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26.09.2015

04:50 Uhr

VW-Krise

FDP fordert stärkere Haftung der Manager

VonDietmar Neuerer

Unter Martin Winterkorn erklomm der VW-Konzern neue Höhen und schlitterte dann in eine der tiefsten Krisen der Unternehmensgeschichte. Wer soll dafür grade stehen? Die FDP fordert härtere Haftungsregeln.

Insgesamt hat VW für Winterkorns Altersbezüge gut 28,5 Millionen Euro reserviert. dapd

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn.

Insgesamt hat VW für Winterkorns Altersbezüge gut 28,5 Millionen Euro reserviert.

BerlinDie FDP fordert als Konsequenz aus der VW-Krise, die Bestimmungen für die Haftung von Managern deutlich zu verschärfen. „Es kann nicht richtig sein, dass Manager Höchstgehälter kassieren, weil sie angeblich so viel Verantwortung für ein Unternehmen tragen, im Krisenfall dann aber nicht zur Verantwortung gezogen werden“, sagte Volker Wissing, Mitglied im FDP-Präsidium, dem Handelsblatt.

„Wir brauchen eine stärkere Haftung der Manager“, regte der Vorsitzende der Liberalen in Rheinland-Pfalz an. „Wer hohe Gehälter kassieren will, muss auch Verantwortung übernehmen und das heißt eben auch für den entstandenen Schaden geradestehen.“

Im Fall des Ex-VW-Chefs Martin Winterkorn sei daher nicht das Problem, dass eine mögliche Abfindung für den Konzern steuerlich abzugsfähig wäre, sondern vielmehr die Tatsache, dass viele Firmen die Gehälter nicht an Verantwortung koppelten, so Wissing.

Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

Die Vorgaben in Deutschland

Neue Modelle werden in Deutschland und der EU nach dem Modifizierten Neuen Fahrzyklus (MNEFZ) getestet. Die Tests laufen unter Laborbedingungen, das heißt auf einem Prüfstand mit Rollen. Dies soll die Ergebnisse vergleichbar machen. Der Test dauert etwa 20 Minuten und simuliert verschiedene Fahrsituationen wie Kaltstart, Beschleunigung oder Autobahn-Geschwindigkeiten.

Wer testet?

Getestet wird von Organisationen wie dem TÜV oder der DEKRA unter Beteiligung des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Dieses untersteht wiederum dem Verkehrsministerium.

Kritik an Prüfung

Die Prüfungen der neuen Modelle werden von ADAC und Umweltverbänden seit längerem als unrealistisch kritisiert. So kann etwa die Batterie beim Test entladen werden und muss nicht - mit entsprechendem Sprit-Verbrauch - wieder auf alten Stand gebracht werden. Der Reifendruck kann erhöht und die Spureinstellungen der Räder verändert werden. Vermutet wird, dass etwa der Spritverbrauch im Alltag so häufig um rund ein Fünftel höher ist als im Test.

Weitere Prüfungen

Neben den Tests für neue Modelle gibt es laut ADAC zwei weitere Prüfvorgänge, die allerdings weitgehend in der Hand der Unternehmen selbst sind. So werde nach einigen Jahren der Test bei den Modellen wiederholt, um zu sehen, ob die Fahrzeuge noch so montiert werden, dass sie den bisherigen Angaben entsprechen, sagte ADAC-Experte Axel Knöfel. Zudem machten die Unternehmen auch Prüfungen von Gebrauchtwagen, sogenannte In-Use-Compliance. Die Tests liefen wieder unter den genannten Laborbedingungen. Die Ergebnisse würdem dann dem KBA mitgeteilt. Zur Kontrolle hatte dies der ADAC bei Autos bis 2012 auch selbst noch im Auftrag des Umweltbundesamtes gemacht, bis das Projekt eingestellt wurde. In Europa würden lediglich in Schweden von staatlicher Seite noch Gebrauchtwagen geprüft, sagte Knöfel.

Geplante neue Prüfmethode

Die EU hat auf die Kritik am bisherigen Verfahren reagiert und will ab 2017 ein neues, realistischeres Prüfszenario etablieren. Damit sollen auch wirklicher Verbrauch und Schadstoffausstoß gemessen werden ("Real Driving Emissions" - RDE). Strittig ist, inwiefern dafür die bisherigen Abgas-Höchstwerte angehoben werden, die sich noch auf den Rollen-Prüfstand beziehen.

Wegen einer möglichen Abfindung für Winterkorn regte sich Unmut in der CDU und bei den Grünen. „Eine Millionenabfindung für Winterkorn wäre ein Schlag ins Gesicht aller Arbeitnehmer, die sich ehrlich und engagiert in ihre Firma einbringen“, sagte der Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, dem Handelsblatt. „Bevor der Aufsichtsrat über eine Abfindung entscheidet, sollte er erstmal die Untersuchung der Vorwürfe wegen der Abgasmanipulationen abwarten.“

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28 Millionen Euro Pensionsvorsorge hat VW für den zurückgetretenen Konzernchef Martin Winterkorn getroffen. Vergütungsexperte Michael Kramarsch über die Auszahlungen, Boni und einen „Golden Handshake“.

Der CDU-Politiker sprach von einem „moralischen Totalschaden“, der im Interesse der deutschen Wirtschaft und ihrer Arbeitnehmer „ohne falsche Rücksichtnahmen“ aufgearbeitet werden müsse. „Ein goldener Handschlag wäre ein falsches Signal für die Unternehmenskultur in Deutschland.“ Bäumler mahnte in diesem Zusammenhang auch bei den Pensionsansprüchen Winterkorns Zurückhaltung an, „solange ein Regress gegen den ehemaligen VW-Vorstandsvorsitzenden in Betracht käme“.

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