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25.06.2013

11:46 Uhr

„Vorausschauend handeln“

Merkel fordert mehr Hochwasserschutz

Selten sind sich die Fraktionen so einig. Über alle Parteien hinweg klingt die Forderung nach mehr Hochwasserschutz und engere Zusammenarbeit bei Katastrophen. Doch ganz ohne Stichelei ging es nicht zu.

Der Deutsche Bundestag befasst sich heute in einer Sondersitzung mit der Flutkatastrophe. dpa

Der Deutsche Bundestag befasst sich heute in einer Sondersitzung mit der Flutkatastrophe.

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach der zweiten Flutkatastrophe innerhalb von nur elf Jahren Konsequenzen für mehr Hochwasserschutz gefordert. „Wir müssen vorausschauend handeln“, sagte Merkel am Dienstag in einer Regierungserklärung vor dem Bundestag. Es seien neue Konzepte nötig, für die alle ihren Beitrag leisten müssten. Der Aus- und Neubau von Deichen sei wichtig. Allein reiche dies aber nicht aus, um mit extremem Hochwasser fertig zu werden. Es müssten auch mehr großräumige Rücklaufgebiete für Flüsse geschaffen werden.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) forderte in der Sondersitzung des Bundestages einen nationalen Pakt für Hochwasserschutz. Es sei damit zu rechnen, dass extreme Wetterereignisse zunehmen werden. „Wir müssen beim Hochwasserschutz in Deutschland sehr viel enger zusammenrücken.“ Der sächsische Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) sprach sich für einen beschleunigten Hochwasserschutz mit „Vorfahrtsregeln“ aus.

Ratschläge für Hochwassergeschädigte

Verunreinigte Lebensmittel noch essen?

Vom Verzehr unzureichend verpackter Lebensmittel raten wir Ihnen ab. Überlegen Sie auch, ob Sie in Ihrem Keller oder in anderen Lagerräumen Giftstoffe (Rattengift, Pflanzenschutzmittel etc.) aufbewahrt haben und lassen Sie diese Räume gegebenenfalls durch die Feuerwehr oder eine Fachfirma abpumpen, so daß das verunreinigte Wasser sicher entsorgt werden kann. Geben Sie der Feuerwehr oder der Entsorgungsfirma Hinweise auf die enthaltenen Giftstoffe!

Wenn der Heizölkeller voll Wasser steht

Den Keller leer zu pumpen ist erst dann sinnvoll, wenn das Hochwasser abgeflossen und der Grundwasserpegel ausreichend abgesenkt ist. Sind auf der Wasseroberfläche nur Ölschlieren erkennbar, kann das Wasser ohne weitere Maßnahmen ins Freie gepumpt werden - vorzugsweise in den nächsten Kanaleinlauf. Bei einer deutlichen Ölschicht auf der Wasseroberfläche sollte das Abpumpen der Feuerwehr überlassen werden, die über Geräte verfügt, um Wasser und Öl zu trennen. Gleiches gilt, wenn im Keller außer Öl auch andere wassergefährdende Stoffe wie z.B. Pflanzenschutzmittel, Rattengift und ähnliches gelagert wurden, oder wenn ölverunreinigter Schlamm möglicherweise nach Leerpumpen des Kellers zurückbleibt.

Bitte verwenden Sie kein Ölbindemittel ohne Absprache mit der Feuerwehr und achten Sie auf die ordnungsgemäße Entsorgung! Es erschwert das Abpumpen und kann Schäden an den Pumpen anrichten. Nach dem Leerpumpen den Keller gut lüften. Öl, das in Bauteile aus Beton, Ziegel, Holz usw. eingedrungen ist, beeinträchtigt nicht deren Festigkeit.

Was tun bei Ölschlämmen und Öldämpfen im Haus?

