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11.04.2015

11:34 Uhr

Vermeintliche Mängel

Experten sollen G36-Gewehr noch mal unter die Lupe nehmen

Das Verteidigungsministerium hat in Zusammenhang mit möglichen Mängeln am Sturmgewehr G36 eine Expertenkommission eingesetzt. Einem Bericht über Schadensersatzforderungen gegen Heckler & Koch folgte indes ein Dementi.

Soldaten halten Gewehre vom Typ G36 von Heckler & Koch in den Händen: Das Gewehr wird Fachleute noch einige Zeit beschäftigen. dpa

Standardgewehr G36

Soldaten halten Gewehre vom Typ G36 von Heckler & Koch in den Händen: Das Gewehr wird Fachleute noch einige Zeit beschäftigen.

BerlinDas Verteidigungsministerium hat einen Pressebericht dementiert, dem zufolge es wegen der Probleme mit dem Sturmgewehr G36 bereits Schadensersatzforderungen gegen den Hersteller Heckler & Koch prüft. „Es geht jetzt erst einmal um Aufklärung“, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Die Untersuchungen würden noch einige Monate dauern.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht es als erwiesen an, dass das Gewehr in erhitztem Zustand nicht zuverlässig genug trifft. Noch im April soll eine gemeinsame Untersuchung des Bundesrechnungshofs, des Fraunhofer-Instituts und der Bundeswehr dazu vorgelegt werden.

Anschließend sollen zwei Kommissionen klären, ob Soldaten im Einsatz wegen Problemen mit dem Gewehr gefährdet wurden und warum jahrelang aus den Hinweisen auf mangelnde Treffsicherheit kaum Konsequenzen gezogen wurden.

Die Mängelliste der Bundeswehr

Kampfhubschrauber

Von den 31 TIGER-Kampfhubschraubern stehen dem Heer derzeit nur 10 zur Verfügung

Transporthubschrauber

Nur 8 von 33 NH90-Transporthubschrauber sind aktuell einsatzbereit

Kampfjets

Der sogenannte Buchbestand an EUROFIGHTER-Kampfjets liegt bei 109, davon sind theoretisch 74 verfügbar, aber nur 42 einsatzbereit.

Marine

Bei der Hubschrauberflotte der Marine sieht es besonders düster aus. Nur 3 von 15 Hubschraubern des Typs SEA KING könnten derzeit abheben. Bei den SEA LYNX sind es 4 von 18.

Fahrzeuge

Bei allem, was Räder hat, sieht es besser aus. Von den 180 gepanzerten BOXER-Transportfahrzeugen könnten aktuell nur 70 in einen Einsatz geschickt werden.

Ein Team von Sachverständigen solle anhand des G36 der Frage nachgehen, ob es „strukturelle Schwachstellen im Management der Großorganisation Bundeswehr gibt“, teilte das Ministerium am Samstag mit. Geführt werde das Gremium vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Commerzbank, Klaus-Peter Müller. Die Befunde seiner Untersuchung sollten auch „in die laufende Modernisierung des Beschaffungswesens einfließen“.

Bereits vor einer Woche war bekannt geworden, dass sich eine Kommission mit früheren Einsätzen mit dem G36 befassen soll. Dabei geht es laut Ministerium um die Frage, ob Soldaten durch mögliche Probleme mit der Waffe zu Schaden gekommen sind.

Dieses Gremium wird vom Grünen-Verteidigungspolitiker Winfried Nachtwei geführt; Mitglied wird nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Wehrbeauftragten des Bundestags im Mai auch der FDP-Politiker Hellmuth Königshaus.

Bevor beide Gremien die Arbeit aufnehmen, wird zunächst ein technischer Bericht zum G36 erwartet. Dieser solle „in den nächsten Tagen“ vorgelegt werden, sagte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur AFP.

Der Abschlussbericht des im vergangenen Sommer in Auftrag gegebenen Gutachtens wird von Experten unter anderem des Ernst-Mach-Instituts der Fraunhofer Gesellschaft, des Bundesrechnungshofs und des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Werk- und Betriebsstoffe erstellt.

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