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10.02.2015

14:08 Uhr

Vom Hakenkreuz bis zum Brandanschlag

Immer mehr Angriffe auf Asylbewerberheime

Die Zahl der Flüchtlinge steigt und deutsche Asylbewerberheime werden immer öfter Ziel rassistisch motivierter Attacken. Experten sehen einen Zusammenhang mit Pegida und rechtsextremen Kundgebungen.

Die Zahl der Angriffe auf deutsche Asylbewerberheime hat sich 2014 mehr als verdreifacht. Die Fälle reichen vom Hakenkreuz-Graffito bis zum Brandanschlag. dpa

Immer mehr Übergriffe

Die Zahl der Angriffe auf deutsche Asylbewerberheime hat sich 2014 mehr als verdreifacht. Die Fälle reichen vom Hakenkreuz-Graffito bis zum Brandanschlag.

BerlinDie Zahl rassistischer Angriffe auf deutsche Asylbewerberheime steigt dramatisch an. Wie der „Tagesspiegel“ am Dienstag zuerst berichtete, zählten die Behörden im letzten Quartal des vergangenen Jahres bundesweit 67 rechtsextrem motivierte Straftaten. Das ist mehr als im gesamten Jahr zuvor. Die Attacken richteten sich gegen Unterkünfte oder ihre Bewohner - sie reichten von Hakenkreuz-Schmierereien bis zu Angriffen mit Waffen oder Brandsätzen.

Zuletzt hatten Unbekannte am Montag in Escheburg (Schleswig-Holstein) eine gerade erst hergerichtete Unterkunft in Brand gesetzt, in der irakische Asylbewerber untergebracht werden sollten. An die Adresse der Täter sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD): „Wir werden euch jagen, wir werden euch kriegen, wir werden euch verurteilen. Ihr macht uns keine Angst.“

Migranten-Initiativen und Konfliktforscher sehen nicht nur einen Zusammenhang zwischen der Zunahme von Gewalt und Hetze und den steigenden Flüchtlingszahlen. Sie vermuten auch, dass die Kundgebungen der Dresdner Pegida-Bewegung und ihrer lokalen Ableger in anderen Städten den Nährboden für einige dieser Delikte bereitet haben.

Pegida von Kopenhagen bis Prag

Viele Pegida-Ableger in Europa

Die islamfeindliche Pegida-Bewegung hat in Dresden und anderen deutschen Städten in den vergangenen Monaten Zulauf erhalten. Aber auch im europäischen Ausland stoßen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf Sympathie: In mehreren Ländern gibt es inzwischen Ableger der Bewegung. Von einer Teilnehmerzahl wie in Dresden am Montag vergangener Woche, als 25.000 Menschen auf die Straße gingen, waren die ersten Pegida-Proteste im Ausland allerdings weit entfernt. Nachfolgend eine Auswahl der europäischen Ableger.

Tschechien

In der tschechischen Hauptstadt Prag demonstrierten am vergangenen Freitag etwa 600 Menschen gegen den Islam. Es war die erste islamfeindliche Demonstration in Tschechien, wo Schätzungen zufolge zwischen 10.000 und 20.000 Muslime leben. Lediglich rund 20 Gegendemonstranten gingen auf die Straße. Die Organisatoren schlossen einen Zusammenschluss mit den Gleichgesinnten im nur 150 Kilometer entfernten Dresden nicht aus.

Dänemark

In Kopenhagen war für Montagabend der erste Protestzug des dänischen Pegida-Ablegers geplant. 300 Menschen hätten im Online-Netzwerk Facebook ihr Kommen zugesagt, sagte der Organisator des Protests, der Schulpsychologe Nicolai Sennels.

Norwegen

Am Montag vergangener Woche folgten in der norwegischen Hauptstadt Oslo rund 200 Menschen dem Aufruf des örtlichen Pegida-Ablegers. Man wolle die Aufmerksamkeit auf die Probleme im Zusammenhang mit der Einwanderung von Muslimen lenken, sagte der Organisator des Marschs, Gymnasiallehrer Max Hermansen. Auch Ausländer waren unter den Demonstranten, die ohne Zwischenfälle um das Osloer Rathaus herummarschierten. Nur eine Handvoll Gegendemonstranten stellten sich dem Protest entgegen.

Schweden

Der schwedische Pegida-Ableger zählt auf Facebook mehr als 8100 Anhänger. Die Gruppe verweist in zahlreichen Einträgen auf ihre Vorbilder in Dresden.

