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23.02.2011

17:04 Uhr

Vorwürfe an Guttenberg

"Ein akademischer Hochstapler und Lügner im Kabinett"

Auf diese Gelegenheit hat die Opposition lange gewartet: Mit Wucht nimmt sie den angeschlagenen Verteidigungsminister Guttenberg im Bundestag unter Beschuss. Die Uni Bayreuth äußert sich am Abend zur Dissertation.

So viel Kritik macht durstig: Minister Guttenberg im Parlament. Quelle: dpa

So viel Kritik macht durstig: Minister Guttenberg im Parlament.

BerlinBundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich im Bundestag zu schweren Fehlern in seiner Doktorarbeit bekannt, den Vorwurf der bewussten Täuschung aber zurückgewiesen. „Ich habe mich aufrichtig und von Herzen entschuldigt und wiederhole das gerne noch einmal hier in diesem hohen Hause“, sagte Guttenberg am Mittwoch vor den Abgeordneten. Seine Doktorarbeit enthalte zwar schwere Fehler. Sie sei aber kein Plagiat, weil er nicht bewusst getäuscht habe. Der Minister bemühte sich sichtlich um ein weniger provokantes Auftreten als in den vergangenen Tagen.

Die Opposition unterbrach ihn dennoch mehrfach mit lautstarken Missfallensäußerungen und sprach den Minister trotz seines Titelverzichts demonstrativ mit „Dr. zu Guttenberg“ an. Schärfe gewann der Schlagabtausch, als der Grünen-Politiker Jürgen Trittin den CSU-Politiker in der Fragestunde des Bundestags wegen seiner wechselnden Aussagen der vergangenen Tage angriff. Der Minister konterte und drohte indirekt mit juristischen Konsequenzen wegen übler Nachrede, falls ihm weiter ein Plagiat unterstellt werde. „Ein Plagiat setzt voraus, (...) dass man bewusst und vorsätzlich getäuscht haben sollte“, sagte er.

Er habe jedoch stets deutlich gemacht, dass er nicht bewusst oder vorsätzlich getäuscht, sondern gravierende Fehler gemacht habe. „Diese Unterscheidung ist eine, die man auch anlegen sollte, wenn man Urteile über andere bildet, weil es ein Urteil ist, das natürlich eine strafrechtliche Relevanz in sich tragen könnte“, warnte Guttenberg. Die Fehler seien entstanden, weil er mit der Dissertation neben allen anderen Tätigkeiten überlastet gewesen sei. Die Universität Bayreuth wird heute Abend um 19.30 Uhr eine Entscheidung über die mögliche Aberkennung des Doktortitels von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bekanntgeben.

Kommentare (17)

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23.02.2011, 17:50 Uhr

"Die Uni Bayreuth äußert sich am Abend zur Dissertation."

Man darf gespannt sein. Wenn die Uni konsequent ist, wird sie selbst mindestens die fahrlässigen Überprüfung der Doktorarbeit eingestehen müssen.

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23.02.2011, 18:10 Uhr

Man darf gespannt sein, wen es als nächsten 'erwischt'; ich gehe davon aus, daß in den nächsten Tagen und Wochen viele Hobbyanalysten und ernsthafte Interessenten in den Veröffentlichungen anderer Personen unterwegs sein werden. Jedenfalls ist es gut, daß es passiert ist. Dies wird anderen eine Warnung sein. Egal ob er zurücktritt oder nicht - die Politiker sollten sich endlich den Problemen zuwenden.

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23.02.2011, 18:14 Uhr

Es wird für andere eine Warnung sein. Das ist das Gute an der Sache. Auf der anderen Seite bin ich gespannt, wen es als nächsten 'erwischt'; es werden sich in der nächsten Zeit viele kompetente und inkompetente Personen berufen fühlen, die Veröffentlichungen anderer Personen zu analysieren.

Aus meiner Sicht wäre es das sinnvollste, wenn die Politiker sich endlich mit den Problemen beschäftigen würden. Ein substantielles Problem ist die Doktorarbeit des Herrn zu Guttenberg für unsere Nation jedenfalls nicht und dringende Probleme haben wir allemal.

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