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03.05.2017

16:17 Uhr

Von der Leyen in Illkirch

„Bin auch gekommen, um den Soldaten den Rücken zu stärken“

In der Kaserne des terrorverdächtigen Oberleutnants Franco A. versucht die Verteidigungsministerin einen Spagat: Sie stellt sich hinter ihre Truppe, will aber gleichzeitig Schwarze Schafe finden.

Die Ministerin will Schwarze Schafe in der Bundeswehr finden, ohne die Truppe gegen sich aufzubringen. dpa

Bundesverteidigungsministerin von der Leyen in Illkirch

Die Ministerin will Schwarze Schafe in der Bundeswehr finden, ohne die Truppe gegen sich aufzubringen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat die Kaserne im französischen Illkirch besucht, in der Oberleutnant Franco A. stationiert war, der einen fremdenfeindlichen Anschlag geplant haben soll. Sie ließ sich dort auch sein Zimmer zeigen, in dem sich Wehrmachts-Devotionalien befinden. „Die Wehrmacht ist in keiner Form traditionsstiftend für die Bundeswehr“, sagte sie im Anschluss. Ausnahmen seien lediglich einzelne Aktionen im Widerstand. „Das ist Allgemeinwissen, das von allen getragen werden muss.“ Bei einer Tagung sollen nun mehr als 100 Admiräle und Generäle darüber diskutieren, wie die Soldaten für dieses Thema sensibilisiert werden können. „Wir müssen unsere Werte in die Breite tragen“, so von der Leyen.

Mehrfach betonte sie, dass nicht alle Soldaten unter dem Verdacht stehen, an rechtsextremen Umtrieben oder Schikanierungen beteiligt zu sein. „Ich bin auch gekommen, um den Soldaten den Rücken zu stärken“, sagte sie. Die Mehrheit sei tadellos und leiste einen hervorragenden Dienst. Aber in ihren Reihen habe sich eben auch Franco A. befunden.

Die deutsch-französische Brigade

5000 Soldaten an sieben Standorten

Die deutsch-französische Brigade ist weltweit im Einsatz. 1989 gegründet, geht der binationale Großverband mit rund 5000 Soldaten aus beiden Ländern auf eine Initiative von Frankreichs Präsidenten François Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) zurück. Heute gilt sie als Symbol der deutsch-französischen Zusammenarbeit und einer gemeinsamen Sicherheits- und Außenpolitik. Die Brigade mit Sitz in Müllheim bei Freiburg ist an insgesamt sieben Standorten vertreten.

Der Standort in Illkirch

Drei der sieben Standorte davon liegen in Frankreich, die anderen in Baden-Württemberg. Einziger für den Kampf gerüsteter Verband der Bundeswehr, dessen Standort außerhalb Deutschlands liegt, ist das Jägerbataillon 291 in Illkirch bei Straßburg.

Die letzten Auslandseinsätze

National kamen die Soldaten mehrfach bei Naturkatastrophen zum Einsatz. Im Rahmen von Nato und EU rücken sie aber auch zu Auslandseinsätzen aus – zuletzt als Teil der internationalen Sicherheits- und Aufbautruppe Isaf in Afghanistan oder der EU-Ausbildungstruppe EUTM in Mali.

In diesem Fall soll nun das Umfeld und der gesamte Werdegang betrachtet werden. Auch geht es um die Frage, warum die Masterarbeit, in der sich rechtsextremes Gedankengut findet, sowie die Vorfälle von Mobbing und sexueller Demütigung nicht gemeldet wurden. Es gebe viele solcher Fälle, so von der Leyen, die in ihrer großen Mehrheit auf unterer hierarchischer Ebene gelöst würden. Nun müsse geschaut werden, warum das nicht in allen Fällen funktioniere. Im Zuge der Aufklärung werde „noch einiges hochkommen“, sagte sie. „Aber es lohnt sich.“

Untersuchungen führen Staatsanwaltschaft und Ermittlungsbehörden, die Bundeswehr unterstützt sie darin. Personelle Konsequenzen zog von der Leyen bislang nicht. „Wir sind mitten in den Aufklärungen“, sagte sie. „Ich schließe nichts ein oder aus.“

Von der Leyen in Illkirch: Chefsache Aufklärung

Von der Leyen in Illkirch

Chefsache Aufklärung

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen reist ins elsässische Illkirch, um den Fall des mutmaßlich rechtsradikalen Oberleutnants aufzuklären. Wie sich zeigt, war der Offiziersanwärter schon 2014 auffällig geworden.

Kanzlerin Angela Merkel hatte am Vormittag ihre Unterstützung zugesichert. Ihr Sprecher Steffen Seibert sagte: „Die Verteidigungsministerin hat die volle Unterstützung der Bundeskanzlerin und der ganzen Bundesregierung, dabei alle Facetten dieses Falles Franco A., soweit sie die Bundeswehr betreffen, aufzuklären.“

Von

che

Kommentare (5)

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Herr Peter Spiegel

03.05.2017, 17:26 Uhr

„Die Verteidigungsministerin hat die volle Unterstützung der Bundeskanzlerin und der ganzen Bundesregierung,
Die Frau v.d. Leyen ist nicht mehr lange im Amt, sagt die Erfahrung mit obrigen Spruch.

Herr Peer Kabus

03.05.2017, 17:47 Uhr

Ist die von der Laien jetzt auch noch Therapeutin? Aber wie will die den armen Soldaten denn allein den Rücken stärken, wo doch bei den Jungen im jungen Alter bereits vielfache (Haltungs)Schäden haben?

Aber wieso versucht die lt. Artikel einen Spagat? So sportlih ist die zum Einen nicht und zum Anderen ist es doch richtig, wenn die sich hinter die Truppe stellt. Erstens ist man dort am sichersten und zweitens - wie soll man "schwarze Schafe" sehen, wenn man vor der Schaftruppe steht?

Enrico Caruso

03.05.2017, 17:59 Uhr

Wozu ist diese Frau gut? Sie bekleidet ein Amt - und das war es auch schon. Für mehr reicht es einfach nicht.

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