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18.06.2017

17:21 Uhr

Volkswagen, Siemens, Deutsche Bank

Wirtschaftslenker würdigen Helmut Kohl

Der Einsatz des verstorbenen Altkanzlers für die Wiedervereinigung Deutschlands und die europäische Integration ist für Wirtschaftsgrößen das politische Erbe Kohls. Stimmen von Eon-Chef Teyssen bis VW-Chef Müller.

Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl weiht 1992 mit dem französischen Staatspräsidenten Jaques Chirac die Fertigungsstätte für den Kleinwagen Smart des Daimler-Konzerns ein. dpa - picture-alliance

Smart-Fabrik in Rastatt

Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl weiht 1992 mit dem französischen Staatspräsidenten Jaques Chirac die Fertigungsstätte für den Kleinwagen Smart des Daimler-Konzerns ein.

DüsseldorfDas Wirken des am Freitag verstorbenen Altkanzlers Helmut Kohl wird von Vorstandschefs gewürdigt. „Helmut Kohl war ein großer deutscher und europäischer Patriot“, sagt Volkswagen-Chef Matthias Müller. Kohl habe „für die deutsche Einheit und für die europäische Einigung gekämpft.“ Er sei ein herausragender Staatsmann gewesen, geachtet und respektiert in der ganzen Welt.

Kohl hat Deutschland von 1982 bis 1998 als Bundeskanzler regiert - 16 Jahre, so lange wie bisher niemand vor und nach ihm. Er war treibende Kraft für die EU und eine gemeinsame Währung. Er ist am 16. Juni im Alter von 87 Jahren gestorben.

Als sein größter Erfolg gilt aber die deutsche Wiedervereinigung. Kohl erkannte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989, dass das Fenster für die deutsche Einheit nur kurz geöffnet sein würde. Unter Hochdruck handelte er mit den Staats- und Regierungschefs der USA, der Sowjetunion, Großbritanniens, Frankreichs sowie den Verantwortlichen der Europäischen Union die Modalitäten dafür aus. „Die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands ist sein herausragendes politisches Vermächtnis“, sagt Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser. Kohl stehe „wie kein anderer Politiker seiner Zeit für Europa“.

„Er war ein Baumeister Europas,“ sagt Allianz-Chef Oliver Bäte. „Gemeinsamer Binnenmarkt, gemeinsame Währung, ein deutsch-französisches Einvernehmen in den großen, den entscheidenden Fragen – das alles gehört zu Helmut Kohls Verdiensten.“

Bundeskanzler Helmut Kohl spricht im November 1995 im BASF-Werk im südbrandenburgischen Schwarzheide mit Beschäftigten. dpa - picture-alliance

Besuch bei BASF

Bundeskanzler Helmut Kohl spricht im November 1995 im BASF-Werk im südbrandenburgischen Schwarzheide mit Beschäftigten.

In jungen Jahren hatte Kohl als Werkstudent beim Chemiekonzern BASF gearbeitet. „Der Antrieb war weniger Leidenschaft für Chemie; er wollte Geld verdienen, um sich einen italienischen Motorroller zu kaufen, mit dem er zu politischen Versammlungen fuhr“, so BASF-Chef Kurt Bock zum Handelsblatt. „Auch nach dieser Zeit beobachtete er die Entwicklung der BASF aufmerksam. Helmut Kohl verband viel mit der BASF: Er besuchte uns als Landtagsabgeordneter, als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und als Bundeskanzler. 2015 hat er es sich nicht nehmen lassen, mit uns das 150. Jubiläum zu feiern und so seine Verbundenheit mit der BASF zu zeigen - einer seiner letzten öffentlichen Auftritte. Wir haben ihn kennen- und schätzen gelernt als Menschen, der tief verwurzelt war in Oggersheim, Ludwigshafen und Europa.“

In der Wirtschafts-, Sozial- und Innenpolitik hatte Kohl während seiner Amtsjahre höchstens kleine Akzente gesetzt. Rentenprobleme, Steuersätze, Wirtschaftspolitik: Das war für ihn nicht ganz vorne auf seiner Agenda. Die stetig steigende Staatsverschuldung nahm er wie ein Naturgesetz hin. Kohl gab lieber Geld aus, sein bestes Mittel, in Bund und Ländern Loyalitäten zu sichern.

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Vom jungen Wilden zum Kanzler der Einheit: Helmut Kohl begann als Reformer und blieb bis zuletzt ein Visionär. Ein Visionär, der für ein Europa kämpfte, wie wir es heute kennen. Doch eins blieb er immer – streitbar.

Sein Einsatz für die Währungsunion war vor allem politisch getrieben. Die umstrittenen Maastricht-Kriterien für den Beitritt zur europäischen Gemeinschaftswährung und eine fehlende Wirtschaftsregierung erwiesen sich als Schwachstellen in der Konstruktion des Euro. „Er hat immer gesagt, eine gemeinsame Währungsunion ohne politische Union und gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik – das geht schief. Er hatte allerdings gehofft, dass das von alleine kommt, weil alle einsehen, dass es anders nicht geht. Das ist leider nicht geschehen“, so Außenminister Sigmar Gabriel (SPD).

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