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15.04.2012

15:07 Uhr

Verkehrspolitik

Die Verkehrswende wird kostspielig

VonDaniel Delhaes

Experten fordern höhere Preise und Verbote, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Der Endenergieverbrauch soll 2050 im Vergleich zu 2005 40 Prozent niedriger sein. Das wird nicht billig.

Müssen Fahrverbote her, um die Klimaziele zu erreichen? dapd

Müssen Fahrverbote her, um die Klimaziele zu erreichen?

BerlinZweiundvierzig Experten saßen im Bundesverkehrsministerium beisammen, um über den Verkehr von morgen zu reden. Wie kann Deutschland bis 2050 mindestens 40 Prozent des Energieverbrauchs im Verkehr einsparen? Chancen und Risiken diskutierten die Verbändevertreter, Unternehmer und Beamten. Schnell stand fest: Eine „Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie für Deutschland“ bedeutet nicht nur effiziente Motoren und Elektroautos. Die freie Fahrt für freie Bürger dürfte auch der Vergangenheit angehören.

„Das Klimaziel erreichen wir nicht allein durch Technologien“, sagt Wolfgang Schade, Verkehrsexperte beim Fraunhofer-Institut in Karlsruhe. Er hatte in der Runde Mitte März Szenarien skizziert. Ein Drittel des Ziels sei nur über neues Verhalten zu erreichen. Nötig sei „ein Bündel von Maßnahmen“.

Schade berät auch die EU-Kommission. Die hatte bereits im vergangenen Jahr mit ihrem Weißbuch für Wirbel gesorgt. Darin ist etwa vorgesehen, dass ab 2050 in europäischen Städten keine Autos mit fossilen Antrieben mehr fahren dürfen. Auch sollen mehr Verkehr über die Schiene abgewickelt und Regionalflughäfen stillgelegt werden. Auch von höheren Energiesteuern ist die Rede.

Schade empfiehlt, die Spritpreise kontinuierlich über die Mineralölsteuer zu erhöhen. Im Gegenzug würden Preisschwankungen über die Steuer ausgeglichen. Der Verbraucher wüsste dann, dass die Preise alle zwei bis drei Monate um einen Cent je Liter steigen. „Dann hätte man ein eindeutiges Signal“, sagt Schade. Entweder würden die Menschen sparsamere Autos kaufen oder Alternativen wählen. „Es geht darum, die Emissionen schnell zu reduzieren“, sagt Schade.

Die Zeit bis 2050 ist knapp, während der Güterverkehr schnell wächst. Auch die Umweltverbände plädieren deshalb dafür, das Verhalten drastisch zu beeinflussen. Nötig sei ein „Gemisch aus Geboten, Verboten, Anreizen und Abgaben“, sagt Dietmar Oeliger, Verkehrsexperte beim Naturschutzbund. So fordert der Bund, die Emissionsgrenzwerte für Autos weiter abzusenken auf maximal 80 Milligramm je Kilometer und Fahrzeug – und auf 60 Milligramm im Jahr 2025. „Beides ist machbar und notwendig“, sagt Oeliger.

Kommentare (30)

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nonprofit

15.04.2012, 15:34 Uhr

"Der ADAC warnt bereits davor, den gesamten Klimaschutz auf sie abzuladen und fordert verbindliche Klimaschutzziele für jeden Verkehrsträger."

Wer hat die eigentlich autorisiert, zu jedem Thema IHREN Senf abzugeben? Die sollen Pannenhilfe leisten und gut ist es.

Account gelöscht!

15.04.2012, 15:34 Uhr

Dass Energiewende, Verkehrswende, ... alle gleichzeitig und unvorhersehbar kommen, nun ja. Dass wir das alles als Bürger alleine zahlen war eh klar, was anderes als Bürgergelder sind denn Steuergelder? Und wenn die Hersteller von Autos oder Strom aufgrund gesetzlicher Vorgaben teure Neuentwicklungen machen müssen, zahlen wir das auch wieder, umgelegt auf den Preis!

Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn dann wenigstens die überholten Strukturen und auch alten politischen Ansätze überarbeitet, entschlackt und flexibler, mithin hoffentlich auch effizienter ergo sparsamer würden!

Warum gibt es ein Verkehrskonzept, was sehr einseitig zu Lasten der PKW-Fahrer geht? Warum wird die Bahn nicht wieder in den Mittelpunkt der Anstrengungen des Güterverkehr gerückt, um mehr LKW von der Strasse zu holen? Angenehme Nebeneffekte könnten sein: weniger Emissionen durch weniger LKW-Verkehr, weniger Emissionen wenn die Bahn grünen Strom verstärkt dafür nutzt, Strassenbelastung und damit Sanierungsbedarf lässt nach, PKW-Verkehr könnte besser fliessen (erneut weniger Emissionen).

Wenn dann die Bahn wieder bezahlbare Preise für Personen-Reisen anbietet würde ich gerne öfter wieder Bahn anstatt Auto fahren. Also sollte man wieder weg von den Gedankenspielereien, die Bahn unbedingt an die Börse bringen zu wollen!

Es gäbe sicher noch einiges mehr aber das könnte schon ein, zwei Legislaturperioden dauern, so ein Konzept mal anzufangen.

LJA

15.04.2012, 15:48 Uhr

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen dafür bezahlt werden, dass sie Überlegungen darüber anstellen, wie man die Grundlagen unseres Wohlstandes ruinieren kann.
Dabei arbeiten die meisten dieser Herrschaften an zentral gelegenen Universitäten und Instituten, mit guter ÖPNV-Anbindung und pünktlichem Feierabend.
Da kann man natürlich leicht auf das Auto verzichten.

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