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05.08.2011

11:39 Uhr

VroniPlag-Gründer

Plagiate nicht aus Partei-Interesse aufgedeckt

Der Gründer der Plagiate-Plattform VroniPlag ist ein SPD-Mitglied aus Franken. Der jetzt ohne Doktortitel dastehende FDP-Politiker Chatzimarkakis spricht von parteipolitischem Interesse.

Die Uni Bonn entzog Jorgos Chatzimarkakis (FDP) nach VroniPlag-Recherchen den Doktortitel. Quelle: dapd

Die Uni Bonn entzog Jorgos Chatzimarkakis (FDP) nach VroniPlag-Recherchen den Doktortitel.

Der Gründer der Plagiate-Plattform VroniPlag hat den Vorwurf zurückgewiesen, dass er aus parteipolitischem Interesse die Doktorarbeiten von FDP-Politikern unter die Lupe genommen hat. „Das ist Unsinn“, sagte Martin Heidingsfelder der Nachrichtenagentur dpa. Zwar sei er Mitglied der SPD, aber nur als einfaches Parteimitglied, und „die Plattform ist sicherlich keine Gliederung der SPD“. Zudem gebe es auch einen SPD-Politiker, dessen Doktorarbeit von VroniPlag untersucht worden sei, sagte der Internet-Unternehmer aus Erlangen. Dabei handelt es sich um Uwe Brinkmann, Mitarbeiter des Hamburger SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs. Dieser gab nach Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe seine Promotionsurkunde freiwillig zurück.

Heidingsfelder entschloss sich am Donnerstag, aus der bisherigen Anonymität herauszutreten. Nachdem sein Klarname bereits vereinzelt genannt worden war, habe er auf diese Weise weiteren Spekulationen Einhalt gebieten wollen. Zuvor war Heidingsfelder in VroniPlag nur mit dem Pseudonym Goalgetter aufgetreten. Der FDP-Europa-Abgeordnete Georgios Chatzimarkakis, dem nach den Recherchen in VroniPlag der Doktortitel aberkannt wurde, warf Heidingsfelder in der „Bild“-Zeitung kommerzielle und parteipolitische Interessen vor. Auch die ebenfalls für die FDP dem Europaparlament angehörende Politikerin Silvana Koch-Mehrin verlor aufgrund der Untersuchungen von VroniPlag ihren Doktortitel. Zuvor hatte Heidingsfelder auch im GuttenPlag Wiki mitgearbeitet, dessen kollektive Recherchen am 1. März zum Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) geführt hat.

„Finanzielle Interessen bestanden bei mir nicht“, betonte Heidingsfelder. Er habe mehrere Projekte ehrenamtlich gemacht, auch die Arbeit in GuttenPlag und VroniPlag.

„Herr Chatzimarkakis soll sich an die eigene Nase fassen“, sagte der Gründer der Plagiate-Plattform. „Unerhört finde ich, dass er als überführter Plagiator, der den Doktortitel verloren hat, an seinem Mandat festhält, obwohl er seine Karriere auf diesem Titel aufgebaut hat.“ Das sei seine private Meinung, die sicherlich nicht alle bei VroniPlag teilten.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

05.08.2011, 12:03 Uhr

Ist doch wurscht, welcher Partei er angehört. Was ist denn schlimmer - das die Politiker (oder wer auch immer) bei ihren Doktorarbeiten betrügen (anders kann man das nicht nennen) oder das derjenige, der das aufdeckt einer anderen Partei angehört?

Ich denke - wer schon bei der Doktorarbeit betrügt, der tut das wohl bei anderen Dingen auch, oder?

Also weg mit den "Betrügern" - egal welcher Partei sie angehören. Eigentlich sollten diese Leute sofort alle Ämter abgeben müssen, sich (wie Ottonormalbürger auch) vor Gericht verantworten und die "Umkosten" tragen, die dem Steuerzahler entstanden sind.

Account gelöscht!

05.08.2011, 12:30 Uhr

Ersteres ist schlimmer: Wir stecken in Krisen, die Politiker sollen Lösungen dafür finden, nicht einen Politischen Kleinkrieg über Titel halten. Dafür werden sie bezahlt. Damit ist derjenige der seine Arbeit also nicht macht, schon mal nicht besser, als der Betrüger des Titels.
'Umkosten' gibts übrigens nicht. Was Sie meinen sind Unkosten, dieser Begriff ist allerdings selber falsch, da es eine Verneinung von Kosten darstellt.

zarakthuul

05.08.2011, 13:19 Uhr

Das Unrechtsbewusstsein unserer Politker scheint sehr gering zu sein. Die einen betrügen bei Promotionen, die anderen lassen sich mit Parteispenden für reale Politik bezahlen, die dritten verscherbeln das Volkseigentum an die EU.

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