Ausgelaufenes Heizöl verursacht erhebliche Geruchsbelastungen, die in der Regel jedoch keine gesundheitliche Gefährdung bedeuten. Von einem längeren Aufenthalt in unbelüfteten Räumen, insbesondere Kellerräumen, raten wir jedoch ab. Was ist zu tun? Nicht rauchen, kein offenes Feuer! Lüften mit starkem Luftaustausch. Öl absaugen (in der Regel nur durch Fachkräfte möglich!). Ölbindemittel, Emulgatoren sollten nur zur Beseitigung kleinerer Rückstände und zur abschließenden Reinigung in Gebäuden verwendet werden. Bitte beachten Sie: Beim Einsatz von Ölbindemitteln ist in geschlossenen Räumen Brand- und Explosionsgefahr nicht auszuschließen. Falls Sie derartige Mittel einsetzen wollen, schalten Sie die örtliche Feuerwehr ein.

Schaden Öldämpfe im Freien der Gesundheit?

Öldämpfe im Freien können eine intensive Geruchsbelastung darstellen, gefährden in aller Regel jedoch nicht die Gesundheit. Behördliche Messungen, die vorgenommen wurden, haben keine Hinweise auf eine gesundheitliche Gefährdung erbracht.

Was tun bei Öldreck im Garten und auf dem Feld?

Häufig wird in den Bereichen, die vom Hochwasser überflutet waren, Hof und Garten mit einem dünnen Ölfilm überzogen sein. Im allgemeinen werden nur geringe Ölmengen in die oberste Bodenschicht eingedrungen sein, die bis zum Herbst abgebaut sein dürften. Sie werden keine dauerhafte Nutzungseinschränkung verursachen. Ist der Boden aber erkennbar mit Öl getränkt oder mit einer dicken Ölschlammschicht bedeckt, sollten Sie sich mit Ihrem Landratsamt, Ihrer kreisfreien Stadt bzw. dem Amt für Landwirtschaft über einen Abtrag des belasteten Bodens und die Art seiner Entsorgung abstimmen.
Gartenböden sollen aber in regelmäßigen Abständen - etwa alle 2-3 Wochen - 5 bis 10 cm tief umgegraben werden, um für ausreichende Luftzufuhr zu sorgen; zur Beschleunigung des Abbaus von Mineralöl können Hilfsstoffe (z.B. Biocrack) eingesetzt werden. Gras, Grünfutter sind als Restmüll zu entsorgen und eignen sich nicht zum Kompostieren. Komposthaufen: der Komposthaufen sollte umgesetzt werden, der kontaminierte Kompost in diesem Jahr nicht mehr in den Boden eingearbeitet werden.

Sandkästen, Kinderspielplätze: sichtbar verunreinigter und nach Öl riechender Sand muß ausgetauscht werden. Gartenteiche: bei einem dünnen Ölfilm auf dem Gartenteich kann der Abbau durch Zugabe von Biocrack beschleunigt werden. Falls Öl auf dem Wasser aufschwimmt, muß es von der Feuerwehr oder dem Technischen Hilfswerk abgepumpt werden. Danach ist der Teich zu reinigen und neu zu befüllen.

Welche Gefahren drohen durch Strom?

Welche Gefahren drohen durch Strom in feuchten Räumen? Schalten Sie den Strom in überschwemmten und ausgepumpten Gebäuden sowie in sonstigen feuchten Räumen nicht einfach wieder ein! Es besteht eine erhebliche Gefahr von Stromschlägen und Kurzschlüssen.

Das gleiche gilt, wenn Sie elektrische Geräte, die der Wassereinwirkung ausgesetzt waren, wieder in Betrieb nehmen. Wir empfehlen dringend, elektrische Anlagen und Geräte durch eine Elektrofachkraft überprüfen zu lassen! Nehmen Sie Ihre Heizung erst nach der Inspektion durch einen Fachmann in Betrieb.

Gemüse aus dem überschwemmten Garten essen?

Wir raten vom Verzehr von Gemüse aus überschwemmten Bereichen ab. Obst, Gemüse, Salat sind aus Vorsorgegründen nicht mehr zum Verzehr geeignet und sollten mit dem Restmüll entsorgt werden. In Zweifelsfällen wenden Sie sich bitte an Ihre Kreisverwaltungsbehörde (Landratsamt bzw. kreisfreie Stadt), wo Sie kostenlos beraten werden.
Auskünfte erteilen auch die Verbraucherberatungsstellen. Bei gewerblich oder landwirtschaftlich genutzten Flächen stehen die örtlichen Behörden beratend zur Seite. Sie können den Boden Ihres Gartens aber wieder bepflanzen, sobald kein Ölgeruch mehr wahrzunehmen ist.

