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17.11.2015

20:55 Uhr

Verhaftungen im Raum Aachen

Polizei lässt deutsche Terrorverdächtige wieder frei

Innenminister de Maizière tritt kurzfristig vor die Presse, um ein Fahndungsergebnis zu kommentieren. Doch dabei wird klar: Der gesuchte „dicke Fisch“ ist nicht unter den zeitweise verhafteten Verdächtigen

Die Polizei konnte anders als erhofft keinen der Hauptverdächtigen der Pariser Attentate festnehmen. ap

Fahndung nach Terrorverdächtigen

Die Polizei konnte anders als erhofft keinen der Hauptverdächtigen der Pariser Attentate festnehmen.

Berlin/AachenBei einer breit angelegten Fahndung im Grenzgebiet nahe Aachen ist der deutschen Polizei nicht wie erhofft einer der Hauptverdächtigen der Pariser Terrorserie ins Netz gegangen. „Leider ist es wohl nicht der, auf den wir alle gehofft hatten, dass er es sein könnte“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Dienstag in Berlin. Unter den sieben Festgenommenen befand sich demnach nicht der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Salah Abdeslam. Der 26-Jährige ist ein Bruder eines der Selbstmordattentäter von Paris.

Die Festgenommenen wurde am Abend wieder freigelassen. „Es steht fest, dass es sich bei den Festgenommenen nicht um im Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris gesuchte Personen handelt“, teilte die Polizei mit.

Es habe Hinweise gegeben, dass es möglicherweise „ein dicker Fisch“ hätte sein können, so de Maizière. Anhaltspunkte gab es, weil Salah Abdeslam vor rund zwei Monaten in Deutschland und Österreich war. Er sei am 9. September aus Deutschland kommend mit zwei Begleitern nach Oberösterreich eingereist, hatte am Dienstag ein Sprecher des österreichischen Innenministeriums mitgeteilt. De Maizière sagte auf Nachfrage, daher sei „die Vermutung, dass es vielleicht eine Fluchtbewegung nach Deutschland gibt, nicht ganz abwegig“ gewesen.

Der Minister betonte zur Situation in Deutschland nach der Terrorserie in Paris: „Die Gefährdungslage ist wirklich hoch.“ Es gebe nach wie vor Sorge, dass einer der Täter in Nachbarländer Frankreichs fliehe. Daher sei es richtig, verstärkte Grenzkontrollen aufrechtzuerhalten. Es habe sich auch gezeigt, dass die Sicherheitsbehörden wachsam seien, um Folgeanschläge und Nachahmungstaten zu verhindern.

Weiter offen ist, ob es sich bei einem in Paris getöteten Attentäter womöglich um einen als Flüchtling getarnten Terroristen handelt oder ob dies eine bewusst vom Terrornetzwerk IS gelegte Spur ist. „Der Sachverhalt ist noch nicht abschließend geklärt“, sagte de Maizière. Es scheine so zu sein, dass das Personaldokument mit der gefundenen Person identisch sei. „Aber es ist keineswegs sicher, dass es sich um einen echten syrischen Pass handelt.“

Es habe Berichte aus Serbien gegeben, dass ein weiterer Pass mit diesem Namen und einer bestimmten Person aufgetaucht sei. Es lasse sich noch nicht abschließend sagen, ob es sich um einen Flüchtling handele, der vom Terrornetzwerk IS geschickt worden sei, oder um einen geschickten Schachzug, die Menschen so zu verunsichern.

Die Namen hinter dem Horror von Paris

Identifizierung der Attentäter

Seit den Anschlägen von Paris arbeiten die französischen und belgischen Sicherheitsbehörden an der Identifizierung der getöteten Attentäter und möglicher Unterstützer. Ein Überblick über die bisher Identifizierten. (Quelle: Reuters)

Getötet: Abdelhamid Abaaoud

Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris. Der Belgier aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurde eigentlich in Syrien vermutet. Am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, er sei bei der Razzia und anschließenden Schießerei am Mittwoch im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Offenbar wurde er erschossen.

