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21.11.2016

12:05 Uhr

VW-Dieselskandal

Empörung über „Kunden-Bashing“ des VW-Chefs

VonDietmar Neuerer

VW-Chef Müller verteidigt, dass deutsche Kunden im Dieselskandal schlechter gestellt werden als amerikanische. Damit provoziert er massive Kritik. Deutschlands oberster Verbraucherschützer fordert eine Entschuldigung.

Wegen Kritik an Betroffenen des Dieselskandals unter Beschuss: VW-Chef Matthias Müller. AFP; Files; Francois Guillot

Matthias Müller.

Wegen Kritik an Betroffenen des Dieselskandals unter Beschuss: VW-Chef Matthias Müller.

BerlinMit scharfen Worten hat der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller, auf kritische Äußerungen von VW-Chef Matthias Müller zu vom Dieselskandal betroffenen Kunden in Europa reagiert. „Die von Volkswagen getäuschten Kunden haben eine Geste der Entschuldigung verdient, kein Mitleid oder sogar Verhöhnung durch den VW-Vorstand“, sagte Müller dem Handelsblatt. „Volkswagen schadet mit seinem Kunden-Bashing dem Image der gesamten deutschen Automobilindustrie.“

Der VW-Chef hatte die Schlechterstellung von im Dieselskandal betroffenen deutschen Kunden gegenüber VW-Käufern in den USA mit dem Hinweis verteidigt, dass die rechtlichen und regulatorischen Umstände hierzulande „komplett anders“ als in Amerika seien. Die Ausgangssituation sei „völlig unterschiedlich“, daher könne man das „nicht über einen Kamm scheren, sagte Müller der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Was der Zukunftspakt für die VW-Standorte bedeutet

Wolfsburg

Bis 2020 sollen am Stammsitz rund 1000 Arbeitsplätze in Zukunftsfeldern entstehen. Der nächste Golf 8 für die USA soll in Wolfsburg gefertigt werden, außerdem ein SUV für die spanische Tochter Seat. In anderen Bereichen läuft die Fertigung bis 2022 aus – unter anderem beim Lenkstangenrohr und der Räderfertigung.

Kassel

Das größte Teilewerk des Konzerns soll im VW-Konzern das Leitwerk für den Elektro-Antriebsstrang werden – samt Entwicklungsaufgaben. Zudem sollen in Nordhessen auch mehr Ersatzteile gefertigt werden.

Salzgitter

Das Motorenwerk in Salzgitter gilt als einer der Verlierer aufkommender E-Antriebe. Der Standort soll daher die Federführung bei der Entwicklung von Batteriezelltechnologien erhalten und – soweit wirtschaftlich tragbar – auch die Serienfertigung der Zellen. Die Produktion von Hauptkomponenten für E-Motoren soll sich Salzgitter mit Kassel teilen.

Emden

Ab 2019 soll Emden ein viertes Modell bekommen, um die Auslastung des Werkes an der Küste zu sichern. Im Zuge der Abgasaffäre hatte VW im März angekündigt, die Verträge von 2150 Leiharbeitern nicht zu verlängern.

Hannover

Die Gießerei und der Bereich Wärmetauscher standen auf dem Prüfstand, bleiben aber erhalten und sollen auch Komponenten für die E-Antriebe der Zukunft liefern. Zudem wird in der Gießerei der 3D-Druck von Teilen angesiedelt. In beiden Bereichen fallen jedoch Stellen weg.

Braunschweig

Das Werk bekommt die Entwicklung für Batteriesysteme in den Produktionsbaukästen des Konzerns sowie die Montage von einigen Batterien. Zudem soll die Produktion von Lenkungen ausgebaut werden. Die Kunststofffertigung wird dagegen bis 2021 eingestellt, auch Fahrwerke werden wohl Arbeit verlieren.

Zwickau

Neue Golf-Modelle sollen auch weiter in Zwickau gebaut werden, zudem soll das Werk ein Elektromodell erhalten. Dennoch wird die Zahl der Beschäftigten sinken.

