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13.11.2014

12:18 Uhr

„Vermächtnis – Die Kohl-Protokolle“

Kohl siegt gegen Ghostwriter Schwan

Lange wurde gerungen, nun hat das Gericht gesprochen: Der Ex-Biograf von Helmut Kohl darf viele der umstrittenen Zitate des Altkanzlers nicht mehr veröffentlichen. Doch das letzte Wort ist immer noch nicht gesprochen.

Helmut Kohl: Seinen Ex-Ghostwriter Schwan bezeichnete der Altkanzler kürzlich als „verrückt“. dpa

Helmut Kohl: Seinen Ex-Ghostwriter Schwan bezeichnete der Altkanzler kürzlich als „verrückt“.

KölnAltkanzler Helmut Kohl hat im Rechtsstreit mit seinem Ex-Biografen Heribert Schwan um die Verwendung von Zitaten Kohls einen Erfolg errungen. Das Kölner Landgericht untersagte in einem am Donnerstag verkündeten Urteil die Verbreitung zahlreicher Äußerungen des früheren Bundeskanzlers, die in dem Buch „Vermächtnis – Die Kohl-Protokolle“ veröffentlicht wurden. Es gab damit den Anträgen auf einstweilige Verfügungen überwiegend statt.

Die Anträge richteten sich gegen Schwan sowie gegen seinen Mitautoren Tilman Jens und die Verlagsgruppe Random House. Das Gericht untersagte in allen Fällen die Verwendung eines Großteils der strittigen Zitate, machte aber zwischen Schwan auf der einen sowie Jens und der Verlagsgruppe auf der anderen Seite leichte Unterschiede, was den Umfang der Zitate betrifft. Kohls Ex-Biografen warf das Gericht vor allem vor, eine Verpflichtung zu Verschwiegenheit und Vertraulichkeit nicht gewahrt zu haben.

Das Urteil war mit Spannung erwartet worden. Die Fehde zwischen Kohl und Schwan dauert nun schon Monate an. Der Altkanzler hatte seinen ehemaligen Biographen jüngst für „verrückt“ erklärt. Es geht um Kohls geistiges Erbe, einen Blick hinter die Fassade, um Vertrauen und Enttäuschung, Deutungshoheit und den Vorwurf der Wichtigtuerei.

Schwan hatte hat am 8. Oktober sein Buch veröffentlicht. Darin hat er mehr als 100 Zitate von Kohl aus Gesprächen in den Jahren 2001 und 2002 wiedergegeben. Geführt im Keller von Kohls Wohnhaus in Oggersheim. Nach der CDU-Spendenaffäre und dem Suizid seiner Frau Hannelore. In bestimmten Teilen vertraulich, sagt Kohl. Für die Öffentlichkeit bestimmt, meint Schwan. Ein Bestseller. 200.000 Exemplare sind nach Angaben des Heyne-Verlags, der zu Random House gehört, ausgeliefert. Auch ausländische Verlage klopfen an.

Das mag an Zitaten des Altkanzlers liegen wie: „Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen.“ Oder, dass der frühere Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) ein „Verräter“ sei, zudem „hinterfotzig“ wie auch der frühere Bundesminister Gerhard Stoltenberg (CDU) und der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler.

Mit einem ersten Versuch, das ganze, 256 Seiten dicke Buch verbieten zu lassen, war Kohl vor Landgericht und Oberlandesgericht in Köln gescheitert. In einem zweiten Anlauf wollte er nun seinem Ex-Ghostwriter, dessen Mitautor Tilman Jens und der Random House Verlagsgruppe 115 Zitate untersagen.

Kommentare (5)

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Herr Walter Stephan

13.11.2014, 13:13 Uhr

Für mich ist es unverständlich, dass diesem Mann in den Medien so viel Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Das Tolle ist, dass er nichts für die Wiedervereinigung im Vorfeld getan hat und er dennoch der Vater der Einheit ist (tssss). Er ist einfach in die Wiedervereinigung hineingestolpert.

Auch war er zu seiner Zeit eine große Gefahr für die Demokratie, denn mit dem Schwarzgeld der CDU wurden damals Wählkämpfe finanziert und andere kleinere Parteien platt gemacht (siehe Wahlkampfkostenerstattung bzw. staatliche Mittel pro Wählerstimme).

Niemand hat ihn auch damals für seine Schedderwoche zur Rechenschaft gezogen, wichtige Unterlagen die ihn belasten konnten wurden einfach eliminiert.

Loyal war er nur gegenüber seinen Finanziers, Spezeln und Parteifuzzies, aber nicht gegenüber dem Volke.

Also hört bitte auf solche Menschen als Ideale hinzustellen, den unser Parteiensystem ist eh schon restlos korrumpiert und fangt endlich an solche Leute an den Pranger zu stellen.

Herr Woifi Fischer

13.11.2014, 14:04 Uhr

Walter Stephan, dem pflichte ich voll und ganz bei.
Danke.

Herr Johnny Ringo

13.11.2014, 14:20 Uhr

Wann werden wir endlich von Artikeln über den grössten Politgauner der deutschen Nachkriegsgeschichte verschont.

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