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04.03.2016

14:39 Uhr

Volker Beck, Drogen und die Grünen

„Die Politik ändert sich null Komma null durch diesen Vorfall“

VonBarbara Gillmann

Der Politiker Volker Beck ist mit harten Drogen erwischt worden. Vernichtet sein Drogenkonsum nun die historische Chance der Grünen, erstmals in einem Bundesland sogar die CDU zu überholen?

Ein Grüner Bundespolitiker ist mit harten Drogen erwischt worden - soweit, so schlecht für seine Karriere und die Partei. dpa

Volker Beck

Ein Grüner Bundespolitiker ist mit harten Drogen erwischt worden - soweit, so schlecht für seine Karriere und die Partei.

BerlinEin Grüner Bundespolitiker ist mit harten Drogen erwischt worden - soweit, so schlecht für seine Karriere und die Partei. Doch die eigentliche Brisanz gewinnt der Fall durch die zeitliche Nähe zu den Landtagswahlen in einer Woche: Vernichtet der Drogenkonsum des Volker Beck nun die historische Chance der Grünen, erstmals in einem Bundesland – und noch dazu in Baden-Württemberg – sogar die CDU zu überholen und stärkste Partei zu werden?

Es spricht nicht allzu viel dafür. Erstens geht es um einen Politiker, der zwar unverkennbar im schwäbischen Sprachraum groß geworden ist, sonst aber keine Verbindung zum Ländle hat sondern für Köln im Bundestag sitzt und vor allem zu „denen in Berlin“ gehört.

Und von „denen“ hat sich der baden-württembergische Landesvater Winfried Kretschmann (Grüne) mehrfach deutlich distanziert – um im Zweifel – ohne Rücksicht auf die Bundespartei – sein Ding durchgezogen, beispielsweise bei der Entscheidung, Balkanstaaten zu sicheren Herkunftsländern zu erklären.

Das erklärt inzwischen einen Gutteil seiner atemberaubenden Umfragewerte. Außerdem haben sich Kretschmann und seine Stuttgarter Mannschaft in den fünf Jahren der Legislaturperiode bei Schwaben und Badenern einen solch soliden Ruf als bürgerliche, solide, wertkonservative Kraft erarbeitet, dass daran die 0,6 Gramm der „betäubungsmittelverdächtigen Substanz“, bei der es sich nach Behauptung er Bild-Zeitung um das hochgefährliche Crystal Meth handeln soll, vermutlich kaum etwas ändern können.

Crystal Meth: Das ist die Modedroge

Gefährliche Modedroge

Crystal Meth ist eine der gefährlichsten Drogen der Welt. Sie macht extrem schnell abhängig und kann heftige Nebenwirkungen haben. Konsumenten nehmen sie vor allen Dingen, weil sie die Leistung steigern kann. Experten nennen sie eine Modedroge.

In Deutschland immer beliebter

In Deutschland ist Crystal Meth seit Jahren auf dem Vormarsch. Die Zahl der Konsumenten, die erstmals mit der Modedroge auffielen, stieg laut Bundesinnenministerium im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 3138. Besonders in Ostdeutschland erfreut sich die Droge zunehmender Beliebtheit.

Die Wirkungen

Crystal Meth kann leistungssteigernd wirken. Die Droge unterdrückt zudem Müdigkeit, Schmerzen und auch das Hungergefühl. Typische Symptome sind eine gesteigerte Euphorie, extreme Nervosität und ein erhöhtes Selbstwertgefühl. Meist wird Crystal Meth geschnupft, es kann aber auch geraucht, geschluckt oder injiziert werden. Bis zu 70 Stunden kann der Rausch anhalten.

So gefährlich ist die Droge

Die Modedroge macht sehr schnell abhängig und führt zu starken Gesundheitsschäden. Vor allem Langzeitkonsum kann zu Nervenschäden, Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen, Zahnausfall, Herzproblemen, Hautentzündungen und Psychosen führen.

Hier wird Crystal Meth hergestellt

Crystal Meth ist insbesondere in Ostdeutschland und an der Grenze zu Tschechien beliebt. Dort wird die Droge in illegalen Labors hergestellt und dann nach Deutschland geschmuggelt. Anfangs waren es noch kleine Mengen, mittlerweile spricht das Bundeskriminalamt von „Kiloeinheiten“.

Crystal Meth und Adolf Hitler

Anders als oft angenommen, ist die Droge keine neuartige Erscheinung, sondern existiert seit mehr als 100 Jahren. Im Zweiten Weltkrieg verabreichte Adolf Hitler seinen Soldaten Crystal Meth, weil es unter anderem das Angstgefühl unterdrückt. Die Droge hatte damals den Spitznamen Panzerschokolade.

Das prognostizieren auch Demoskopen wie Forsa-Chef Manfred Güllner. Er ist überzeugt, dass Beck Kretschmann nicht schaden kann: „An ihm prallt alles ab, was ihm in die Quere kommt. Der Kretschmann-Sog ist ungebremst.” Sicher, wenn es am nächsten Sonntagabend nur noch um wenige Zehntel Prozentpunkte geht, könnte die causa Beck fatal wirken. Immerhin ist sie geneigt, zumindest die Baden-Württemberger zu bestätigen, die dem bürgerlichen Image der Grünen nicht trauen und glauben, sei würden ruckzuck wieder zu sozialistischen radikal-ökologischen Utopisten mutieren, wenn Kretschmann einmal weg ist. Doch die wählen ohnehin nicht grün.
Zudem sind die allermeisten Wähler vermutlich informiert genug, um zwischen Cannabis, das die Grünen legalisieren wollen, und hochgefährlichen Substanzen wie Crystal Meth unterscheiden zu können.

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