„Den Kunden in Europa entsteht kein Nachteil, weder beim Verbrauch noch bei den Fahreigenschaften. Und wenn ich das anfügen darf: Auf der einen Seite kritisieren viele die amerikanische Gesetzgebung in anderen Zusammenhängen, siehe TTIP. Wenn es aber darum geht, selbst Vorteile daraus zu ziehen, scheint das amerikanische Recht auf einmal der richtige Weg zu sein.“

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Der VZBV-Chef mahnte, europäische Kunden dürften im Vergleich zu US-amerikanischen nicht Kunden zweiter Klasse sein und leer ausgehen. „Das ist eine Frage der Gerechtigkeit“, sagte Müller. „Die Garantie, dass den Kunden in Europa kein Nachteil bei Kraftstoffverbrauch und Leistung entstehe, belässt das Risiko des Wertverlustes der manipulierten VW-Fahrzeuge bei den getäuschten Kunden.“

Auch innerhalb der Bundesregierung wurde Kritik laut. „Ob bei dem Fehlverhalten des VW-Managements Kundenschelte das Richtige ist? Habe da berechtigte Zweifel“, schrieb der Parlamentarische Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, Ulrich Kelber (SPD), auf Twitter.

Der VW-Chef hatte sich auch kritisch zur Haltung deutscher Autofahrer zum Thema E-Mobilität geäußert. „Auf der einen Seite denken und handeln viele Deutsche im Alltag grün, wenn es aber um E-Mobilität geht, haben wir als Verbraucher spitze Finger. So ganz habe ich dieses paradoxe Phänomen noch nicht verstanden“, sagte Müller. Er wies zudem Vorwürfe gegen die Branche zurück: „Die Autoindustrie hat da nichts verschlafen. Am Angebot mangelt es nicht, sondern an der Nachfrage.“

Müller zeigte sich aber zuversichtlich, dass schon in wenigen Jahren deutlich mehr Elektroautos gekauft werden. „Die Preise werden sinken, die Reichweite steigt, die Ladezeit wird kürzer - all die Punkte, die den Erfolg der E-Mobilität bisher behindert haben.

Kommentare (10)

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Herr Peter Insam

21.11.2016, 12:32 Uhr

Die Äußerungen bestätigen einmal mehr die unglaubliche Arroganz des Managements. Der Kunde in Deutschland subventioniert die Nachlässe und niedrigeren Fahrzeugpreise von Anfang an, indem er für die offensichtlich überteuerten Produkte viel mehr zahlt. Zum Dank dafür wird er bei möglichen Erstattungen nicht gleichgestellt, sondern massiv benachteiligt. Übrigens zeigt sich dies auch bei Kulanzanträgen. Zahlreiche Fehltritte, für die das Management sich selbst mit üppigen Boni belohnt, im Gegenzug aber dann bei den kleinen Mitarbeitern spart (siehe Mitteilung zur Arbeitsplatzkürzung). Mich wundert nur, wie viele trotz des kundenfeindlichen Verhaltens weiterhin diese Produkte kaufen. Dummheit oder Oberflächlichkeit? Wenn man nicht durch Kaufverweigerung dem arroganten Haufen Paroli bietet, muss man nicht jammern. Für mich jedenfalls sind Automobile aus dem gesamten VW-Konzern gestorben.

Herr Herbert Maier

21.11.2016, 14:07 Uhr

Kein Problem für mich: Mein jetziger VW Diesel 2.0 war der letzte Volkswagen für mich, ganz einfach. Eine solch arrogante Attitüde habe ich als langjähriger Volkswagen Kunde nämlich nicht nötig, aber zum Glück ist man ja noch frei darin zu entscheiden, was für einen PKW man kauft. Das technische Gewurstel des VW-Konzerns ist ja eine Sache, die man notfalls noch tolerieren könnte. Aber wenn solch ein Verhalten des Top-Managements dazu kommt, ist die Freude an der Marke dann doch vorbei.

Herr Josef Schmidt

21.11.2016, 14:08 Uhr

Herrlich. Mal wieder good news aus dem "Vorsprung durch Schummeln" Konzern.

Welche Idioten kaufen sich noch Autos aus diesem Konzern ? Dummheit wird nun mal bestraft.

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