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05.01.2015

11:36 Uhr

Vorschlag von EnBW-Miteigentümer

Hochradioaktive Abfälle ins Ausland bringen

Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll gestaltet sich äußert schwierig. Deshalb bricht der EnBW-Miteigentümer OEW ein Tabu – und befürwortet, die Abfälle ins Ausland zu schaffen.

Zahlreiche Castor-Behälter lagern in deutschen Zwischenlagern – wie hier im Forschungszentrum Jülich. dpa

Zahlreiche Castor-Behälter lagern in deutschen Zwischenlagern – wie hier im Forschungszentrum Jülich.

UlmSeit Jahrzehnten produziert Deutschland Atommüll – die Frage, wohin die radioaktiven Abfälle kommen sollen, ist dagegen seit Jahrzehnten unbeantwortet. Seit eineinhalb Jahren arbeitet nun eine Kommission aus Politik, Umweltverbänden, Energieversorgern daran, Kriterien aufzustellen, die ein Endlager erfüllen soll.

Die Suche gestaltet sich als schwierig. Selbst wenn sich die Beteiligten auf Kriterien einigen können – der Widerstand in der Region, die als Endlager ausgeguckt wird, dürfte groß sein. So macht der EnBW-Miteigentümer OEW nun einen Vorschlag, der immer wieder mal als Notlösung herhält: Den Atommüll ins Ausland schaffen.

„Ich bin ziemlich sicher, dass es der Politik nicht gelingen wird, in der dicht besiedelten Bundesrepublik Deutschland einen geologisch geeigneten Standort für ein Endlager durchzusetzen“, sagte der Chef des kommunalen Zweckverbands Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW), Heinz Seiffert, der Deutschen Presse-Agentur in Ulm. Der Verband ist neben dem Land Baden-Württemberg Haupteigentümer des Versorgers EnBW.

Der Fahrplan zum Atommüll-Endlager

2014 bis Mitte 2016:

Eine 33-köpfige Kommission mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erarbeitet mit Expertenanhörungen die Grundlagen der Suche. Danach muss das Endlagersuchgesetz eventuell noch einmal modifiziert werden.

2015/2016:

Um nicht weitere Fakten für ein Endlager in Gorleben (Niedersachsen) zu schaffen, sollen keine Atommülltransporte mehr in das nahe des Salzstocks gelegene oberirdische Zwischenlager gehen. Sie müssen in andere Zwischenlager in Deutschland gebracht werden.

Ab 2016:

Zunächst werden bundesweit alle ungeeigneten Regionen ausgesiebt. Regionen mit guten Gesteinsformationen werden ausgewählt und mehrere Standorte erkundet, auch mittels Probebohrungen.

Bis 2023:

Am Ende sollen die besten Standorte aufwendig unter Tage erkundet werden. Welche Standorte ausgewählt werden, soll mit einem weiteren Bundesgesetz beschlossen werden. Die Kosten pro Erkundung werden mit einer halben Milliarde Euro pro Standort veranschlagt.

2031

Bundestag und Bundesrat sollen endgültig über den Standort entscheiden, der Klageweg soll nicht eröffnet werden. Die Kosten der Endlagersuche werden mindestens zwei Milliarden Euro betragen.

Derzeit nutze Deutschland – zumindest wenn es nicht genügend eigenen Strom gibt – Atomstrom aus dem Ausland. „Da ist es doch nicht unlogisch, auch unseren Atommüll dort hinzubringen – es gibt auch in diesem Bereich einen Weltmarkt“, sagte Seiffert. Er sorge sich, dass man in 30 oder 40 Jahren immer noch auf großteils oberirdische Zwischenlager angewiesen sei, weil kein Endlager in Deutschland gefunden werden konnte.

Baden-Württembergs Energie- und Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) lehnte den Vorstoß kategorisch ab. „Es ist abwegig, darüber nachzudenken, den Müll um die halbe Welt zu schicken und zu glauben, damit das Problem lösen zu können“, sagte ein Sprecher. Deutschland trage für den in seinen Atomkraftwerken produzierten radioaktiven Abfall eine Verantwortung, die sich nicht delegieren lasse.

Kommentare (5)

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05.01.2015, 12:07 Uhr

Das sind keine Abfälle, sondern Wertstoffe die wiederverwertet können. Die Technik gibt es schon seit Jahren dazu. Wiederaufbereitung und neue Reaktortypen wie den BN800 oder den DFR machen aus den Wort "Abfall" das Wort "Wertstoff" und somit eine bis zum Schluss entsorgtes Energieträgerkonzept mit Uran.
Die deutsche Angsthasen und grünsozialistisch verseuchte Politik macht aus unseren Land ein Land der Verlierer und Weicheier!

Herr Thomas Ungläubig

05.01.2015, 12:07 Uhr

Das ist er wieder, der »hässliche Deutsche«. Die Lösung ist aber ganz einfach: Ab damit in den Irak, Iran oder nach Afghanistan, auch Nordkorea würde sich anbieten – die machen was draus;–)

Frau Margrit Steer

05.01.2015, 13:23 Uhr

Der Deutsche beutet die Dritte Welt doch schon genug aus

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