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02.01.2005

14:03 Uhr

Verkehrsminister mit dem System zufrieden

500 Mautpreller zum Start

Rund 500 Lkw-Fahrer haben am ersten Tag der Maut auf deutschen Autobahnen versucht, der Gebühr zu entgehen. Insgesamt wurden am Neujahrstag etwa 20 000 Fahrzeuge kontrolliert, sagte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) am Sonntag.

Seit Neujahr müssen Lkw-Fahrer auf deutschen Autobahnen Mautgebühren entrichten. Foto: dpa

Seit Neujahr müssen Lkw-Fahrer auf deutschen Autobahnen Mautgebühren entrichten. Foto: dpa

HB POTSDAM. Das mit 16-monatiger Verspätung wegen technischer Pannen in der Neujahrsnacht eingeführte Maut-System funktioniere ohne Probleme, teilte das Betreiberkonsortium Toll Collect mit. Am ersten Tag sei etwas mehr als eine Million Euro eingenommen worden. Bei einem Besuch des Potsdamer Maut-Call-Centers sowie der Kontrollstelle zeigte sich Stolpe mit dem bisherigen Verlauf der Gebühren-Erhebung zufrieden. „Uns ist so gut wie niemand entwischt“, stellte der SPD-Politiker vor Journalisten fest. Mautpreller hätten in Zukunft „keine große Chance“. Das jetzige engmaschige Kontrollsystem sei seinen Vorgängern deutlich überlegen. Bei der Eurovignette lag die Quote der Nichtzahler nach Ministeriumsangaben bei etwa fünf Prozent. Die Maut von im Schnitt 12,4 Cent je Kilometer wird für Lastwagen mit mehr als zwölf Tonnen Gewicht fällig. Für die rund 800 Kilometer zwischen Hamburg und München bedeutet dies beispielsweise knapp 100 Euro.

Stolpe empfahl dringend allen Fahrern, von den vier Möglichkeiten der Einbuchung in das Toll-Collect-System Gebrauch zu machen. Dazu dienten außer den so genannten On Board Units (OBU) in den Fahrzeugen und den Terminals an Tankstellen, Raststätten und Grenzübergängen das Internet sowie das private Call-Center „Toll Direct“. Der Minister wies in diesem Zusammenhang auf die drohenden Bußgelder für Mautpreller hin, die sich zwischen 75 und 20 000 Euro bewegen. Der erste Mautpreller wurde bereits um 00.08 Uhr geschnappt.

Jährlich Einnahmen von drei Milliarden Euro erhofft

Bundesweit sind etwa 560 Kontrolleure im Einsatz. Um die Einbuchung vor allem ausländischer Lastwagen in das Mautsystem voranzubringen, will der Minister demnächst mit seinen Amtskollegen in den Nachbarländern Kontakt aufnehmen. Eine erste aussagekräftige Zwischenbilanz sei erst in etwa 100 Tagen, um Ostern herum, möglich. „Den Härtetest haben wir heute Nacht“, sagte Stolpe mit Blick auf das Ende des Sonntagsfahrverbots am späten Sonntagabend. Dabei sei weniger mit technischen Schwierigkeiten als mit Problemen durch den großen Andrang zu rechnen. Als kritische Punkte gelten die Grenzübergänge Kehl nach Frankreich, Frankfurt (Oder) nach Polen und Kiefersfelden nach Österreich. Wegen des Feiertags- und folgenden Sonntagsfahrverbots waren zur Jahreswende nur wenige Lastwagen unterwegs.

Das Bundesverkehrsministerium geht von rund 1,4 Millionen mautpflichtigen Lkw aus, von denen täglich etwa eine Million auf der Straße sind; schätzungsweise ein Drittel kommen aus dem Ausland. Das Verkehrsministerium erhofft sich jährliche Mauteinnahmen von drei Milliarden Euro.

Das Maut-Call-Center in Potsdam registriert nach eigenen Angaben seit dem 15. Dezember bislang täglich 4500 Anrufe im Schnitt. Außer Restrierungen und Abmeldungen bieten seine 200 Mitarbeiter im Zehn- Stunden-Betrieb Beratung und Auskünfte zum Mautsystem. In Kürze soll dieser Service rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Weitere Call- Center dieser Art gibt es in Magdeburg und Berlin.

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