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07.06.2011

13:49 Uhr

"Wäre sinnvoll"

Koalition befürwortet Einstieg von Gazprom bei Eon

VonThomas Sigmund

ExklusivDie Russen kommen - und die Politik ist dafür. Der angedachte Einstieg von Gazprom bei Eon wäre "sinnvoll", sagen Koalitionsmitglieder. Dabei galt gerade im Energiesektor bisher größte Vorsicht. VON THOMAS SIGMUND.

Dicke Rohre von Eon Ruhrgas: Kooperation mit Gazprom wäre "sinnvoll". Quelle: ap

Dicke Rohre von Eon Ruhrgas: Kooperation mit Gazprom wäre "sinnvoll".

BerlinFührende Wirtschaftspolitiker von Union und FDP halten einen Einstieg von Gazprom bei Eon für energiepolitisch sinnvoll. "Ohne Atomkraft ist Deutschland künftig an Gaslieferungen aus Russland noch mehr interessiert als früher", sagte Martin Lindner, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, dem Handelsblatt.

Ein Einstieg von Gazprom bei Eon oder deren Gastochter Ruhrgas würde diese wichtige deutsch-russische Kooperation stabilisieren und der gesamten deutschen Wirtschaft bezahlbare Strompreise sichern. "Die Grenzen einer Übernahme durch Gazprom werden allerdings dort sein, wo der größte deutsche Energieversorger seine Selbstständigkeit verlieren könnte", sagte Lindner.

Gazprom-Chef Alexej Miller hatte sich zuvor an Aktivitäten von Eon interessiert gezeigt, von denen sich der Energiekonzern trennen will. Vor allem würde er einen Einstieg bei der Gashandelstochter Ruhrgas prüfen, sagte Miller. Allerdings gibt es nach Millers Worten derzeit noch keine entsprechenden Offerten.
Ähnlich positiv wie Lindner äußerte sich auch Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion: "Ablehnende Reflexe gegen einen Einstieg von Gazprom bei Eon sind unsinnig", sagte Pfeiffer dem Handelsblatt.

Gazprom betreibe seit Jahren mit BASF erfolgreich das Joint Venture Wingas. "Sollte Gazprom in den Energiesektor größer einsteigen, könnte sich das auch für die deutsche Wirtschaft lohnen. Mit dem beschleunigten Ausstieg aus der Kernkraft kann und wird Gas eine viel größere Rolle zur Sicherung einer stabilen Versorgungssicherheit für die deutsche Wirtschaft haben", sagte Pfeiffer.

Im Bundeswirtschaftsministerium verwies man auf die Rechtslage einer milliardenschweren Übernahme von Eon-Teilen durch Gazprom. "Sollten sich die Absichten von Gazprom konkretisieren, würde das Bundeskartellamt und das Ministerium die wettbewerbsrechtliche Seite sehr genau prüfen", hieß es im Haus von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

Ein Einstieg Gazproms bei Eon Ruhrgas würde auf kartellrechtliche Bedenken stoßen. „Uns liegt bislang keine Anmeldung vor“, sagte ein Sprecher des Bundeskartellamts am Dienstag. „Wenn sich mit Gazprom ein großer Produzent erstmals an Ruhrgas beteiligen würde, stellen sich wettbewerbsrechtliche Aspekte, die einer genauen Prüfung bedürfen“, fügte er hinzu. Gazprom-Chef Alexej Miller hatte Spekulationen über einen Einstieg bei der größten deutschen Ferngasgesellschaft genährt. Ruhrgas äußert sich dazu nicht.

Auf Bedenken beim Kartellamt könnte die Tatsache stoßen, dass Gazprom in Deutschland bereits mit dem Chemiekonzern BASF die Gashandelstochter Wingas betreibt, einen der größten Konkurrenten von Ruhrgas. Zudem würden die Russen als einer der wichtigsten Gaslieferanten Deutschlands Zugriff auf dessen weitverzweigtes Pipelinenetz bekommen. Die EU-Komission macht sich seit Jahren für eine Entflechtung von Produzenten und Netzbetreibern stark.

Eon selbst hatte im vergangenen Jahr seine restliche Beteiligung an Gazprom versilbert. Den Konzern drücken Schulden von über 35 Milliarden Euro. Vorstandschef Johannes Teyssen hatte im vergangenen Jahr angekündigt, bis Ende 2013 Beteiligungen im Wert von 15 Milliarden Euro abzustoßen. Einen Großteil davon hat er bereits verkauft. Am Markt wird seit geraumer Zeit spekuliert, dass Eon einen Partner für die schwächelnde Tochter Ruhrgas ins Boot holen könnte. Eon hat für das Gashandelsgeschäft in diesem Jahr einen Verlust von einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt.

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