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28.03.2013

13:05 Uhr

Verwaltungsgericht

Koch-Mehrin wurde Doktortitel zu Recht entzogen

Das Verwaltungsgericht hat entschieden: Die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin hat ihren Doktortitel zu Recht verloren. Die Uni Heidelberg bekam mit dem Urteil Recht. Allerdings kann Koch-Mehrin Berufung einlegen.

Die deutsche EU-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin während einer Plenarsitzung im Europäischen Parlament. Das Verwaltungsgericht gab der Uni Recht. dpa

Die deutsche EU-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin während einer Plenarsitzung im Europäischen Parlament. Das Verwaltungsgericht gab der Uni Recht.

KarlsruheDie Uni Heidelberg hat der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin nach einem Gerichtsentscheid zu Recht den Doktortitel entzogen. Die Politikern habe in ihrer Doktorarbeit teils mehrseitige Passagen samt Fußnoten aus fremden Texten nahezu wortgleich übernommen, ohne dies kenntlich zu machen. Dies lasse den Schluss zu, dass die Klägerin „wiederholt und planmäßig“ getäuscht habe, hieß es in der am Donnerstag veröffentlichten Begründung des Verwaltungsgerichts Karlsruhe zu seinem Urteil vom 4. März. Die grundsätzlich denkbare „Bagatellschwelle“ sei bei weitem überschritten. (7 K 3335/11)

Koch-Mehrin kann gegen das Urteil innerhalb eines Monats Berufung beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg einlegen.

Zehn Grundregeln zum wissenschaftlichen Schreiben

Thema

Wählen Sie ein Thema, das Sie interessiert. Finden Sie Fragen, die Sie gern beantworten möchten und auch können. Tauschen Sie sich von Anfang an mit Bekannten darüber aus, egal ob diese Experten sind oder nicht.

(Quelle: Kompetenzzentrum Schreiben der Universität Köln)

Fragen? Fragen!

Sprechen Sie Ihr Thema mit Ihrer Dozentin/Ihrem Dozenten in einer Sprechstunde ab. Machen Sie sich vorher einen Notizzettel, auf dem steht, was Sie erfahren möchten. Verlassen Sie die Sprechstunde erst, wenn Sie alle Fragen geklärt haben.

Keine Panik!

Machen Sie sich einen Zeitplan mit Start- und Enddatum. Planen Sie dabei auch Erholungsphasen ein und belohnen Sie sich nach den getanen Arbeitsschritten.

Lesen, lesen, lesen

Überlegen Sie vor der Bibliographie, welche Aspekte für Ihre Aufgabe wichtig sind und suchen Sie danach die Literatur. Die bibliographische Liste sollten Sie mit Ihrer Dozentin/Ihrem Dozenten absprechen, da sie/er Sie auf weitere, wichtige Texte aufmerksam machen kann.

Der rote Faden

Entwickeln Sie einen roten Faden für die Arbeit (z.B. anhand von Leitfragen), bevor Sie anfangen zu schreiben. Malen Sie diesen auf und hängen Sie ihn vor Ihren Schreibtisch, damit Sie ihn nie aus den Augen verlieren.

Struktur vor Inhalt

Stellen Sie anhand dieses roten Fadens eine Gliederung auf und besprechen Sie diese mit Ihrer Dozentin/Ihrem Dozenten.

Zeit sparen

Arbeiten Sie von Anfang an organisiert. Halten Sie neue Ideen, Fragen und relevante Auszüge aus der vorhandenen Literatur schriftlich fest. Sie sparen sich so viel Zeit.

Start mit dem Hauptteil

Beginnen Sie mit dem Hauptteil. Schreiben Sie einen zusammenhängenden Text. Die Inhalte müssen aufeinander aufbauen. Einleitung und Schluss ergeben sich hieraus.

Die Korrigierer

Schreiben Sie klar und präzise. Nur so können Sie Erkenntnisse vermitteln. Schreiben Sie grammatikalisch und orthographisch korrekt und lesen Sie mehrmals Korrektur. Fragen Sie auch Freunde, ob die Sie bei dieser Arbeit unterstützen können.

Dagegen sollten Sie niemals verstoßen!

Halten Sie die von Ihrem Institut vorgegebenen Richtlinien ein. Viele Institute haben Leitfäden, die Sie in den Sekretariaten erhalten oder im Internet downloaden können.

Die Universität Heidelberg hatte der EU-Parlamentarierin im Juni 2011 den Titel aberkannt. Bei der Überprüfung ihrer Doktorarbeit über die „Lateinische Münzunion 1865-1927“ hatte der Kommissionsausschuss auf 80 Seiten 125 Plagiate gefunden. Die 42 Jahre alte Politikerin hatte „Mängel an Quellennachweisen“ eingestanden, aber darauf verwiesen, dass diese bereits bei der Abgabe ihrer Arbeit vor 13 Jahren bekannt gewesen seien. Koch-Mehrins Anwalt Christian Birnbaum hatte bei der Aberkennung des Titels durch die Uni auch Verfahrensfehler gerügt.

Das Verwaltungsgericht konnte hingegen keine formalen Fehler erkennen. Der Promotionsausschuss sei ordnungsgemäß zusammengesetzt gewesen.

Auch in der Sache wies das Gericht die Einwände der Klägerin gegen den Plagiatsvorwurf zurück. Der Hinweis auf umfangreiche eigene Recherchen und darauf, dass zentrale Ergebnisse der Arbeit auf ihrer eigenen wissenschaftlichen Leistung beruhten, sei unbeachtlich.

Aus Sicht des Gerichts hat der Promotionsausschuss ausreichend mildere Mittel als den Entzug des Doktortitels geprüft, etwa die Chance auf Nachbesserung der Arbeit. Dass er die öffentlichen Interessen an der Entziehung des Doktorgrades höher bewertet habe als die erheblichen Nachteile, die die Entscheidung für die Klägerin beruflich und gesellschaftlich nach sich ziehe, sei rechtlich nicht zu beanstanden, so die Richter in ihrer Urteilsbegründung.

Von

dpa

Kommentare (12)

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esboern

28.03.2013, 13:40 Uhr

Jetzt beschäftigen diese Betrügerinen auch noch die Gerichte auf Kosten der Steuerzahler, alles selbstverständlich bei unseren unfähigen Politikern

Banker

28.03.2013, 14:07 Uhr

Ich frage mich wie in Deutschland Doktortitel vergeben werden. Ein Doktor sollte eigentlich eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit sein - optimal eine selber erforschte Materie wiederspiegeln.
Wenn ich mir die Themen anschaue, in denen diese Nullnummer Ihre Doktorarbeiten machen, frage ich mich wie solche Themen überhaupt genehmigt werden können.
Ein Doktor sollte wirklich nur noch in Forschenden Bereichen bzw. Themen vergeben werden.

Prof_Dr_Jusuf_Ali

28.03.2013, 14:09 Uhr

Hallo Frau Koch-Mehrin, ich habe ständig eine Vielzahl an Doktortiteln namhafter internationaler Universitäten zu verkaufen. Die Preise hängen von der Reputation der Universität und der Fachrichtung ab, übersteigen aber nur marginal Ihr Monatsgehalt als EU-Abgeordnete. So ersparen Sie sich mind. 2 bis 3 Jahre zeitaufreibende Recherche, wie bei Ihrer letzten Dissertation (falls Sie diese selbst geschrieben haben sollten). Darf ich Sie unter Ihrer Emailadresse silvana.koch-mehrin@europarl.europa.eu kontaktieren?

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