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26.11.2014

12:47 Uhr

Vogelgrippe

Bundesinstitut empfiehlt Stallpflicht

In Regionen mit vielen Wildvögeln soll das Nutzgeflügel in den Stall. Das empfiehlt das zuständige Bundesforschungsinstitut. Betroffen sind etwa Küsten- und Seengebiete. Entscheiden müssen darüber die Bundesländer.

Auch in Niedersachen – wie hier in einem Stall im Landkreis Celle – wurden die Hennen eingesperrt. dpa

Auch in Niedersachen – wie hier in einem Stall im Landkreis Celle – wurden die Hennen eingesperrt.

Riems/BerlinWegen der Vogelgrippe empfiehlt das zuständige Bundesforschungsinstitut eine Stallpflicht für Nutzgeflügel in Regionen mit einer hohen Wildvogeldichte. Das Risiko einer Einschleppung durch Wildvögel, insbesondere über den Vogelzug sei derzeit hoch, teilte das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Ostseeinsel Riems in seiner ersten Risikobewertung zur Einschleppung des H5N8-Erregers mit. Begründet wird die Einschätzung mit dem Fund einer infizierten Wildente am 17. November auf der Insel Rügen, dem noch nicht abgeschlossenen Herbstvogelzug und dem bevorstehenden Winterzug von Wildvögeln aus Sibirien.

Angesichts der Vogelgrippe muss bislang unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern sowie in einigen Regionen Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens, Brandenburgs, Schleswig-Holsteins und des Saarlands alles Geflügel eingesperrt werden. Die Risikobewertung liegt seit Dienstagabend allen Bundesländern vor, die darüber entscheiden, ob und wo die Stallpflicht ausgesprochen werden soll.

Die Experten empfehlen in ihrer Analyse eine „risikobasierte“ Aufstallung von Geflügel, „zumindest für Geflügelhaltungen, die sich in Regionen mit hoher Wildvogeldichte oder in der Nähe von Wildvogel-Rastplätzen befinden“. Betroffen sind demnach vor allem die Küstenregionen, aber auch einzelne Seen- oder Auengebiete und Flusslandschaften in Deutschland, in denen sich Rastvögel aufhalten.

Die Brutgebiete vieler Gänse-, Enten- und Sägerarten befinden sich in Nordsibirien. Dort könnten sich Infektketten in Populationen unterschiedlicher Spezies ausgebildet haben. Über diese könnte es zu einer „staffettenartigen Verbreitung“ des Erregers nach Mittel- und Westeuropa über Wildvögel gekommen sein, argumentieren die Wissenschaftler. In Asien sei das gefährliche H5N8-Virus unter anderem in Bless- und Saatgänsen nachgewiesen worden – Arten, die auch in Mitteleuropa heimisch sind.

Experten warnen, dass auch durch illegale Importe aus Drittländern die Vogelgrippe eingeschleppt werden könnte. Dazu zählt die illegale Einfuhr von Vögeln oder von Lebensmitteln aus Geflügel aus Ländern, die bereits von H5N8 betroffen sind. Bei Stichproben am Flughafen Frankfurt/Main zwischen April und Oktober 2014 wurden unter anderem angebrütete Eier aus Vietnam beschlagnahmt.

Erkrankungen von Menschen, die dem Subtyp H5N8 ausgesetzt waren, sind bisher nicht bekanntgeworden. Die Bedrohung der öffentlichen Gesundheit durch H5N8 wird deshalb vom FLI als „sehr gering“ angesehen. Risikoberufsgruppen, die in Ausbruchsbetrieben tätig waren, sollten jedoch nach einem Kontakt für zehn Tage unter Beobachtung gestellt werden, heißt es in der Bewertung des FLI.

In Mecklenburg-Vorpommern war die Vogelgrippe mit dem Erreger H5N8 Anfang November in einem Betrieb in Heinrichswalde mit rund 31 000 Puten ausgebrochen. In den Niederlanden sind drei Betriebe betroffen. Auch in Großbritannien war das Virus aufgetaucht.

Von

dpa

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