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22.01.2010

16:18 Uhr

Vertrag nicht verlängert

Oberster Medikamenten-Prüfer muss gehen

Die Studien seines Instituts haben erheblichen Einfluss auf die Entscheidung, ob Medikamente von den Kassen erstattet werden. Jetzt wird Deutschlands oberster Pharmakontrolleur Peter Sawicki abgelöst. Kritiker hatten ihm persönliche Verfehlungen vorgeworfen. Die Opposition im Bundestag vermutet hinter der Ablösung Klientelpolitik.

Durch seine Untersuchungen zu Kosten und Nutzen von Medikamenten ist der Wissenschaftler Sawicki der Pharmabranche seit Jahren ein Dorn im Auge. Quelle: dpa

Durch seine Untersuchungen zu Kosten und Nutzen von Medikamenten ist der Wissenschaftler Sawicki der Pharmabranche seit Jahren ein Dorn im Auge.

HB BERLIN. Der Leiter des pharmakritischen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), Peter Sawicki, muss seinen Posten räumen. Der Vertrag des 52-jährigen Wissenschaftlers laufe zum 31. August aus, teilten Vorstand und Stiftungsrat am Freitag nach Beratungen in Berlin mit. Die „hervorragenden inhaltlichen Leistungen des Instituts“ sollten nicht mit Diskussionen um ordnungsgemäße Verwaltungsabläufe belastet werden, hieß es in einer Erklärung. Die SPD stellte einen Zusammenhang zwischen der Entscheidung und Parteispenden an die FDP her.

Die Studien des 2004 gegründeten Instituts haben erheblichen Einfluss auf die Entscheidung, ob Medikamente von den Kassen erstattet werden. Durch seine Untersuchungen zu Kosten und Nutzen von Medikamenten ist der Wissenschaftler der Pharmabranche seit Jahren ein Dorn im Auge. Von seinen Kritikern waren gegen den Wissenschaftler zuletzt neben sachlichen Einwänden auch persönliche Verfehlungen angeführt worden. Laut einem Gutachten soll Sawicki Reisekosten zu üppig abgerechnet und zu teure Dienstwagen angeschafft haben, was dieser allerdings vehement bestreitet.

Die Opposition hatte gemutmaßt, Sawicki solle bewusst diskreditiert werden. Dem FDP-geführten Gesundheitsministerium, für das Staatssekretär Stefan Kapferer im Vorstand sitzt, warfen SPD und Grüne Klientelpolitik vor. Ressortchef Philipp Rösler und die FDP hatten schon vor der Bundestagswahl keinen Hehl aus ihrer kritischen Haltung zu Sawicki gemacht - ebenso die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). Deren Hauptgeschäftsführer Georg Baum ist ebenfalls FDP-Mitglied.

Mit der Ablösung des Institutsleiters war gerechnet worden, da für eine Vertragsverlängerung ein einstimmiger Beschluss im fünfköpfigen Vorstand notwendig ist. Die gesetzlichen Krankenkassen, die mit zwei Vertretern in dem Gremium sitzen, waren mit der Arbeit des Wissenschaftlers stets zufrieden, auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte keine inhaltlichen Einwände. Aus Kassenkreisen hieß es jedoch, man habe die Personaldebatte beenden wollen, um wieder den Blick auf die inhaltliche Arbeit des Instituts zu werfen. Der Beschluss des Vorstands fiel daher am Ende einstimmig aus, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Die Nachfolge Sawickis soll öffentlich ausgeschrieben werden.

Kommentare (4)

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Otto

22.01.2010, 18:59 Uhr

Diese Nichtverlängerung des Vertrages fügt sich nahtlos in die Planung und Massnahmen der FDP ein. Es wäre doch gelacht, wenn die Pharmaindustrie nicht bald auskömmliche Gewinne erzielen würde - FDP wirds schon machen, die Ja-Sager der CDU werden von den Lobbyisten ebenfalls beraten. Es bleibt zu hoffen, dass die Krankenkassen immer nur die neuesten Medikamente bezahlen. Die Generika gehören abgeschafft, sonst kommt die FDP mit der vollen Abschaffung des Mittelstandes in Deutschland nicht in dieser Legislaturperiode zum Ziel.

Denkerist

22.01.2010, 20:29 Uhr

@ Otto
Und gestern konnten wir hier im Hb noch lesen, daß H.brüderle die Macht der Kassen brechen will, um den Kassen höhere Arzneimittelpreise zu ermöglichen:
bleibt zu hoffen, daß Deutschland unter der FDP nicht Pleite geht,und eine nachfolgende Regierung den Schaden dieses Vereins beheben kann.

Dies erinnert auch an die Affäre beim ZDF. Auch hier wurde ein politisch andersdenkender entfernt.
Wäre die in der damaligen DDR passiert, es wären mit Sicherheit Staasimethoden gewesen.

Glücklicherweise handelt es sich heute nur um Korruption und bestechlichkeit.

Analyst

23.01.2010, 02:15 Uhr

Zwischenzeitlich kann man in diesem Land von Staatspiraterie* sprechen. Die Fraktion der Piraten-Gehilfen verliert jegliche Hemmung. Die vermeintlich gestohlene bulette funktioniert auch eine Nummer größer....
Man kann gar nicht so viel Essen wie man kotzen muss...

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