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01.07.2012

19:40 Uhr

„Völlig falsche Richtung“

Siemens kritisiert Energiepolitik der Regierung

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz gehe in eine völlig falsche Richtung, so Siemens-Vorstand Michael Süß. Es gehe nur noch um Finanzierungsmodelle. Als Lösung schlägt er einen radikalen Schnitt vor - so schnell wie möglich.

Ein Windrad vor dem Hafen von Hamburg. dpa

Ein Windrad vor dem Hafen von Hamburg.

BerlinDer Siemens-Konzern hat die Energiepolitik der Bundesregierung von Kanzlerin Angela Merkel mit deutlichen Worten kritisiert: Siemens-Vorstand Michael Süß, zuständig für größte Unternehmenssparte des Konzerns - Energie -, fordert eine radikale Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). "Das bestehende EEG geht in eine völlig falsche Richtung. Es geht in Wirklichkeit gar nicht mehr um die Energie, es geht um Finanzierungsmodelle. Innovative Technologien werden derzeit gar nicht gefördert", sagte Süß der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe). Er bemängelt, dass die bestehenden gesetzlichen Regelungen zu langfristig, teilweise über 20 Jahre, angelegt seien.

Das EEG regelt in Deutschland die Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien und garantiert dafür feste Einspeisevergütungen.

Süß plädiert für einen radikalen Schnitt: "Ich schlage eine komplette Novelle vor, und zwar so schnell wie möglich und eventuell sogar mit einer rückwirkenden Komponente." Es müsse künftig auch eine bedarfsbezogene Einspeisung möglich sein, zudem sei eine zeitlich sehr befristete Förderung notwendig. "Eine Subvention ist gut, um etwas loszutreten. Dann aber muss sie aufhören", sagte Süß.

Siemens kritisiert auch das aus Sicht des Unternehmens herrschende Wirrwarr der Zuständigkeiten für die Energiewende innerhalb der Bundesregierung. Die deutsche Energiepolitik müsse aus einer Hand betrieben werden, sagte Süß: "Es wäre schon schlau, die gesamte Verantwortung in einem Ministerium zu bündeln, das muss ja nicht unbedingt Energieministerium heißen." Wichtig sei: "Da muss jemand die Führung haben." Derzeit sind sowohl das FDP-geführte Wirtschafts-, als auch das Umweltministerium von CDU-Minister Peter Altmaier zuständig.

Süß warnt auch vor weiter steigenden Strompreisen in Deutschland wegen der Energiewende: "Wenn wir die falsche Politik machen, dann wird der Strompreis in den nächsten zehn Jahren weiter kräftig steigen und sich vielleicht nochmals verdoppeln. Wenn wir alles richtig machen, dann wird der Strompreis zwar trotzdem steigen, aber deutlich weniger stark. Zum Nulltarif wird es die Energiewende mit Sicherheit nicht geben."

Von

rtr

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

01.07.2012, 20:02 Uhr

So ist es !
Man hätte erst gesicherte Kapazitäten errichten müssen und im Anschluss über das abschalten Deutscher Atomkraftwerke nachdenken müssen .
Aber das haben wir schon vor Monaten vorgeschlagen , nun ist es zu spät um darüber zu diskutieren .
Deutschland darf keinesfalls ein weiteres Kraftwerk abschalten , die Wirtschaftlichen und finanziellen folgen währen unabsehbar und von keinem gewollt !!!

EuroFan

01.07.2012, 20:42 Uhr

Um die Akws gehts hier gar nicht. (und in 1 Jahr kann man mit Wind und PV 10 davon ganz locker ersetzen, In Zukunft mehr davon). Worum es geht ist verstärkt auf nachhaltige, ungefährliche, ungiftige Produktion umzuschalten die unabhängig vom welweiten Ölmarkt funktioniert. Wenn es gelingt das Handelsbilanz Defizit von ÖL und Gas nur ansatzweise zu verringern, so ist das die beste Versicherung gegen Preissteigerungen. Die Versorger haben ausgewisenermassen kein Interesse an tiefen Preisen - wir legen in der ÄRa der Gewinnmaximierung. Und Atomstrom ist bei Entsorgung und Ende das Zyklus SAUTEUER, siehe Japan, Tepco sit Pleite und hinterläßt 20 Atomruinen und ein Areal wie Tschernobyl - der Steuerzahler brennt.

Account gelöscht!

01.07.2012, 20:44 Uhr

Da sind sie wieder ... und lassen nicht locker: Hier geht es um knallharte Machtinteressen im Sinne der Energiewirtschafts-Alt-Unternehmen und nicht um das (nachhaltige) Wohl der Bürger. Pfui, schäm dich Siemens ...

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