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15.09.2015

16:29 Uhr

Vor dem Flüchtlingsgipfel

Die Wohnungsnot verschärft sich

VonKathrin Witsch, Silke Kersting

Drohende Wohnungsnot: In den nächsten fünf Jahren fehlen in Deutschland 400.000 Wohnungen – und die Lücke wird nicht kleiner. Denn: Seit Jahren schiebt Deutschland nun schon ein Wohnungsdefizit vor sich her.

Von den 242.000 benötigten Wohnungen, wurden nur knapp 205.000 pro Jahr gebaut. Mit der Zahl von einer Million Zuwanderern entsteht so ein Wohnungsbedarf von 510.000 Wohnungen. Um dieses Defizit auszugleichen, müssen in Deutschland 400.000 neue Wohnungen pro Jahr gebaut werden. dpa

Wohnungsnot in Deutschland

Von den 242.000 benötigten Wohnungen, wurden nur knapp 205.000 pro Jahr gebaut. Mit der Zahl von einer Million Zuwanderern entsteht so ein Wohnungsbedarf von 510.000 Wohnungen. Um dieses Defizit auszugleichen, müssen in Deutschland 400.000 neue Wohnungen pro Jahr gebaut werden.

BerlinDer Mangel ist riesig, und er wird von Jahr zu Jahr größer: Deutschland schiebt ein „riesiges Wohnungsdefizit“ vor sich her, das weiter wächst. Das ist das Fazit des Verbändebündnisses „Sozialer Wohnungsbau“. Das Bündnis hatte eine Wohn-Studie beim Pestel-Institut in Hannover in Auftrag gegeben.

Nach dessen Berechnungen sind seit 2009 etwa 770.000 Wohnungen zu wenig gebaut worden. Um dieses Defizit auszugleichen, müsse Deutschland in den nächsten fünf Jahren 400.000 Wohnungen jährlich bauen. Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte vergangene Woche noch von einem Bedarf von 350.000 neuen Wohnungen pro Jahr gesprochen.

Jetzt sei der Punkt erreicht, an dem man handeln müsse, mahnte das Bündnis, dem elf Organisationen und Verbände der deutschen Bau- und Immobilienbranche sowie Planer und Architekten angehören, darunter auch der Deutsche Mieterbund (DMB), die IG Bau und der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW).

Wer nimmt die meisten Flüchtlinge auf?

Anstieg der Flüchtlingszahlen

Aufgrund von internationalen Krisen rechnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit einem erneuten Anstieg der Flüchtlingszahlen in 2014. Im ersten Quartal 2014 haben rund 108.300 Flüchtlinge in einem der 28 EU-Staaten um Asyl angesucht. Doch kommen die meisten Asylsuchenden, die derzeit über das Mittelmeer nach Europa kommen, wirklich nach Deutschland?

Quelle: Eurostat/ Mediendienst Integration 2014

Platz 9

Griechenland: 2.440 Antragsteller

Platz 8

Ungarn: 2.735 Antragsteller

Platz 7

Österreich: 4.815 Antragsteller

Platz 6

Belgien: 5.065 Antragsteller

Platz 5

Großbritannien: 7.575 Antragsteller

Platz 4

Italien: 10.700 Antragsteller

Platz 3

Schweden: 12.945 Antragsteller

Platz 2

Frankreich: 15.885 Antragsteller

Platz 1

Deutschland: 36.890 Antragsteller

Jahrelange Forderungen, wie die Ausweitung von Bauland oder die Erhöhung der steuerlichen Abschreibung, müssten endlich umgesetzt werden. In den 90er-Jahren, nach dem Fall der Mauer, sei schon einmal ein Neudenken notwendig gewesen, hieß es.

„Heute müssen wir wieder Flexibilität zeigen. Wenn wir jetzt nichts tun, ist es in zwei Jahren zu spät“, appellierten die Verbände in Richtung des für den Nachmittag geplanten Flüchtlingsgipfels von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer.

Es könne aber nur etwas passieren, wenn Bund und Länder das „Katz-und-Maus-Spiel“ aufgäben und sich nicht gegenseitig der Untätigkeit beschuldigten, sagte Matthias Günther, Autor der Studie. „Bezahlbarer Wohnraum muss für öffentliche und private Investoren attraktiver werden.“

Flüchtlingskrise: Hendricks fordert mehr bezahlbaren Wohnraum

Flüchtlingskrise

Hendricks fordert mehr bezahlbaren Wohnraum

Der derzeitige Zustrom von Flüchtlingen heizt auch die Debatte um bezahlbaren Wohnraum weiter an. Bundesbauministerin Barbara Hendricks fordert mehr Wohnungen - mindestens 350.000 Stück jährlich würden gebraucht.

Hier sei der Staat in der Verantwortung, seinen Teil beizutragen. Der Verzicht auf Grunderwerbsteuer und Grundsteuer solle selbstverständlich sein. „Der Markt alleine wird es kaum richten.“ Lukas Siebenkotten, Direktor des Deutschen Mieterbundes, forderte eine „nationale Kraftanstrengung“ von Bund und Ländern: „Anders geht es nicht“.

Auch Chris Kühn, Sprecherin für Bau- und Wohnungspolitik bei den Grünen, fordert ein Bauprogramm von der Bundesregierung. Zu lange habe die Regierung „die Hände in den Schoß gelegt“. Die Grünen unterstützen die Forderung des Städte- und Gemeindebundes, soziale Wohnraumförderung auf zwei Milliarden Euro aufzustocken. Es könne nicht sein, dass Kommunen in Vorleistung treten müssen.

Der Wohnungsmangel trifft nicht nur Flüchtlinge, sondern generell Menschen mit niedrigem Einkommen. 2014 sind zwar rund 245.000 neue Wohnungen gebaut worden, aber nur etwa 70.000 im preisgünstigen Segment. Erforderlich laut Verbändebündnis sind aber 80.000 Sozialwohnungen und 60.000 Wohnungseinheiten im bezahlbaren Wohnungsbau, pro Jahr.

Kommentare (74)

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Herr Rudi Rastlos

15.09.2015, 16:42 Uhr

Saud Arabien möchte doch ca. 200 Moschen spendieren.
Da kann doch gleich angebaut werden.
Also pro Mosche gleich 2000 Wohnungen anbauen, Geld soll in Saudi Arabien genug vorhanden sein.
Die Merkel bekommt dann auch eine Wohnung ab....nach Ihrer Abwahl !

Account gelöscht!

15.09.2015, 16:44 Uhr

Leider sind alle im Familienbesitz befindlichen Immobilien langfristig an solvente Mieter vergeben, so dass wir hier mit Wohnraum für diese armen Menschen leider nicht aushelfen können. Ausgleichen können wir das nur mit erhöhter Spendenbereitschaft, damit auch diese Menschen sich im Euro-Paradies und einem der reichsten und schönsten Länder auf diesem Globus, nicht nur für uns hochqualifizierte Investmentbanker und Winterkorns die als Leistungsträger den ganzen Laden mit 6 bis 7-stelligen Beträgen im Jahr an den Fiskus (u.a.) am Laufen halten, wohl und willkommen zu fühlen.

Account gelöscht!

15.09.2015, 16:47 Uhr

Ich stelle gerne mein Haus gegen laufende monatliche Miete zur Verfügung.

Bedingung ist aber Komplettrenovierung nach Auszug auf Staatskosten!



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