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23.01.2017

07:11 Uhr

Vorwahlen in Frankreich

Französische Sozialisten auf Linkskurs

VonTanja Kuchenbecker

In der ersten Vorwahlrunde um die Präsidentschaftskandidatur siegte Ex-Minister Hamon überraschend und trifft in der Stichwahl auf Ex-Premier Valls. Die beiden sind programmatisch allerdings unversöhnlich.

Die beiden Präsidentschaftskandidaten liegen bei der Vorwahl der französischen Linke in Führung. AFP; Files; Francois Guillot

Hamon und Valls

Die beiden Präsidentschaftskandidaten liegen bei der Vorwahl der französischen Linke in Führung.

ParisFrankreichs Sozialisten haben begonnen, einen Erben für Präsident François Hollande zu suchen und das ist nicht leicht. Die Wahlbeteiligung im ersten Wahlgang war mit rund zwei Millionen Wählern mäßig und passte zur Stimmung in der sozialistischen Partei. Die konservativen Republikaner hatten bei ihrer Vorwahl im November vier Millionen mobilisiert. Der unbeliebte Hollande rechnete sich keine Chancen aus und wollte nach einer Amtszeit nicht mehr antreten, das ist höchst ungewöhnlich. Überraschend gelangte Ex-Bildungsminister Benoît Hamon, der zum linken Flügel der Partei gehört, nach Hochrechnungen auf den ersten Platz. Für die Stichwahl am kommenden Sonntag qualifizierte sich auch Ex-Premierminister Manuel Valls, der Vertreter der rechten Sozialisten.

Hamon lag laut der Hochrechnungen mit rund 35 Prozent vor Valls mit 31 Prozent. Sieben Kandidaten waren angetreten, Valls, Ex-Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg, Hamon und Vincent Peillon, ebenfalls Ex-Bildungsminister. Außerdem der Grüne François de Rugy, Jean-Luc Bennahmias von der Demokratischen Front und Sylvia Pinel von der Radikalen Partei der Linken. Auf Platz drei landete Montebourg, der auch den linken Rand vertritt und eigentlich zusammen mit Valls als der Favorit galt.

Schon jetzt ist klar, dass Hamon in der Stichwahl von Montebourg unterstützt wird, was ihm einen Vorteil einbringt. Die beiden ähnlich sich in ihrer politischen Ansichten, beide hatten sich enttäuscht von Hollande abgewandt. Hamon betonte nach seinem Überraschungssieg der ersten Etappe: „Indem Sie mich an die Spitze gesetzt haben, haben Sie eine Botschaft der Hoffnung und der Erneuerung gesendet.“ Eine neue Ära für die Sozialisten könne anbrechen. Seine Fans jubelten bei seiner Wahlveranstaltung schon „Benoît Präsident“. Hamon, der von vielen Sozialisten nur „der kleine Ben“ genannt wurde, hat sich vom Außenseiter zum Favoriten der Sozialisten qualifiziert, was sehr an die Wahl der Republikaner erinnert. Dort galten Ex-Premier Alain Juppé und Ex-Präsident Nicolas Sarkozy als besonders aussichtsreich, doch der ehemalige Premierminister François Fillon machte das Rennen.

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Der Bretone Hamon, der Ex-Arbeitsministerin Martine Aubry, der Patin der 35-Stunden-Woche in Frankreich, nahe steht, sorgte mit einem Punkt seines Wahlprogrammes besonders für Aufsehen. Er will für die ganze Bevölkerung ein Grundeinkommen von 750 Euro einführen und damit gegen Armut ankämpfen, dieses soll über Steuererhöhungen finanziert werden. Außerdem will er das unter Hollande eingeführte Arbeitsrecht, das mehr Freiheit für Unternehmen schafft, abschaffen, den Mindestlohn erhöhen und mehr Lehrerstellen schaffen. Seine Konkurrenten kritisierten die Kosten seines Programms. Valls sprach am Sonntagabend von nicht zu „finanzierenden Versprechen“ seines Konkurrenten, er dagegen ist eher wirtschaftsfreundlich eingestellt und steht für Reformen.

Doch wer am kommenden Wochenende bei den Sozialisten gewinnt, wird trotzdem nicht viel Chancen haben. In Frankreich wurde in den Medien schon von einer „Wahl der Chancenlosen“ gesprochen. Denn egal, wer aus der Vorwahl als Sieger herausgeht, kann laut Umfragen im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl am 23. April kaum mit mehr als zehn Prozent rechnen, was für eine Stichwahl am 7. Mai nicht reichen würde. Wählen kann bei der Vorwahl der Sozialisten jeder, der sich zu den Werten der Linken bekennt, wahlberechtigt ist und einen Euro bezahlt.

Interessant wird am kommenden Sonntag sein, ob das Pendel bei der Wahl nach rechts oder links ausschlägt. Valls, der von seinem Amt als Premierminister zurückgetreten ist, um in den Wahlkampf zu ziehen, hat einen Nachteil. Er wird mit der Regierung von Hollande assoziiert. Und wendet sich deshalb von der Regierungszeit ab, denn eine Allianz mit dem unbeliebten Hollande kann nur schaden. Valls betont, dass er vieles nur auf Anordnung von Hollande durchgezogen hat, so richtig glaubt ihm das aber niemand.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

23.01.2017, 10:18 Uhr

Auf der einen Seite ist es schon erschreckend, wie untentschlossen und schwammig diese Sozialisten daherkommen...aber für den FN von Le Pen freut es mich natürlich. Die Franzosen haben die Nase endgültig voll und es läuft alles auf einen Wahlsieg von Le Pen und ihren FN hinaus.

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