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22.02.2013

18:07 Uhr

Vor dem Parteitag

Lindner plant sein Comeback in der FDP-Spitze

Der Hoffnungsträger ist zurück: Auf dem kommenden FDP-Parteitag will Christian Lindner sich zum Parteivize wählen lassen. Auch ein bekannter Kritiker der Parteispitze will für das Präsidium kandidieren.

Der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Christian Lindner. dapd

Der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Christian Lindner.

Düsseldorf/BerlinGut ein Jahr nach seinem Rücktritt als Generalsekretär will Christian Lindner (34) wieder eine führende Rolle in der FDP-Bundespartei spielen. Der nordrhein-westfälische Landeschef kandidiert beim Parteitag im März als stellvertretender Bundesvorsitzender.

Die FDP in NRW habe ihn dafür nominiert, „darum bewerbe ich mich“, sagte Lindner der „Welt am Sonntag“. „Als Vorsitzender des größten Landesverbandes der FDP werde ich mich jetzt wieder stärker in die Führung der Bundespartei einbringen.“ Die FDP wählt in zwei Wochen in Berlin Präsidium und Bundesvorstand.

Lindner galt lange als ein Konkurrent von Parteichef Philipp Rösler, seit er im Dezember 2011 sein Amt als Generalsekretär in Berlin niederlegt hatte. Sein bundespolitisches Comeback an der Seite Röslers hält Lindner dennoch für unproblematisch. „Wir hatten nie ein menschliches Zerwürfnis.“

Der tiefe Fall der FDP

September 2009

Die FDP mit ihrem Spitzenkandidaten Guido Westerwelle erzielt bei der Bundestagswahl mit 14,6 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis auf Bundesebene.

Dezember 2009

Die FDP setzt kurz nach Regierungsantritt die Senkung der Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen durch. Den Liberalen wird fortan Klientelpolitik vorgeworfen.

Februar 2010

In Umfragen sackt die FDP deutlich ab. Westerwelle löst mit folgender Äußerung in der Hartz-IV-Debatte heftige Kritik aus: "Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein."

Mai 2010

Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen verliert die schwarz-gelbe Landesregierung ihre Mehrheit. Einen Tag nach der Wahlschlappe rückt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von Steuersenkungsplänen ab, einem zentralen Wahlversprechen der FDP.

März 2010

Eine Serie von Landtagswahlen wird zum Fiasko: Weder in Sachsen-Anhalt noch in Rheinland-Pfalz schafft es die FDP ins Parlament. In Baden-Württemberg erreicht sie magere 5,3 Prozent.

April 2011

Angesichts wachsender parteiinterner Kritik kündigt Westerwelle den Rückzug vom Parteivorsitz an, will aber Außenminister bleiben. Kurz darauf einigen sich die FDP-Gremien auf Gesundheitsminister Philipp Rösler als neuen FDP-Chef.

Mai 2011

Rösler wechselt vom Gesundheits- ins Wirtschaftsministerium, der bisherige Ressortchef Rainer Brüderle wird Fraktionschef. Rösler gelingt es bei seiner Wahl auf dem Parteitag in Rostock, Aufbruchstimmung zu erzeugen.

September 2011

Die Schwäche der FDP hält an: Bei der Wahl in Berlin stürzt sie auf 1,8 Prozent ab.

Oktober 2011

Eine Gruppe um den FDP-Abgeordneten Frank Schäffler sammelt mehr als 3500 Unterschriften von Parteimitgliedern und erzwingt damit einen Mitgliederentscheid zur Europapolitik. Schäffler will die FDP in dem Entscheid gegen den Willen der Parteiführung auf ein Nein zum geplanten Euro-Rettungsfonds ESM festlegen.

Dezember 2011

Der Euro-Entscheid stiftet Unruhe in der Partei. Die Initiatoren werfen der Parteispitze Behinderung vor. Am Tag nach Einsendeschluss für die Stimmunterlagen erklärt Generalsekretär Christian Lindner seinen Rücktritt. Der bisherige Bundesschatzmeister Patrick Döring wird sein Nachfolger.

März 2012

Lindner kehrt nach dreimonatiger Auszeit als FDP-Spitzenkandidat für Nordrhein-Westfalen auf die politische Bühne zurück.