Getötet: Ismail Omar Mostefai

Der Franzose mit algerischen Wurzeln war am Angriff auf die Konzerthalle Bataclan mit 89 Toten beteiligt. Mostefai lebte zeitweise in der Region von Chartres, südwestlich von Paris. Geboren wurde er in Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt. Sein Name wurde von den Sicherheitsbehörden bereits 2010 auf eine Liste möglicher radikaler Islamisten gesetzt. Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben Frankreich im Dezember 2014 und im Juni 2015 wegen Mostefai kontaktiert, aber erst nach den Anschlägen eine offizielle Anfrage aus Frankreich erhalten.

Getötet: Samy Amimour

Der Franzose war ebenfalls am Angriff auf das Bataclan beteiligt. Er lebte in Drancy in der Nähe des nördlichen Pariser Stadtteils Saint-Denis, wo es am Mittwoch zu einer Schießerei mit einer mutmaßlichen zweiten Islamisten-Zelle kam. Amimour wurde seit Ende 2013 international gesucht. Seit Oktober 2012 wurde er von den Behörden beobachtet, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in den Jemen absetzen.

Getötet: Fouad Mohamed Aggad

Er ist einer der drei Männer, die das Blutbad in der Konzerthalle Bataclan anrichteten. Der 23-Jährige kam aus dem französischen Straßburg und hatte vor den Anschlägen in Syrien gekämpft. Gemeinsam mit Amimour und Mostefaï hatte Aggad 89 Menschen in der Konzerthalle getötet. Als die Polizei das Gebäude stürmte, sprengte er sich in die Luft.

Getötet: Brahim Abdeslam

Der Franzose lebte in Belgien. Er sprengte sich vor dem Café Comptoir Voltaire in die Luft. Bruder des noch immer gesuchten Verdächtigen Salah Abdeslam.

Getötet: Bilal Hafdi

Einer der drei Angreifer auf das Pariser Fußballstadion Stade de France. 20 Jahre jung.

Unklar: Ahmad Al Mohammad

Bei einem weiteren Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde ein Pass auf den Namen Ahmad Al Mohammad, 25 Jahre alt, aus dem syrischen Idlib gefunden. Die Fingerabdrücke des Mannes passen zusammen mit denen eines Flüchtlings, der unter dem Namen im Pass im Oktober 2015 in Griechenland registriert worden war. Über den dritten Selbstmordattentäter am Stade de France ist bisher nichts bekannt.

Gesucht: Salah Abdeslam

Der in Brüssel geborene Franzose wird verdächtigt, einen schwarzen VW Polo gemietet zu haben, der bei den Attacken in Paris eingesetzt wurde. Der Anwalt Xavier Carette sagte dem belgischen Sender RTBF, er sei am Sonntagmorgen von Paris nach Brüssel zurückgekehrt, nachdem er von der französischen Polizei auf dem Weg drei Mal gestoppt worden sei. Abdeslam wird auch Wochen nach dem Anschlag in Mitteleuropa vermutet.

Alsdorf ist eine Stadt mit knapp 50.000 Einwohnern im Dreiländereck Deutschland-Belgien-Niederlande. Der Zugriff der Polizei erfolgte nach einem Hinweis aus der Bevölkerung. Am Vormittag nahm ein Spezialeinsatzkommando zunächst zwei Frauen und einen Mann fest, nachdem diese das Alsdorfer Jobcenter verlassen hatten. Alle drei hatten ausländische Pässe. Am Nachmittag wurden zwei weitere Männer festgenommen. Später wurden in demselben Haus, in dem schon der vierte und fünfte Verdächtige aufgegriffen worden waren, noch zwei weitere Verdächtige entdeckt.

Abdeslam, der seinen Wohnsitz in Brüssel hat, soll den VW Polo gemietet haben, mit dem die Attentäter am Freitag zur Pariser Konzerthalle „Bataclan“ gefahren waren. Allein dort töteten sie fast 90 Menschen. Sein Bruder Brahim Abdeslam sprengte sich in einem Pariser Café in die Luft.

Von

dpa

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