Kommen nach dem Hochwasser die Mücken?

Das ablaufende Hochwasser und das zurückgehende Grundwasser lassen in den Überschwemmungsflächen der Flüsse stark vernässte Flächen mit vielen Pfützen und Tümpeln zurück. Herrschen in dieser Zeit sommerliche Temperaturen, so entwickeln sich darin in wenigen Tagen Stechmücken, die zwar die Gesundheit der Bewohner nahegelegener Siedlungen nicht gefährden, sie aber durch ihre außergewöhnlich hohe Zahl doch sehr belästigen können. Nur die Mückenweibchen, die für die Entwicklung ihrer Eier auf Blut angewiesen sind, stechen Warmblüter.

Um eine Belästigung in den Wohnungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, als völlig harmloses Mittel Mückengaze oder -gitter (z.B. von Baumärkten) vor den Fenster- und Türöffnungen anzubringen. Die Insekten können damit praktisch vollständig aus den Wohnräumen ferngehalten werden.
Besonders in den Dämmerungsstunden ist es ratsam, sich in den Überschwemmungsflächen und den angrenzenden Wohngebieten nur so lang wie nötig im Freien aufzuhalten. Lange Bekleidung mindern die Erfolgschancen der Stechmücken. Zusätzlich sind an unbedeckten Körperteilen Mückenabwehrstoffe zum Einreiben oder Sprühen hilfreich.

Im Hochwassergebiet Trinkwasser konsumieren?

Das Hochwasser kann bei einzelnen Versorgungsanlagen das Trinkwasser beeinträchtigen. Chlorung: Bei manchen Trinkwasseranlagen wird deshalb zur Abwehr von möglichen Gesundheitsgefahren das Wasser gechlort. Damit werden Krankheitserreger abgetötet, die durch das Hochwasser u.U. in das Trinkwasser gelangt sein können. Diese Chlorung ist gesundheitlich völlig unbedenklich, es verursacht lediglich eine leichte Geruchs- oder Geschmacksbeeinträchtigung.

Trinkwasserverbot und Abkochanordnung: Wenn eine Chlorung nicht ausreicht (oder aus technischen Gründen unmöglich ist), um den bei uns vorgeschriebenen hohen Sicherheitsstandard zu gewährleisten, kann es erforderlich werden, das Trinken von Trinkwasser zu verbieten und anzuordnen, daß Wasser nur im abgekochten Zustand getrunken werden darf. Über die Notwendigkeit des Abkochens werden die betroffenen Bürgerinnen und Bürger in geeigneter Weise (z.B. über den Rundfunk) informiert.
Trinkwasser darf erst dann wieder getrunken werden, wenn Trinkwasserverbot und Abkochanordnung aufgehoben wurden. In der Zwischenzeit sollte Mineralwasser oder Wasser aus einer anderen freigegebenen Zapfstelle verwendet werden. In Zweifelsfällen rufen Sie bitte Ihr zuständiges Wasserwerk an, gegebenenfalls die Gemeinde. Auch die Gesundheitsabteilung am Landratsamt bzw. der kreisfreien Stadt gibt Ihnen Auskunft.

Wohin mit Ölverseuchten Hausabfällen?

Nach der Überschwemmung können Fußbodenbeläge, Holzverkleidungen, Estrich, Putz und andere saugfähige Bauteile sowie Hausrat durch Öl belastet sein. Sie können in der Regel als Sperrmüll entsorgt werden. Weitere Auskünfte kann Ihnen der Abfallberater des Landratsamtes bzw. der kreisfreien Stadt oder Gemeinde erteilen.

Wohin mit belastetem Heu, Gras oder Treibholz?

