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08.09.2014

15:05 Uhr

Vergleich der Euro-Länder

Deutsche machen die meisten Überstunden

Es gibt die tariflich ausgehandelte Arbeitszeit – und die tatsächliche. In Deutschland sind die Abweichungen im Vergleich der Euro-Länder am größten. Und: Nur jede zweite Überstunde wird bezahlt.

Immer im Dienst: Bei Dunkelheit zur Arbeit und bei Dunkelheit noch immer im Büro – manche Arbeitstage können lang werden. dpa

Immer im Dienst: Bei Dunkelheit zur Arbeit und bei Dunkelheit noch immer im Büro – manche Arbeitstage können lang werden.

BerlinDeutsche Arbeitnehmer machen nach Erkenntnissen der EU-Kommission in Brüssel im Durchschnitt mehr Überstunden als ihre Kollegen in den europäischen Nachbarländern. Der zuständige EU-Sozialkommissar Lazlo Andor sagte der Zeitung „Die Welt“: „In keinem Land der Euro-Zone gibt es einen so großen Unterschied zwischen der tarifvertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeit und der tatsächlichen Wochenarbeitszeit wie in Deutschland.“

Laut EU-Studien liege die tatsächlich vereinbarte Wochenarbeitszeit in Deutschland bei 37,7 Stunden – tatsächlich arbeiteten die Beschäftigten aber deutlich mehr. Was nicht bedeutet, dass die Deutschen auch am längsten arbeiten.

Tausende Stunden im Job

Die Schlusslichter

Wer hätte das gedacht: Was die durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Jahr angeht, liegt Deutschland (im Schnitt eine 35,5-Stunden-Woche) weltweit ganz hinten: 1413 Stunden arbeitet der deutsche Arbeitnehmer im Schnitt jährlich. Ganz hinten sind auch: Norwegen (im Schnitt eine 33,7-Stunden-Woche) mit 1426 Stunden pro Jahr und Frankreich (im Schnitt eine 37,9-Stunden-Woche) mit 1476 Stunden im Job pro Jahr. In allen anderen Staaten arbeiten die Menschen mehr als 1500 Stunden im Jahr.

Quelle: Handelsblatt Research Institute

1500 Arbeitsstunden pro Jahr

Um die 1500 Arbeitsstunden und damit vergleichsweise wenig arbeitet man etwa in Dänemark (1522 Arbeitsstunden pro Schnitt im Jahr), Belgien (1577) und Irland (1543). Die Wochenarbeitszeit liegt in Dänemark bei 33,6 Stunden, in Belgien bei 36,9 Stunden und in Irland bei 35 Stunden.

1600 Arbeitsstunden pro Jahr

Mittelmaß – als zwischen 1600 und 1700 Stunden – was die jährlichen Arbeitsstunden angeht, sind Staaten wie Österreich (1600 Stunden pro Jahr, 37,6-Stunden-Woche), Luxemburg (1601 Stunden, 37,2 Stunden pro Woche), Australien (1693 Stunden, 34,5-Stunden-Woche), Finnland (1684, 37,1), Slowenien (1662, 39,8), Spanien (1690, 38,1), Schweden (1644, 36,4), die Schweiz (1632, 35,1) und Großbritannien (1625, 36,4).

1700 Arbeitsstunden pro Jahr

Etwas mehr arbeitet man in Staaten wie Kanada (1702, 30,4), Portugal (1711, 39,2), Japan (1728, 40,7), Island (1732, 39,4), Neuseeland (1762, 33,9), in der Slowakei (1793, 40,8) in der Tschechien (1774, 40,9), Italien (1774, 37,1) und den USA (1787, 33,6).

1800 Arbeitsstunden pro Jahr

Vergleichsweise viele Stunden im Jahr arbeiten die Israelis (1890, 39,1).

1900 Arbeitsstunden pro Jahr

Noch mehr Zeit verbringen die Polen (1937, 40,7) und die Russen (1981, 35) im Durchschnitt im Jahr an ihrem Arbeitsplatz.

2000 Arbeitsstunden pro Jahr

Mehr als 2000 Stunden pro Jahr arbeiten die Chilenen (2047, 40,6) und die Südkoreaner (2193, 41,1).

2250 Arbeitsstunden im Jahr

So viel arbeitet keine Nation: 2250 Stunden im Jahr sind die Mexikaner bei der Arbeit; bei einer Wochenarbeitszeit von 44,5 Stunden.

Quelle: Handelsblatt Research Institute

Die Europäische Statistikbehörde Eurostat hat die Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten im Jahr 2013 veröffentlicht. Der Durchschnitt aller 18 Staaten der Euro-Zone liegt danach bei 41,3 Stunden, Deutschland kommt auf 41,7. Spitzenreiter sind laut Eurostat die Griechen mit 44,1 Wochenstunden. Es folgen Österreich (43,1) und Portugal (42,7). Auf die geringste Zahl an Arbeitsstunden mit 40 pro Woche kommen die Finnen.

Jedes Land habe bei der Arbeitszeit seine Eigenheiten, sagt EU-Kommissar Andor. „Wichtig ist am Ende, dass das Land wettbewerbsfähig ist und dass die Vorgaben der EU-Arbeitszeitrichtlinie eingehalten werden – das ist in Deutschland im Allgemeinen der Fall.“

Grüne und Linke kritisierten die Mehrarbeit. „Eine große Zahl von Überstunden führt unvermeidlich zu Stress und zur Überforderung der Beschäftigten“, erklärte die Grünen-Sprecherin für Arbeitnehmerrechte, Beate Müller-Gemmeke. „Das ist nicht akzeptabel, denn das macht die Menschen krank. Die tarifliche Arbeitszeit muss eingehalten werden.“ Ähnlich äußerte sich Linken-Vorsitzende Katja Kipping: „Überstunden, selbst wenn sie bezahlt werden, machen krank und blockieren den Kampf gegen die Erwerbslosigkeit – sie sind nicht Ausweis unserer Leistungsfähigkeit, sondern der Beweis zu niedriger Löhne und eines falschen Leistungsdrucks. Überstunden sind ein großes gesellschaftliches Problem und nicht sexy.“

Kommentare (11)

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Herr Theo Gantenbein

08.09.2014, 10:14 Uhr

Die Deutschen müssen einfach länger arbeiten um für den Rest der EU-Schmarotzer die Transferleistungen zahlen zu können. So bekommt jeder was er verdient...

Herr Peter Hubich

08.09.2014, 10:16 Uhr

Hat doch unser Bundespräsident Gauck auch schon gesagt: die Polen sind fleißiger als die Deutschen.

Herr Thomas V. Schuischel

08.09.2014, 10:52 Uhr

Liebe Redaktion,

nicht die Anzahl der Stunden ist relevant, sondern "Stunden x Effizienz". Rumsitzen kann ich auch 16 Stunden am Tag.

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