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15.07.2012

15:47 Uhr

Verhandlungen

Zeitarbeitgeber planen neue Tarifverträge

VonDietrich Creutzburg

ExklusivBundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) übt Druck auf die Zeitarbeitsbranche aus und fordert gleiche Löhne für Zeit- und Stammkräfte. Die Arbeitgeber wollen nun neue, branchenabhängige Tarifverträge aushandeln

Während eines Aktionstages der IG Metall zum Thema Leiharbeit halten zwei Teilnehmer jeweils eine Tasse mit der Aufschrift «Gleiche Arbeit?» und «Gleiches Geld!» in der Hand. dpa

Während eines Aktionstages der IG Metall zum Thema Leiharbeit halten zwei Teilnehmer jeweils eine Tasse mit der Aufschrift «Gleiche Arbeit?» und «Gleiches Geld!» in der Hand.

Die Arbeitgeberverbände der Zeitarbeit wollen in den kommenden Monaten mehr als zehn neue Tarifverträge mit Branchenzuschlägen für Zeitarbeiter abschließen. „Am Ende könnte es ein gutes Dutzend neuer Tarifverträge werden“, sagte der Verhandlungsführer der Zeitarbeitgeber, Thomas Bäumer, dem Handelsblatt. Im Mai und Juni hatten sie bereits mit den Gewerkschaften IG Metall und IG BCE neue Zuschläge für Zeitarbeiter in der Metall- und Elektroindustrie und in der Chemieindustrie vereinbart. Danach erhöht sich der Grundlohn künftig um bis zu 50 Prozent, wenn Zeitarbeiter in diesen Branchen tätig werden.

Wer bekommt wie viel?

Oberarzt

5 202 Euro - Beamter, 48 Jahre, A15, Stufe 6

Professor

4 230 Euro - Beamter, W2, wohnhaft in Hessen, aktueller Stand

Polizeimeisterin

2 329 Euro - Beamte, 29 Jahre, A7

Unteroffizier

1 937 Euro - Beamter, 26 Jahre, einfacher Dienst, A5, Stufe 3

Arzt

4 281 Euro - Angestellter im öffentlichen Dienst, tätig an einem Universitätsklinkum, 34 Jahre, mit Berufserfahrung

Lehrer

3 537 Euro - Angestellter im öffentlichen Dienst, an einem Gymnasium tätig, 32 Jahre, mit Berufserfahrung

Krankenschwester

2 426 Euro - Angestellte im öffentlichen Dienst, 27 Jahre, mit Berufserfahrung

Müllerwerkerin

2 093 Euro - Angestellte im öffentlichen Dienst, 45 Jahre, mit Berufserfahrung

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will die tarifpolitischen Entwicklungen in der Zeitarbeit am Montag bei einem Spitzengespräch mit Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und dem Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, bewerten. Sie hatte die Tarifparteien der Zeitarbeitsbrachen dazu gedrängt, das Ziel gleicher Löhne für Zeit- und Stammkräfte in eigener Regie umzusetzen und andernfalls  mit einer neuen gesetzlichen Regelung gedroht.

„Ich gehe davon aus, dass der alte Konflikt über die Bezahlung von Zeitarbeitern damit auch aus Sicht der Gewerkschaften befriedet wird“, sagte Bäumer, der dem Vorstand des Bundesverbands der Personaldienstleister (BAP) angehört. Für neue gesetzliche Regelungen gegen Lohnunterschiede zwischen Stammbeschäftigten und Zeitarbeitern „gebe es nun wirklich keinen Anlass mehr.“ Verhandlungen über neue Zuschlagstarifverträge mit den Gewerkschaften Verdi, Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und der Eisenbahnergewerkschaft EVG seien bereits geplant, kündigte Bäumer an. Mit IG Metall und IG BCE werde zudem über Zuschlagsregelungen in den Branchen Textil, Holz, Kunststoff und in der Kautschukindustrie verhandelt.

Viele Tarifverdienste unter Mindestlohnniveau

Konditoren

Im Konditorenhandwerk in Bayern etwa beginnt der Tarifverdienst bei 5,26 Euro je Stunde.

