag“.

Kampf gegen Kreditklemme

Die EU verstärkt ihren Kampf gegen die gefährliche Kreditklemme für Mittelständler in südeuropäischen Krisenländern. EU-Kommission und Europäische Investitionsbank (EIB) wollen dafür EU-Töpfe wie Regionalförderung und Forschungsrahmenprogramm mit Geldern der EIB kombinieren, um mehr Bürgschaften zu vergeben.

In Deutschland befanden sich 2014 laut Statistischem Bundesamt knapp 30 Prozent der 330.000 jungen Erwerbslosen in Bildung oder Weiterbildung. Rund eine halbe Million junger Leute war demnach nicht erwerbstätig und auch nicht mit Bildung oder Weiterbildung beschäftigt – das entsprach einer Quote von 6,4 Prozent.

Hier liegt Deutschland den Angaben zufolge im EU-weiten Vergleich hinter den Niederlanden (5,0 Prozent), Dänemark (5,8 Prozent) und Luxemburg (6,3 Prozent). Der EU-Durchschnitt lag bei 12,4 Prozent, den höchsten Wert gab es in Italien mit 22,1 Prozent.

Von

afp

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