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21.09.2011

11:41 Uhr

Vorsitz der Linksfraktion

Wagenknecht scheut Konflikt mit Gysi

Der linke Flügel der Linkspartei bringt Sahra Wagenknecht als neue Co-Vorsitzende der Fraktion ins Spiel. Die ziert sich nicht, will aber eine Konfrontation mit dem anderen Co-Vorsitzenden, Gregor Gysi, vermeiden.

Sahra Wagenknecht. dapd

Sahra Wagenknecht.

BerlinTrotz aller Stillhalte-Appelle der Linken-Führung geht die Personaldebatte in der Partei weiter. Politiker vom linken Flügel sprachen sich erstmals öffentlich für eine Kandidatur der stellvertretenden Parteichefin Sahra Wagenknecht für die geplante Doppelspitze in der Bundestagsfraktion aus. Auch der frühere Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine soll nach Informationen des "Tagesspiegel" diesen Plan unterstützen. Wagenknecht selbst schloss eine Kandidatur im „Tagesspiegel“ nicht aus. „Aber das ist noch keine Bewerbung“, betonte sie.

Allerdings knüpfte sie ihre Kandidatur an die Zustimmung Gregor Gysis. „Ob ich kandidiere, hängt davon ab, wie sich die Genossinnen und Genossen und Gregor Gysi dazu verhalten“, sagte Wagenknecht der „Mitteldeutschen Zeitung“. Gerade Letzteres sei ihr besonders wichtig. Allerdings sei ungewiss, ob es eine Doppelspitze geben werde. „Vielleicht ist die Stelle gar nicht vakant.“

Die Stelle des Vorsitzenden der Linksfraktion ist seit dem Ausscheiden Oskar Lafontaines aus dem Bundestag nicht besetzt. Die Fraktion hatte 2010 beschlossen, in diesem Jahr eine gemischte Doppelspitze zu wählen - also Mann und Frau aus West und Ost. Der jetzige Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi, der aus Ostdeutschland stammt und dort auch gewählt wurde, gilt als gesetzt. Die Frau müsste also aus dem Westen kommen. Laut Fraktionsbeschluss ist dabei aber nicht die Herkunft entscheidend, sondern die Lage des Wahlkreises der Abgeordneten. Wagenknecht stammt aus dem Osten, hat aber in Düsseldorf für den Bundestag kandidiert.

Die Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen nannte Wagenknecht im „Tagesspiegel“ einen „Publikumsmagneten“: „Jemand mit diesem Format stünde in anderen Parteien längst in der ersten Reihe.“ Der nordrhein-westfälische Fraktionschef Wolfgang Zimmermann sagte, Wagenknecht sei „eine der wenigen in der Partei, die bundesweit bekannt sind“.

Er verwies auf Doppelspitzen im Westen sowie die „klare antikapitalistische Politik“ von Wagenknecht. Gysi hatte sich den Angaben zufolge zu dem Thema zurückhaltend geäußert: „Im Kern geht es nicht um die Frage des Feminismus, sondern darum, ob die Fraktion jemanden findet, den sie mit breiter Mehrheit trägt“, sagte er demnach.

Vor allem der ostdeutsche Reformerflügel der Partei ist dem Bericht des „Tagesspiegel“ zufolge strikt gegen einen Aufstieg von Wagenknecht an die Fraktionsspitze. Die Fraktion wolle am Dienstag kommender Woche eine Grundsatzentscheidung über eine Doppelspitze fällen, gewählt werden solle dann am 25. Oktober. Dazu gab es auf Anfrage aber keine Bestätigung. Es sei noch offen, wann über eine mögliche Doppelspitze abgestimmt werden könne, hieß es in der Parteizentrale.

Als langjährige Wortführerin der „Kommunistischen Plattform“ gilt Wagenknecht bei den Reformern in ihrer Partei als „rotes Tuch“. Nach ihrer Wahl zur stellvertretenden Parteivorsitzenden im vergangenen Jahr hat sie ihren Posten als Vorsitzende der „Kommunistische Plattform“ aber ruhen lassen. Sie saß von 2004 bis 2009 im Europaparlament, seither gehört sie dem Bundestag an. Seit Mai 2010 ist sie stellvertretende Parteivorsitzende der Linken.

Kommentare (5)

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21.09.2011, 11:52 Uhr

Frau Wagenknecht gehört in die Psychatrie - bildet sie sich doch ein, die Reinkarnation von Rosa Luxemburg zu sein, versehen mit einem riesigen Herz für die Wohltaten der Chancenlosen. Oh jeeee.

Torsten_Steinberg

21.09.2011, 12:08 Uhr

"Reinkarnation von Rosa Luxemburg"
Mal ganz abgesehen davon, ob Sarah Wagenkneckt sich wirklich als eine solche versteht - nach ihren Interviews und Veröffentlichungen zu urteilen jedenfalls ist sie eher eine Politikerin, die sich mit den Themata unserer Zeit befasst und nicht in der Vergangenheit lebt, weder Kaiserreich noch Weimar oder DDR - was verstehen Sie darunter und warum gehörte man Ihrer Meinung nach als Reinkarnation von Rosa Luxemburg in die Psychatrie?

Jochen

21.09.2011, 12:38 Uhr

Eigentlich sollten alle langsam vom Kommunismus geheilt sein, oder?!

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