Fleischer

Auch Fleischer in Sachsen (6,00 Euro je Stunde).

Gärtner

Gärtner in Brandenburg (6,46).

Hotelbeschäftigte

Mitarbeiter im Hotel- und Gaststättengewerbe (6,29) erhalten bisweilen weniger als 6,50 Euro je Stunde.

Bäcker-Fachkräfte

Der tarifliche Anfangsverdienst für Bäcker- und Konditorengesellen liege in Mecklenburg-Vorpommern bei 6,97 Euro.

Friseur-Gesellen

Beschäftigte mit bestandener Gesellenprüfung im Friseurhandwerk Schleswig-Holstein bekommen 7,00 Euro.

Baubranche

Derzeit gelten in Deutschland in zehn Branchen - darunter vier Baubranchen - allgemeinverbindliche Mindestlöhne. Diese reichen von 6,53 bis 11,53 Euro je Stunde.

Wäschereien, Sicherheitsgewerbe, Pflegebranche

Nach den Daten des Bundesamtes liegt der Mindestlohn im früheren Bundesgebiet bei Wäschereidienstleistungen und größtenteils im Wach- und Sicherheitsgewerbe bei weniger als 8,00 Euro je Stunde. In den neuen Ländern werden 8,00 Euro des Weiteren bei der Gebäudereinigung und in der Pflegebranche unterschritten.

Die Gewerkschaften drängen trotzdem auf weitere gesetzliche Regulierungen. Die Politik sei „weiter gefordert, den Grundsatz der Gleichbehandlung von Leiharbeitnehmern mit Stammbeschäftigten durchzusetzen“, heißt es in einer am Samstag von der IG Metall Baden-Württemberg beschlossenen Resolution. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt wendet  sich hingegen strikt gegen solche Forderungen. „Finger weg von der Zeitarbeit“, hatte er die schwarz-gelbe Regierung vergangene Woche in einem Handelsblatt-Interview ermahnt.

Die tariflichen Zuschläge für die Metall- und die Chemieindustrie sollen ab November fällig werden. Der unterste Tariflohn für Hilfsarbeiter in der Zeitarbeitsbranche liegt dann im Westen bei 8,19 Euro pro Stunde, mit Zuschlag erhöht er sich nach diesen Tarifverträgen auf bis zu 12,29 Euro pro Stunde.  

 

Kommentare (6)

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Ehri

15.07.2012, 17:17 Uhr

Lieber Journalist, der Du diesen Artikel verfasst hast, solltest vorher die Tarifverträge LESEN, bevor hier Unsinn verzapft wird. Wie wird der Branchenzuschlag berechnet???? Großes Mysterium!!!!

Account gelöscht!

15.07.2012, 18:54 Uhr

Nach betriebswirtschaftlichen Überlegungen könnte/müßte ein Zeit-AN, gleiche Qualifikation vorausgesetzt, höher bezahlt werden als ein fest angestellter AN. Die rasche Verfügbarkeit (in beiden Richtungen), die Konzentration auf Produktivstunden, der fehlende Rattenschwanz sozialer Verpflichtungen sprechen dafür.

MessbarkeitPolitischerLeistungen

15.07.2012, 22:16 Uhr

Es ist Tradition, dass sich bei der CDU ab und an Politiker aus der Nische springen und Kritik an der "sozialen Kälte" anprangern. Häufig bleibt es aber als bewußtes Kalkül beim verbalen Anprangern.

Das Ziel ist das der Worthall einer "sozialen Wärme" aber beim Bürger ankommt, getreu nach dem Motto: Spreche viele warme Worte, aber mache praktisch wenig. Praktiziere kleine Schritte als riesige Erfolge und begleite es mit viel TamTam. Schweige lieber zu unangenehmen Themen und handel Streßtehmen nur kurz ab.

Frau von der Leyen sollte weniger Sprüche klopfen, sondern Zahlen, Daten und Fakten liefern. Kein Geschwätz, sondern Zahlen liefern und messbare Zukunftsparameter verkünden. Dinge an den politische Erfolge oder Mißerfolge messbar gemacht werden können.

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