Mai 2012

In Schleswig-Holstein kommt die FDP mit Landeschef Wolfgang Kubicki trotz Einbußen mit 8,2 Prozent sicher in den Landtag. Bei den vorgezogenen Landtagswahlen in NRW verbessern sich die Liberalen um fast zwei Punkte auf 8,6 Prozent. Lindner hatte zuvor noch den FDP-Landesvorsitz übernommen.


August 2012

Kubicki drängt auf die Ablösung Röslers und wirbt für Lindner als neuen FDP-Bundesvorsitzenden. Eine offene Personaldebatte tritt er damit aber nicht los. Bis zur Landtagswahl in Röslers Heimatland Niedersachsen im Januar 2013, so die Hoffnung vieler Spitzenliberaler, soll die Partei still halten.

November 2012

Die FDP setzt in der Koalition ihre Forderung nach Abschaffung der Praxisgebühr durch - ein Erfolg auch für Rösler. Allerdings muss sie dafür dem ungeliebten Betreuungsgeld zustimmen.

Dezember 2012

Entwicklungsminister Dirk Niebel regt an, Parteivorsitz und Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl zu trennen. Seine Ideen sorgen für Unruhe. Die parteiinterne Kritik an Rösler wird lauter.

Januar 2013

Die FDP geht nervös ins entscheidende Wahljahr. Rösler lässt offen, ob er im Frühjahr erneut für den Parteivorsitz kandidiert. Die Partei diskutiert offen über seine Führungsqualitäten. Röslers politisches Überleben, so die allgemeine Einschätzung, ist eng mit dem Abschneiden der FDP bei der Niedersachsen-Wahl am 20. Januar verknüpft.
Doch dann gewinnt die FDP in Niedersachsen knapp zehn Prozent - und Rösler fordert eine Entscheidung. Er sei bereit auf den Vorsitz zu verzichten, wenn Rainer Brüderle übernimmt. Doch der zuckt zurück - und am Ende steht eine Zwitterlösung: Die FDP will mit dem Parteivorsitzenden Rösler und dem "Spitzenmann" Brüderle als Tandem in den Bundestagswahlkampf ziehen.

Auf die Frage, welche Rolle er als Parteivize spielen werde, sagte Lindner: „In der Politik werden im Moment ja gerne Fußballmetaphern verwendet. Deshalb: offensives Mittelfeld. Das heißt, dass ich gute Vorlagen geben möchte.“ Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen führte Lindner die FDP im Mai 2012 zu 8,6 Prozent, ist im Landtag allerdings in der Opposition.

In Röslers Umfeld hieß es am Freitag, der Parteichef begrüße Lindners Bereitschaft, sich wieder stärker in die Führung der Bundespartei einzubringen. Rösler habe in den vergangenen Wochen viele Gespräche mit führenden Liberalen geführt, um ein starkes Wahlkampfteam hinter Spitzenkandidat Rainer Brüderle und ihm selbst zu versammeln.

Wolfgang Kubicki (60) will erstmals ins FDP-Präsidium. Der Kieler Landtagsfraktionschef und unbequeme Kritiker der Bundespartei wurde am Freitag auf Vorschlag des schleswig-holsteinischen Landesvorsitzenden Heiner Garg vom Landesvorstand einstimmig für das wichtigste Parteigremium nominiert. Das teilten die Liberalen in Kiel mit.

Von

dpa

Kommentare (9)

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IsaacBenLaurenceWeismann

22.02.2013, 18:30 Uhr

Stichwahl Lindner gegen Kubicki, da wird es dann sicher sein, daß Lindner nur einer von vielen Stellvertretern werden wird. Doch zuvor werden sie Rösler gemeinsam in die Wüste schicken. Der hatte ohnehin nur "Leihstimmen", woher auch immer, aber nicht von der fdp.

Account gelöscht!

22.02.2013, 18:32 Uhr

FDP Linder als "ewiger Pseudo-Rebell" ohne Inhalt. Er kommt in den Medien an, aber er steht für nichts !!

Er war schon mal "oben" und jatz will er wieder medienwirksam "hoch". WEN INTERESSIERTS ? AFFEN-THEATER 2. AUFGUSS...

Account gelöscht!

22.02.2013, 20:35 Uhr

Wichtig ist nur, dass Rösler ersetzt wird , welcher der hier genannten das ist , ist sekundär !
Kubiki und Lindner sind sehr Kompetent und beide sind sehr gute Personalien .

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