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22.02.2011

12:30 Uhr

Verzicht auf Doktortitel

Guttenberg bleibt, der Imageschaden auch

VonGero Brandenburg, Dietmar Neuerer

Exklusiv Die Union steht fest zu ihrem Verteidigungsminister. Nach Umfragen bleibt er der beliebteste Politiker. Auch im Internet formieren sich seine Fans. Doch Experten sehen sein Image dauerhaft beschädigt.

Zu Guttenberg bei der CDU-Veranstaltung am Montagabend im hessischen Kelkheim. Quelle: dpa

Zu Guttenberg bei der CDU-Veranstaltung am Montagabend im hessischen Kelkheim.

Düsseldorf/BerlinVerteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kämpft um seinen Ruf - und damit um seine politische Karriere. Dafür gibt er sogar seinen Doktortitel auf. Am Montagabend hatte er nach massiven Plagiatsvorwürfen im hessischen Kelkheim seinen dauerhaften Verzicht auf den Doktortitel erklärt. Er war damit einem Urteil der Universität Bayreuth - die sich heute Nachmittag offiziell äußern will - über seine Dissertation zuvor gekommen.

Experten sehen darin einen Befreiungsschlag von Guttenberg, denn "die Meinung von neutraler wissenschaftlicher Seite kann ihm gefährlich werden", sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid, Klaus-Peter Schöppner, Handelsblatt online. Angriffe der Opposition hingegen muss Guttenberg nach Ansicht von Schöppner nicht fürchten: "Die Bevölkerung wertet solche Angriffe leicht als parteipolitisches Kalkül und stellt sich die Frage: Haben die nichts Besseres zu tun." Ähnlich bewertet es Forsa-Chef Manfred Güllner. Gegenüber Handelsblatt Online sagte er: "Die Opposition ist schlecht beraten, wenn sie zu diesem Thema permanent Stellung bezieht."

Grünen-Chefin Claudia Roth hatte Guttenbergs Erklärung am Morgen scharf kritisiert: "Das war ein dreister Auftritt mit populistischen Mitteln." Der Minister versuche, "mit Demutsgefasel etwas als Kavaliersdelikt darzustellen". Das sei nicht akzeptabel.

Allerdings sieht auch Güllner das Ansehen des Ministers durch die Vorwürfe dauerhaft beschädigt. Dessen Vorgehen sieht er skeptisch: "Am Freitag sagt er noch, die Arbeit sei kein Plagiat und nach der Lektüre am Wochenende gibt er den Doktortitel am Montag zurück - ich sehe darin keine erfolgreiche Strategie." Guttenberg selbst habe stets großen moralischen Anspruch an den Tag gelegt, daran werde er jetzt gemessen. "Die Kritik trifft diesmal direkt die Person, nicht den Minister. Das wiegt schwer. Guttenbergs Nimbus ist stark angekratzt und das wird auch so bleiben." Aktuelle Umfragen sollten nicht täuschen. "Er ist noch beliebt, hat aber bereits Zuspruch verloren. Mittel- und langfristig werden die Zustimmungswerte weiter zurückgehen." Auch Schöppner sieht Guttenbergs Image in Gefahr: "Glaubwürdigkeit bleibt für einen Politiker die wichtigste Eigenschaft."

Kommentare (5)

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Leser

22.02.2011, 13:40 Uhr

Das momentane Hin und Her ist mir ein Rätsel. Vor Allem warum der Rückzieher, wenn es sich nur um falsche Fußnoten handelt? Da ist doch was faul..

Iodine

22.02.2011, 14:50 Uhr

Inmate von Stammheim, Steinewerfer und Sitzenbleiber J.Fischer bekommt sogar noch den Ehrendoktortitel.
Die Deutschen waren schon immer gut sich ihre Helden auszusuchen.

SteffenS

22.02.2011, 15:06 Uhr

Das ein Betrüger als Politiker erfolgreich ist, verwundert kaum.
Das Guttenberg aber in so kurzen Abständen sich selbst durch Lügen demontiert und trotzdem immer noch der beliebteste Politiker in D. sein soll, ist schon mehr als kurios. Man kann allerdings auch ein Sprichwort bemühen: Unter den Blinden ist der einäugige König.
Wie ich Emnid-Chef Schöppners Umfragen beurteilen muß sagt mir seine Aussage: "Glaubwürdigkeit bleibt für einen Politiker die wichtigste Eigenschaft." Wer im Zusammenhang mit Guttenberg noch von Glaubwürdigkeit spricht ist schlichtweg uninformiert. Ich meine dabei nicht nur Guttenbergs Plagiat, ich meine eher KT´s dauernd wechselnde Reaktionen darauf.

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