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11.04.2012

15:53 Uhr

Verschuldete Kommunen

Wie sich das Revier erfolgreich arm rechnet

VonAndreas Niesmann

Geschlossene Theater, heruntergekommene Bäder, verfallene Schulen: Die Ruhrgebietskommunen gelten als Armenhaus Deutschlands. Das miese Image hilft beim Ruf nach Finanzhilfen. Doch ganz so arm ist das Revier gar nicht.

Verfallene Häuser, leere Geschäfte - so wie auf diesem Bild aus Duisburg-Marxloh stellt sich das Ruhrgebiet gerne selbst dar. dapd

Verfallene Häuser, leere Geschäfte - so wie auf diesem Bild aus Duisburg-Marxloh stellt sich das Ruhrgebiet gerne selbst dar.

DüsseldorfDie Fußballer der ersten Herrenmannschaft des RSV Mülheim sind eine wackere Truppe. 55 Tore haben die Kreisliga-Kicker in der aktuellen Saison bereits erzielt. Mit etwas Glück könnte das sogar für einen Aufstiegsplatz reichen – wenn nicht die 51 Gegentore wären. Und so dümpelt die Mannschaft von Trainer Herbert Stoffmehl kurz vor Ende der Spielzeit im Niemalsland der Kreisliga A vor sich hin – vor dem Abstieg gerettet aber ohne Chance, im kommenden Jahr höherklassig angreifen zu können.

Ob der fehlende sportliche Erfolg am Belag des Sportplatzes liegt, ist nicht verbrieft, doch bislang beackern die Spieler im 14-Tage-Rhythmus einen alten und staubigen Aschenplatz. Immerhin das wird sich bald ändern, denn die hochverschuldete Stadt Mülheim hat zwar kein Geld, aber ein Herz für ihre Hobbyfußballer: Sie will ihnen in den kommenden Jahren eine nagelneue Sportanlage mit zwei hochmodernen Kunstrasenplätzen spendieren. Kostenpunkt: rund vier Millionen Euro.

Man darf die Frage stellen, ob Mülheim nicht besser beraten wäre, das Geld in den Schuldendienst zu stecken. Zwar sollen die Baukosten zum Teil aus den Verkaufserlösen alter Sportplätze finanziert werden, doch sind Städte im Haushaltssicherungskonzept dazu verpflichtet, solche Zusatzeinnahmen zur Tilgung bestehender Schulden zu verwenden. Nur in Ausnahmefällen darf die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde neue Projekte erlauben.

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Die von den Ruhrgebiets-Bürgermeistern losgetretene Debatte um den Solidaritätszuschlag war überfällig. Doch die Diskussion läuft in die falsche Richtung. Es geht nicht um West gegen Ost, sondern um den Föderalismus.

Mülheim hätte eine Reduzierung seines Schuldenbergs bitter nötig. Mit rund 1,1 Milliarden Euro steht die Ruhrgebietsstadt in der Kreide, allein im letzten Jahr kamen 132 Millionen Euro neue Schulden hinzu. Mülheim kann seine Ausgaben nicht decken, und dass, obwohl die Stadt so wenig gar nicht einnimmt. Die Heimat von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ist legendär für ihre Millionäre und Milliardäre, die Steuerkraft war 2010 mit 815 Euro je Einwohner mehr als doppelt so hoch wie die von Erfurt oder Halle an der Saale. Eigentlich müsste Mülheim also mit seinem Geld auskommen – und trotzdem reicht es hinten und vorne nicht.

Kommentare (13)

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so_what

11.04.2012, 17:05 Uhr

Ws in dem Artikel keinen Eingang findet ist Erwähnung der Belastung durch den Solidarpakt Ost, wobei es völlig unerheblich ist, ob und wie hoch eine Stadt verschuldet ist, sie muß zahlen und dafür weitere Schulden aufnehmen.

So hat inzwischen Dortmund 2 MRD an Schulden angehäuft, wovon allein 600 MIO dem Solidarpakt geschuldet sind.

so_what

11.04.2012, 17:12 Uhr

Auf SWR TV wird heute abend die Wiederholung der Sendung :

DIE WELT AUF PUMP

ausgestrahlt, auch die Betrachtung notleidender Städte findet dabei Eingang.

Sehenswert!

gdopamin

11.04.2012, 17:36 Uhr

Wieso soll die „Geiz ist Geil“ und „Heute kaufen - St. Nimmerlein“ bezahlen Mentalität in unserer Gesellschaft vor den Kommunen halt machen? Die Verantwortlichen dort sind doch meistens in einem System groß geworden, wo sich immer Einer findet dem man irgendwelches Geld aus der Kreuz leiern kann.

Versuche sie heute mal junge Menschen zu finden, die zuerst sparen und sich dann etwas leistet. Soviel Stolz haben Viele nicht, wenn der Kumpel schon seit einem Jahr mit neusten Klamotten und nem eigenen Auto auf Pump durch die Gegend düst.

Den Kommunen geht genauso. Da leiste sich die eine Gemeinde ein Spaßbad und die nen neuen Fußballplatz. Wer will da schon abseits stehen. Gilt für Ost und West gleichermaßen.
Dabei wäre es ganz einfach. Alle Gelder aus dem Solidarpakt werden zu 50% in Arbeitsplätze und zu 50 In die Schuldentilgung gesteckt und erst danach gibt’s Spaßbäder

Das natürlich die Geschenke- und Wohltaten verteilende rot-grüne Regierung unter Kraft nach dem Bund schreit, ist auch nicht weiter verwunderlich.

"Das Problem mit dem Sozialismus ist, dass einem irgendwann das Geld anderer Leute ausgeht." Margaret Thatcher

Inzwischen haben wir überall „Sozialismus“

Dabei haben 16 der 100 und 43 der 500 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands haben ihren Sitz in der Metropole Ruhr.
http://www.metropoleruhr.de/wirtschaft/unternehmen-arbeitskraefte/konzernzentralen.html

Im Osten gibt es nicht eine Konzernzentrale. Von der vergleichsweise Mini-Jenoptik mal abgesehen. Der Rest ist Pampa und Niedriglohnland. Bewusst platt gemacht nach der Wende. Aber auf die „faulen“ Leute im Osten rumhacken. Das ist genauso wie jetzt in GR. Alles platt machen und dann sich wundern, dass das Land nicht auf die eigenen Füße kommt. Ja wie denn mit Kartoffel- und Rübenanbau? Das Ruhrgebiet hat wenigsten noch etwas Industrie.

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