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08.01.2017

10:51 Uhr

Vor Eröffnung der Elbphilharmonie

Tritt auf die Euphoriebremse

VonChristoph Kapalschinski

Die Elbphilharmonie sorgt in Hamburg nach jahrelanger Skepsis plötzlich für gewaltige Euphorie. Der Bau soll den Hanseaten den Weltstadt-Status sichern. Das ist übertrieben – nicht zuletzt wegen der gewaltigen Kosten.

Die gläserne Fassade der Elbphilharmonie lässt Hamburg erstrahlen – in mehrerlei Hinsicht. dpa

Königin der Nacht

Die gläserne Fassade der Elbphilharmonie lässt Hamburg erstrahlen – in mehrerlei Hinsicht.

HamburgJetzt ist sie wieder da, die maßlose Euphorie, die am Anfang des Projekts stand. Das Bauwerk werde Hamburg von einer „schnarchenden Halbschönen“ zu einer „Weltstadt“ machen, poetisiert das „Hamburger Abendblatt“. Vor der Eröffnung am Mittwoch sind die Querelen des Baus der Elbphilharmonie nicht vergessen, nicht die Kostensteigerung für die öffentliche Hand – nein, aber die Geschichte dient nun als Ausweis für den einmaligen Charakter des Baus. Das Konzerthaus hat bereits einen eigenen Mythos, noch bevor der erste öffentliche Ton erklungen ist.

Zum Mythos kommt eine Mission: Das Bauwerk soll Hamburg weltweit bekannter machen. Nicht nur Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) meint, die Stadt bleibe hinter ihren Möglichkeiten zurück. Deshalb inszeniert die Stadt die Eröffnung ausgiebig – und könnte damit Erfolg haben. Allerdings nicht gar so bombastisch wie erträumt. Denn es gibt einige Risiken.

Der Bau an sich begeistert selbst die Kritiker der hohen Kosten. Denn der vielleicht einzige aller möglichen Fehler, den die Bauherren nicht begangen haben, ist an der Qualität des Baus zu sparen – anders als vor zehn Jahren beim Berliner Hauptbahnhof, bei der damalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn vergeblich versuchte, die Kostenexplosion durch schmerzhaft sichtbare Entstellungen zu verhindern. Das unproportional verkürzte Bahnhofsdach und die schmucklose Deckenkonstruktion im Tiefgeschoss mahnen noch heute.

Die Elbphilharmonie hingegen darf zeigen, wie eine Glasfassade auch aussehen kann: nämlich gar nicht langweilig, sondern aus 1100 individuell gefertigten Glasscheiben, teils konkav gebogen, bedruckt mit reflektierenden Punkten. Mit Veränderungen der Tageszeit und des Wetters verändert der 110 Meter hohe Bau stetig sein Erscheinungsbild: von grau in der Morgendämmerung, silbrig glänzend am Tag, blau Himmel und Elbe reflektierend bei Sonnenschein bis hin zu orange im Sonnenuntergang. Darunter steht als Sockel der Kaispeicher A von 1963, ein sachlicher Backsteinbau, der nun das Parkhaus beherbergt. Die Elbphilharmonie ist ein seltenes Beispiel für Architektur, die fertig gebaut besser aussieht als auf den Computer-Planbildern.

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Die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron haben nach der Tate Modern in London, der Allianz-Arena in München und dem Vogelnest-Olympiastadion in Peking eine neue Landmarke geschaffen. Für Hamburg, dessen Hauptkirche St. Michaelis eher unspektakulär ist, steht jetzt schon fest: Die Elbphilharmonie ist das neue Symbol der Stadt. Selbst die Ausstattung der Künstlergarderoben folgt einem speziellen Design-Konzept mit teils extra entworfenen weißen Möbeln.

Kommentare (1)

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Herr Manfred Carter

09.01.2017, 17:11 Uhr

Wer das Ding vor Ort gesehen hat, aus mehreren Perspektiven, z.B. bereits beim Anflug auf HH oder von den Landungsbrücken aus, kann nicht anders als begeistert sein. Die anfänglichen Kostenprobleme o.k. - aber vergessen. Daneben ist ja das Miniaturmuseum, das kürzlich Heidelberg als Nr. 1 für ausländische Touristen in D abgelöst hat. Beides wird der Stadt Hamburg langfristig hohe Touristenzahlen bringen, hat die Stadt auch verdient, sie ist einfach toll (sagt ein Münchner). Meine einzige Sorge ist, dass das Gebäude doch irgendwann mal absäuft, nicht erst wenn der Klimawandel voll zuschlägt.

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