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07.12.2013

17:17 Uhr

Wahl auf Bundesparteitag

Lindner ist neuer FDP-Chef

Christian Lindner ist neuer Bundesvorsitzender der FDP. Der Nachfolger von Philipp Rösler erhielt am Samstag bei einem Sonderparteitag in Berlin einen hohen Anteil der Stimmen. Auch sein Vize steht nun fest.

Christian Lindner will die FDP in eine neue Zukunft führen. Reuters

Christian Lindner will die FDP in eine neue Zukunft führen.

BerlinVon den Delegierten erhielt der 34-jährige bisherige Parteivize 79,04 Prozent der Stimmen. Er setzte sich bei der Wahl auf dem Bundesparteitag in Berlin gegen zwei weitgehend unbekannte Kandidaten durch. In seiner Bewerbungsrede hatte Linder als Ziel ausgegeben, die FDP bei der nächsten Wahl 2017 zurück in den Bundestag zu führen.

Lindner hatte zuvor seine Partei aufgerufen, das Scheitern bei der Bundestagswahl abzuhaken und zu kämpfen. „Die Zeit der Trauerarbeit ist zu Ende“, sagte Lindner in seiner Bewerbungsrede. "Ab heute bauen wir vom Fundament auf neu auf." Alte Rechnungen, taktische Stellungsdebatten und Eitelkeiten – „sie bedeuten nichts mehr angesichts der Größe der Herausforderungen, vor der wir stehen." Ab sofort müsse gelten: "Greift der politische Gegner einen von uns an, dann bekommt er es mit der gesamten FDP zu tun."

Chronologie der FDP im Bundestag

1949

Die FDP erzielt bei der Bundestagswahl 11,9 Prozent und verhilft Konrad Adenauer (CDU) zur ersten Kanzlerschaft.

1953

Die Partei rutscht auf 9,5 Prozent ab und regiert weiterhin als stärkster Partner der Union unter Adenauer.

1957

Die Liberalen gehen mit 7,7 Prozent in die Opposition.

1961

Die FDP legt auf 12,8 Prozent zu und bildet mit der Union die erste rein schwarz-gelbe Koalition, zunächst unter Adenauer, ab 1963 unter Ludwig Erhard.

1965

9,5 Prozent reichen zur Fortsetzung des Bündnisses unter Erhard. Ein Jahr später scheidet die FDP aus der Regierung aus, als Union und SPD die erste große Koalition eingehen.

1969

Mit schwachen 5,8 Prozent ermöglicht die FDP die erste sozial-liberale Koalition unter SPD-Kanzler Willy Brandt. Walter Scheel (FDP) wird Vizekanzler.

1972

8,4 Prozent; das rot-gelbe Bündnis regiert weiter.

1976

7,9 Prozent trägt die FDP zur sozial-liberalen Regierung unter Helmut Schmidt bei. Starker Mann der FDP ist Hans-Dietrich Genscher.

1980

10,6 Prozent für Genschers Partei; Rot-Gelb bleibt – noch.

1982

Bruch der Koalition mit der SPD und Wechsel in ein Regierungsbündnis mit der Union unter Kanzler Helmut Kohl (CDU).

1983

Bei der vorgezogenen Wahl fällt die FDP auf 7,0 Prozent. Doch es reicht für die Fortsetzung des gerade erst gebildeten christlich-liberalen Bündnisses. Es hält 16 Jahre.

1987

Die FDP steigert sich auf 9,1 Prozent, das Bündnis bleibt.

1990

FDP-Außenminister Genscher gilt als einer der Väter der Wiedervereinigung. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl stimmen 11,0 Prozent für die Liberalen.

1994

Die FDP sinkt auf 6,9 Prozent – die letzte Phase von Schwarz-Gelb beginnt.

1998

6,2 Prozent – die FDP muss wie die Union für elf Jahre in die Opposition. Das erste rot-grüne Bündnis startet unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

2002

7,4 Prozent reichen nicht für den erhofften Machtwechsel.

2005

9,8 Prozent sind wieder zu wenig: Die Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) koaliert mit der SPD.

2009

Ein 14,6-Prozent-Rekord sichert den Liberalen fünf Ministerämter in einer schwarz-gelben Regierung unter Merkel.

2013

Die FDP stürzt unter Parteichef Philipp Rösler auf 4,8 Prozent und gehört erstmals dem Bundestag nicht mehr an.

Der weite Weg zurück in den Bundestag werde von Widerständen, Rückschlägen und Enttäuschungen gesäumt sein: „Deshalb kann keiner diesen Weg allein gehen.“ Der Umgang der Basis mit der Niederlage zeige aber, dass die FDP noch Stärke und Selbstachtung besitze. Unter seiner Führung werde es keine Spaltung und keinen Rechtsruck geben. Er warnte seine Partei dringend vor einer Abkehr von proeuropäischen Positionen, wie sie von einem Teil der Partei diskutiert wird.

Die Partei dürfe nicht der „nationalökonomischen Bauernfängertruppe“ von der AfD nacheifern. „Wir wären verrückt, wir würden unsere Seele verlieren“, sagte Lindner. Für die außerparlamentarische Arbeit bis 2017 gab er die Parole aus: „Apo ist Machete und Florett, Stammtisch und Talkshow, Straße und Feuilleton.“

Lindner definierte die FDP als Partei der Marktwirtschaft, der Leistungsgerechtigkeit, der Bürgerrechte und der europapolitischen Vernunft. "Die FDP muss nicht fürchten, bekämpft zu werden, für was wir stehen", sagte Lindner. "Die FDP muss nur fürchten, für nichts zu stehen." Linders Bewerbungsrede wurde von den Delegierten mit stehenden Ovationen bedacht.

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