Sie können dieses belastete Material verbrennen, sollten vorher aber die Feuerwehr informieren und möglichst wenige Brandherde schaffen. Eine dringende Bitte: Verbrennen Sie das Material erst, wenn es trocken ist!
Um Bränden vorzubeugen, sollte das Feuer sorgfältig kontrolliert, Sicherheitsabstände beachtet und eine Verbrennung bei starkem Wind vermieden werden. Trockenes Treibholz sollte gehäckselt oder gesammelt verbrannt werden. Diese Maßnahmen gelten nur für eine Übergangszeit im Katastrophenfall. Für weitere Auskünfte steht Ihnen der Abfallberater Ihres Landkreises, Ihrer Stadt oder Gemeinde zur Verfügung.

Quelle

Merkel lobte wie Vertreter aller Parteien die Solidarität mit den Flutopfern. „Wir erleben einmal mehr: In der Stunde der Not stehen die Menschen in Deutschland zusammen“, sagte die Kanzlerin. „Wir sind ein starkes Land. Der Zusammenhalt ist eine der größten Stärken unseres Landes.“ Für ein Fazit sei es noch zu früh. Die Gesamthöhe der Schäden sei überhaupt noch nicht absehbar.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring hob die Haushaltspolitik der schwarz-gelben Koalition hervor. Durch Maßhalten in den vergangenen Jahren seien die zusätzlichen Gelder für den Aufbauhilfefonds möglich. CDU-Haushaltsexperte Norbert Barthle betonte, dank der Risikopuffer könnten die Hilfen gestemmt werden, ohne die Schuldenbremse zu tangieren und die dort erlaubte Not- und Ausnahmeregel für neue Kredite zu nutzen.

Kommentare (3)

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Vicario

25.06.2013, 12:15 Uhr

Zitat : Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach der zweiten Flutkatastrophe innerhalb von nur elf Jahren Konsequenzen für mehr Hochwasserschutz gefordert. „Wir müssen vorausschauend handeln“, sagte Merkel am Dienstag in einer Regierungserklärung vor dem Bundestag.

- Die Zonenwachtel in ihrem Element...sie fordert mehr Hochwasserschutz...??!!!
Vorausschauend handeln ?

Wer regiert uns nun seit 8 Jahren......??????? !

Der Petrus ?

kuac

25.06.2013, 13:18 Uhr

Merkel fordert mehr Hochwasserschutz!! Von wem fordert sie denn das? Sie soll nicht fordern, sondern handeln. Das ist ihr Job. Hat niemand ihr das erklärt?

VolkerRockel

25.06.2013, 14:36 Uhr

Früher baute man Städte und Dörfer oberhalb der tieferliegenden Überflutungsflächen!- Heute schafft man billiges „Bauland" oder bewirtschaftbare Flächen, in dem man bebaubare oder bewirtschaftbare Flächen in (gefährdeten) tieferliegenden Überflutungsflächen ausweist oder tieferliegende Flächen eindeicht, um sie dann zur Bebauung oder Bewirtschaftung frei zu geben!

Vielleicht wäre es nun ein folgerichtiger Ansatz mal darüber nachzudenken, mögliche tieferliegende Überflutungsflächen erst gar nicht zu bebauen und für gefährdete Flächen einen grundsätzlichen Baustopp zu verhängen!

Denn eines ist klar, jede Hochwasser-Schutzmaßnahme ist in ihrer Wirkung endlich.- Und diese Endlichkeit wird im wesentlichen durch den Klimawandel bestimmt, der mehr und mehr auch uns treffen wird und dessen Konsequenzen wir mit zu tragen haben!

Jetzt den betroffenen Mitbürger zu helfen ist richtig!- Dennoch muss man überlegen, wie zukünftig die Notwendigkeit der Hilfe minimiert wird;- in dem man sich mehr mit den Ursachen für die Notwendigkeit der Hilfe auseinandersetzt und soweit möglich die Ursachen sinnvoll beseitigt!

Und dieTatsache das Versicherungen bestimmte Objekte (aufgrund der Gefährdungsanalyse) überhaupt nicht mehr gegen Hochwasserschäden versichern, wäre ein guter Anhalt....

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