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18.03.2012

17:26 Uhr

Wahl in Berlin

Joachim Gauck ist neuer Bundespräsident

Joachim Gauck ist der 11. Bundespräsident Deutschlands. Mit überwältigender Mehrheit wurde er von den Delegierten der Bundesversammlung im ersten Wahlgang in das höchste Staatsamt gewählt.

Der neu gewählte Bundespräsident, Joachim Gauck. dpa

Der neu gewählte Bundespräsident, Joachim Gauck.

BerlinDie Erwartungen sind nach zwei gescheiterten Präsidentschaften gewaltig: Als erster Ostdeutscher ist der frühere DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck zum neuen Staatsoberhaupt gewählt worden. Die Bundesversammlung in Berlin kürte den 72-Jährigen am Sonntag mit großer Mehrheit zum Nachfolger des im Februar zurückgetretenen Christian Wulff. 

Gauck erhielt 991 von 1228 gültigen Stimmen, das entspricht einer Zustimmung von gut 80 Prozent. Jedoch verweigerten ihm mindestens 103 Delegierte aus dem eigenen Lager - CDU, CSU, SPD, FDP und Grüne - ihre Unterstützung. Für Gaucks Gegenkandidatin Beate Klarsfeld votierten 126 Delegierte. Damit erhielt die als Nazi-Jägerin bekanntgewordene 73-Jährige mindestens drei Stimmen von Vertretern anderer Parteien - die sie unterstützende Linkspartei stellte nur 123 Delegierte. Insgesamt 108 Delegierte enthielten sich.

In einer kurzen Rede nach der Annahme seiner Wahl versicherte Gauck: „Ich werde mit all meinen Kräften und meinem Herzen „Ja“ sagen zu der Verantwortung, die Sie mir heute gegeben haben.“ Gleichzeitig räumte er ein, „ganz sicher nicht alle Erwartungen erfüllen zu können“, die in den kommenden fünf Jahren an ihn gerichtet würden. Er wolle sich nun auf neue Themen, Probleme und Personen einstellen. 

Das Leben des Joachim Gauck

Neuer Alltag

Joachim Gauck ist auf Empfängen, Eröffnungen und Benefizveranstaltungen ein gern gesehener Gast. Ein schnöder Alltag? Nein, denn der Bundespräsident interpretiert seine Rolle offensiv. Seine Äußerungen zum Islam, Deutschlands Rolle in der Welt und zur Linkspartei haben hitzige Debatten entfacht.

Neue Wohnung

Das Staatsoberhaupt Deutschlands wohnt in der Präsidentenvilla in Berlin-Dahlem. Im Schloss Bellevue gibt es keine Wohnung mehr. Dort ist nur der offizielle Amtssitz des Präsidenten. Zuvor lebte Gauck viele Jahre in einer Altbauwohnung in Berlin-Schöneberg.

Neuer Beruf für die Lebensgefährtin

Daniela Schadt arbeitet seit Gaucks Ernennung zum Bundespräsidenten nicht mehr. Die 52-Jährige war zuvor als Journalistin tätig und lebte in Nürnberg. Dort war sie Leitende Politikredakteurin bei der „Nürnberger Zeitung“. Als First Lady ist sie oft an Gaucks Seite zu sehen.

Scheidung und Heirat?

Dazu müsste sich Gauck erst einmal von seiner Frau Gerhild scheiden lassen, mit der er seit 1959 verheiratet ist und vier Kinder hat. Seit 1991 leben beide getrennt, seit dem Jahr 2000 ist Gauck mit Daniela Schadt zusammen. „Er macht sich Gedanken über eine Hochzeit, aber er hat wohl noch keine Entscheidung gefällt“, sagte sein Sohn Christian kürzlich der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Hierzulande dürfte seine Art des Zusammenlebens heute nun wirklich kein Problem mehr sein, aber als Präsident kommt er auch in Länder, in denen andere moralische Maßstäbe gelten.“

Wichtigster Mitarbeiter

David Gill ist Staatssekretär und Chef des Präsidialamtes. Damit ist er der wichtigste Mitarbeiter des Präsidenten. Der bisherige Oberkirchenrat im Dienst der Evangelischen Kirche ist seit seiner Zeit als erster Sprecher der Stasi-Unterlagenbehörde ein enger Vertrauter Gaucks. Gill ist SPD-Mitglied.

Neuer Bürgerpräsident

Mit dem Pastor ist ein neuer Stil im Schloss Bellevue eingezogen. Auch wenn das Korsett für das Staatsoberhaupt eng is, spiel Gauck seine Karte als „Bürgerpräsident“ aus. „Ich bin nicht mal gewaschen“, sagte der 72-Jährige, als er am Abend seiner überraschenden Nominierung mit der Kanzlerin vor die Kameras trat. Seinem Sohn Christian war das peinlich. „Aber so ist er, ungeschminkt, ungefiltert“, sagte der Hamburger Arzt der „FAS“.

Als Bundestagspräsident Norbert Lammert das Wahlergebnis verkündete, brandete Beifall in der Bundesversammlung auf. Gauck erhob sich unmittelbar von seinem Platz und nahm die Wahl an. „Was für ein schöner Sonntag!“, sagte er. Damit ist Gauck bereits offiziell als Staatsoberhaupt im Amt. An diesem Montagvormittag nimmt er die Amtsgeschäfte auf. Die Vereidigung des elften Präsidenten vor Bundestag und Bundesrat ist für Freitag vorgesehen.

Kommentare (10)

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Lutz

18.03.2012, 15:27 Uhr

Kandidat von Springers Gnaden.

Ich bin mal gespannt wie lange es dauert bis Gauck wieder damit anfängt, dass die Armen und Schwachen mehr "Verantwortung" übernehmen müssen.

0815

18.03.2012, 15:45 Uhr

Wie so oft in der deutschen Politik hat wieder einmal der "beste" Schauspieler gewonnen. Die Pfründe wurden wieder einmal unter den "Obrigen" verteilt. Ich wünsche Herrn Gauck(el), das in seiner Vergangenheit genauso akribisch gewühlt wird, wie bei Herrn Wulf. Da ist bestimmt was zu finden. Helft dem Land sich selbst zu reinigen, unsere Politiker interessieren sich ja nicht dafür. Warum auch bei dem Gehalt!

Account gelöscht!

18.03.2012, 15:46 Uhr

Meine Guete - Gauck ist neuer Bundespraesident. Haette ich nie gedacht ;-) Die ganze Aktion ein reines Affentheater. Dabei bin ich nicht gegen Gauck sondern gegen diesen Posten. Wulff fuehrt klar vor Augen, dass man damit viel Geld mit keiner Leistung erhalten kann.

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