Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2004

09:46 Uhr

Vorruhestand entlastet Arbeitslosenstatistik

Trend zur Frührente noch nicht gestoppt

VonRainer Nahrendorf

Die Gesetzesinitiativen der Bundesregierung, den für die Sozialkassen teuren Trend zur Frührente, zu stoppen, sind bislang ins Leere gelaufen. Der Vorruhestand entlastet die Arbeitslosenstatistik.

DÜSSELDORF. Die Gesetzesinitiativen der Bundesregierung, den für die Sozialkassen teuren Trend zur Frührente, zu stoppen, sind bislang ins Leere gelaufen. Betriebe und Beschäftigte haben im Krisenjahr 2003 die Vertrauensschutzregelungen bei der Verkürzung der Anspruchsdauer auf Arbeitslosengeld und bei der schrittweisen Heraufsetzung der Altersgrenzen für eine Rente nach Arbeitslosigkeit oder Altersteilzeit auf 63 Jahre vermehrt zum Abschluss von Vorruhestandsregelungen genutzt.

< p>Die Verkürzung der Anspruchsdauer auf Arbeitlosengeld auf 18 Monate für Arbeitnehmer ab dem 55. Lebensjahr wird erst zum 1. Februar 2006 wirksam. Bis dahin beträgt der Höchstanspruch noch 32 Monate. Die lange Bezugsmöglichkeit von Arbeitslosengeld und die Möglichkeit des Bezuges einer vorgezogenen Rente nach vorangegangener Arbeitslosigkeit lädt Unternehmen und ältere Beschäftigte geradezu ein, Vorruhestandsregelungen abzuschließen.

Erleichtert werden solche Vereinbarungen durch den Paragraphen 428 des Sozialgesetzbuches III. Danach haben 58jährige und ältere Arbeitnehmer die Möglichkeit, Arbeitslosengeld auch dann zu beziehen, wenn sie nicht vermittelt werden wollen. Sie werden nicht als Arbeitslose gezählt. Von dieser vorruhestandsähnlichen Regelung, die Anfang 2006 ausläuft, haben im Dezember 2003 387 000 de-facto Arbeitslose Gebrauch gemacht, gut 19 Prozent mehr als im November.

Auch die Inanspruchnahme des Altersteilzeitgesetzes hat einen Höchststand erreicht. Das Gesetz erleichtert Arbeitnehmern ab dem 55. Lebensjahr den gleitenden Übergang in den Ruhestand. Bei der Wiederbesetzung einer durch Altersteilzeit frei werdenden Stelle fördert die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Altersteilzeit (ATZ). Die Zahl der so geförderten Altersteilzeitler hat sich im Dezember 2003 auf 72 000 erhöht.

Die tatsächliche Zahl der Altersteilzeitkräfte liegt höher. Die Bundesagentur zählt die ATZ-Kräfte erst, wenn die Förderung einsetzt. Da die weitaus meisten ATZ-Arbeitnehmer zunächst voll weiter arbeiten und sich dann für die zweite Hälfte der Vertragslaufzeit frei stellen lassen, tauchen sie erst mit zeitlichem Verzug in der Statistik auf.

Zudem wird die Altersteilzeit in großem Umfang ohne Stellenwiederbesetzung genutzt. Nach Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung dürfte die Zahl der ATZ-Kräfte fünf Mal so hoch liegen wie von der Bundesagentur ausgewiesen. Da Altersteilzeit ganz überwiegend in Blockform absolviert wird, hat sie sich entgegen der ursprünglichen Gesetzesabsicht zu einer Vorruhestandsvariante entwickelt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×