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05.06.2013

15:24 Uhr

Von der Leyens Berggruen-Connection

Karstadt-Krise bringt Merkel-Vertraute unter Druck

ExklusivDie Karstadt-Übernahme durch Nicolas Berggruen könnte für Arbeitsministerin Ursula von der Leyen zum Problem werden. Die SPD will von der Vertrauten der Kanzlerin konkret wissen, welche Rolle sie damals spielte.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und Nicolas Bergguen. picture alliance/dpa

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und Nicolas Bergguen.

BerlinIn der Krise des angeschlagenen Warenhauskonzerns Karstadt gerät nun auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in die Schusslinie. Die SPD verlangt von ihr und Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen Auskunft über die Begleitumstände bei der Übernahme der Warenhauskette. Berggruen hatte den Karstadt-Konzern 2010 aus der Insolvenz übernommen und war damals auch von den Arbeitnehmern als Retter gefeiert worden.

„Die Ministerin für schöne Bilder und der Milliardär mit weisen Vorschlägen zur Rettung der europäischen Jugend sollten offenlegen, ob und unter welchen Bedingungen sich Frau von der Leyen für Berggruens Einstieg eingesetzt hat“, sagte der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA), Klaus Barthel (SPD), Handelsblatt Online. „Außerdem müssen alle Mitglieder der Bundesregierung, allen voran die Bundesarbeitsministerin, solange gemeinsamen Aktivitäten und Bilder auf irgendwelchen Jugend- und Zukunftskongressen verweigern, bis der Groß-Nicht-Investor seiner eigenen unternehmerischen Verpflichtung nachkommt.“

Von der Leyen gilt als engste Vertraute der Bundeskanzlerin. Diese betraute sie frühzeitig mit wichtigen Parteiaufgaben und holte sie schließlich ins Bundeskabinett. Die frühere Bundesfamilienministerin sei dort eine "Stütze", sagte Angela Merkel einmal. Als Arbeitsministerin hatte sich von der Leyen einst massiv für einen Karstadt-Einstieg von Investor Berggruen eingesetzt. Doch nun wird immer deutlicher, dass sich die Politikerin von dem Milliardär und seinen Karstadt-Plänen hat blenden lassen. Bei der Übernahme vor drei Jahren versprach Berggruen, Arbeitsplätze zu erhalten und die Filialen zu modernisieren.

Die wertvollsten deutschen Einzelhandelsmarken (2013)

Rang 10

Douglas

Markenwert: 238 Millionen Dollar
im Vorjahr nicht in den Top 10

Rang 9

Netto

Markenwert: 262 Millionen Dollar
minus fünf Prozent gegenüber 2012

Rang 8

Obi

Markenwert: 283 Millionen Dollar
plus zwei Prozent gegenüber 2012

Rang 7

Rewe

Markenwert: 459 Millionen Dollar
plus 5 Prozent gegenüber 2012

Rang 6

dm

Markenwert: 485 Millionen Dollar
plus 19 Prozent gegenüber 2012

Rang 5

Kaufland

Markenwert: 551 Millionen Dollar
plus zwei Prozent gegenüber 2012

Rang 4

Media Markt

Markenwert: 1,3 Mrd. Dollar
minus drei Prozent gegenüber 2012

Rang 3

Edeka

Markenwert: 1,5 Mrd. Dollar
plus fünf Prozent gegenüber 2012

Rang 2

Lidl

Markenwert: 1,52 Mrd. Dollar
plus acht Prozent gegenüber 2012

Rang 1

Aldi

Markenwert: 2,9 Mrd. Dollar
minus sieben Prozent gegenüber 2012

Quelle

Interbrand, März 2013

Im Sommer 2012 kündigte Karstadt dann allerdings den Abbau von rund 2000 Stellen bis 2014 an. Davon wurden schon rund 1850 durch Frühpensionierung, freiwilligen Austritt, natürliche Fluktuation und Nichtverlängerung befristeter Arbeitsverträge eingespart. Insgesamt arbeiten rund 22.000 Menschen bei Karstadt.

Karstadt-Chef Andrew Jennings hatte dann kürzlich vor einem schwierigen Geschäft für sein Unternehmen in diesem Jahr gewarnt und einen weiteren Stellenabbau nicht ausgeschlossen. Für Empörung sorgte bei den Beschäftigten zudem die Absage an die Tarifbindung. Verdi hatte mit Protestaktionen begonnen, zuletzt machten sich Karstadt-Beschäftigte in Hamburg für Flächentarifverträge stark.

Ebenfalls kritisch gesehen wird, dass Berggruen zunächst versicherte, eine Einlage von 65 Millionen zur Rettung des Warenhauses zu erbringen. Doch dann stellte sich heraus, dass dies nur ein Darlehen gewesen war, das er sich kurz nach der Übernahme zurückzahlen ließ.

Kommentare (5)

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TomXXX

05.06.2013, 16:37 Uhr

Ich verstehe den Inhalt der Vorwürfe nicht. Offensichtlich hat sie sich für die Chance der Erhaltung möglichst vieler Arbeitsplätze eingesetzt. Ein Versanden der Sanierungsversuche wäre ja auch nicht wünschenswert gewesen. Wenn jetzt Karstadt doch eine harte Sanierung bevorsteht, dann hat man auch nicht wirklich etwas verloren, ein Grund es nicht zu versuchen ist das aber auch nicht.

Kamerun

05.06.2013, 16:44 Uhr

Leyen hat bis heute gar nichts zustande gebracht. Beim Sozialabbau und Rentenbetrug mischt sie massiv mit: eine Ministerin, die niemand braucht.

wolfi

05.06.2013, 17:01 Uhr

Berggruen ist ein Schwätzer. Das einzige was der kann ist Bella Figura, kein großes Kunststück mit dem ererbten Bankkonto

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