Österreich

Der österreichische Ableger, der auf Facebook mehr als 10.000 Sympathisanten zählt, bedauerte die Absage der Dresdner Pegida-Demonstration am Montag infolge von Anschlagsdrohungen. Ebenso wie die Dresdner Bewegung rief Pegida Österreich ihre Anhänger auf, anstelle des Protests am Montagabend eine Kerze ins Fenster zu stellen und die Landesflagge aus dem Fenster zu hängen.

Schweiz

In der Schweiz tauchte vergangene Woche auf Facebook ein örtlicher Pegida-Ableger auf und erhielt mehr als 3000 Unterstützer. Die Gruppe rief für den 16. Februar zu einem Protestmarsch gegen den Islam auf. Der Ort der Demonstration wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Auch die Mitglieder wurden nicht namentlich genannt, mit Ausnahme von Sprecher Ignaz Bearth. Dieser ist Chef der Direktdemokratischen Partei Schweiz, die enge Verbindungen zur rechtsextremen französischen Front National pflegt. Zuvor gehörte Bearth der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) an.

Belgien

In Belgien tauchte auf Facebook die Gruppe Pegida Vlaanderen auf, die sich mit der deutschen Pegida solidarisch erklärte. „Von Flandern aus unterstützen wir die Pegida-Bewegung in Deutschland“, heißt es in dem Eintrag der Gruppe. Rund 4500 Nutzer klickten auf die Sympathie-Bekundung „Gefällt mir“. Die Gruppe regte eine Demonstration in Antwerpen am kommenden Samstag an, legte aber keinen Termin fest.

Spanien

Auch in Südeuropa hat die Pegida-Bewegung Sympathisanten. In einem Eintrag im Kurzbotschaftendienst Twitter hieß es vergangene Woche, der spanische Ableger sei am 8. Januar gegründet worden – einen Tag nach dem islamistischen Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris.

In Berlin, Bayern und in Sachsen, wo die Pegida-Bewegung Ende 2014 großen Zulauf hatte, lag die Zahl der strafrechtlich relevanten Aktionen gegen Asylbewerberheime im 4. Quartal 2014 besonders hoch. Elf Angriffe zählte die Polizei in Bayern, 15 in Sachsen. Einen unrühmlichen Spitzenplatz in der Statistik nimmt Berlin ein. In der Hauptstadt, wo sich die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ Bärgida nennen, kam es in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres zu 20 Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte.

Kommentare (17)

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Herr Helmut Paulsen

10.02.2015, 14:40 Uhr

ANTIFA und Verfassungsschutz-Leute - schwarz vermummt als "Rechte Krawaller". PFUI !!

Account gelöscht!

10.02.2015, 15:06 Uhr

"Die Zahl der Flüchtlinge steigt und deutsche Asylbewerberheime werden immer öfter Ziel rassistisch motivierter Attacken. Experten sehen einen Zusammenhang mit Pegida und rechtsextremen Kundgebungen."

Welche Droge oder Ideologiepille muss man eigentlich einwerfen um auf diesen Gedankengang zu kommen?!!
Hier wird unzweifelhaft und höchst bedauerlich auf den Sack eingeschlagen, obwohl der Esel die eindeutige Schuld trägt! Landesregierungen (der Esel) schieben abgelehnte Asylbewerber (der Sack), allein im letzten Jahr weit über einhunderttausend letztinstanzlich festgestellte betrügerische Scheinasylanten, nicht ab. Diese überwiegend jungen Männer landen fast ausschließlich alle legal und auf Dauer im Hartz IV System. Mir wäre es selbstverständlich wesentlich angenehmer, der rechtsnationale Pöbel würde auf den Esel einschlagen bzw. Landtage einfach mal abfackeln.
Meinen Beifall hätten Sie dann, so aber muss ich deren Taten eindeutig verurteilen!

Die Medien mit ihrer geistig flachen Sichtweise ist mit Schuld an diesem ganzen Mist, denn sie dulden nicht nur, sondern sie fordern den politischen Betrug den Politiker mit ihrer gesamten Ausländergesetzgebung hier in Deutschland und Europa abziehen.

Es beschweren sich also Rassisten heuchlerisch über Rassisten!

Anstatt sich an die eigene Nase zu fassen, weil die Mainstream-Medien und alle Landesregierungen nachweislich solche Verbrechen befördern, wird auf Leute verbal eingeschlagen die zurecht auf Missstände hinweisen. Es wird suggeriert das PEGIDA etc. mittelbar für Brandanschläge verantwortlich wären.

SO NICHT LIEBE VOLLPFOSTEN, IHR SEID VERANTWORTLICH UND SONST NIEMAND!!!

Herr Michael Müller

10.02.2015, 15:11 Uhr

Man kann es verstehen, muß es jedoch nicht gut finden!

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