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15.09.2011

10:30 Uhr

Wahl-Countdown in Berlin

Der letzte Strohhalm für die FDP

VonDietmar Neuerer

Wahlkampf als Überlebenskampf, das ist Alltag für die Berliner FDP. Ihre Kampagne lief bisher ins Leere, jetzt schwingen die Liberalen die Euro-Keule. Auch andere Parteien greifen nach letzten Strohhalmen.

Der Spitzenkandidat der Berliner FDP, Christoph Meyer (li.), und der FDP-Generalsekreataer Christian Lindner. dapd

Der Spitzenkandidat der Berliner FDP, Christoph Meyer (li.), und der FDP-Generalsekreataer Christian Lindner.

BerlinAuf den letzten Metern des Berliner Wahlkampfs, geht es für manche Parteien nur noch ums blanke Überleben. Drei Tage haben sie noch Zeit, um Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Die einen, wie die Berliner FDP, wollen das Schlimmste verhindern und nicht unter die Fünf-Prozent-Hürde rutschen, andere, wie die Linkspartei, wollen an der Regierung bleiben. Beides wackelt, beides ist nicht sicher. Entsprechend bringen sich die Wahlkämpfer neu in Stellung.

Die Hauptstadt-FDP geht sogar soweit, dass sie landespolitische Themen in den Hintergrund rückt und auf den Euro-Zug der Bundespartei aufspringt. Spitzkandidat Christoph Meyer setzt dabei voll auf Populismus. „Wir wollen nicht, dass die Berliner die Zeche für die Schulden anderer zahlen“, zitiert ihn der „Tagesspiegel“. Die Marschrichtung für den Wahlkampfendspurt ist damit klar: Die Berlin-Wahl ist für die FDP auch eine Euro-Wahl.

Und Meyer hat dabei wohl auch die Stammtische im Visier. Eigene, ehemalige Anhänger zu mobilisieren ist ihm in den letzten Wochen nicht gelungen. Die Wahl-Kampagne kam zu holprig, zu kompliziert daher. So heißt es auf einem Plakat in Anspielung auf die immense Verschuldung Berlins: „Wenn er damit fertig ist, hat er gar keine Haare mehr: Christoph Meyer gegen 63 Milliarden Haushaltsschulden“ oder, auf einem anderen: „Ist die FDP eine Arbeiterpartei oder die Partei der Besserverdiener? Wir möchten, dass man mit Arbeit besser verdient als ohne.“ Bei den Bürgern kam das nicht andern. „Den Plakaten fehlt der Witz, das kann man sich alles nicht merken“, sagt ein Passant im Business-Outfit. Ihm gefielen die Plakate der Piratenpartei besser, auch wenn das nicht seine Partei sei.

Vielleicht ist diese Botschaft inzwischen auch bei der FDP angekommen. Dafür spricht jedenfalls die komplette inhaltliche Kehrtwende Meyers. Aus dem Landespolitiker ist plötzlich ein Bundespolitiker geworden, der die Euro-Keule schwingt und die Wahl am Sonntag zur „Abstimmung über die Haltung der FDP zum künftigen Umgang mit der europäischen Verschuldungskrise“ machen will. Und der unverhohlen gegen die Bundesregierung wettert: „Angela Merkel und Wolfgang Schäuble haben es in den letzten 18 Monaten nicht vermocht, eine klare Strategie und Grenzlinie zur Bewältigung der europäischen Verschuldungskrise zu finden – geschweige denn es der Koalition oder der Bevölkerung zu erklären.“ Ob diese Art der Profilierung beim Wähler verfängt?

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