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19.03.2012

08:30 Uhr

Wahl in NRW

„Muttis Klügster“ taktiert bis zum Schluss

VonDaniel Delhaes

ExklusivNorbert Röttgen hat offenbar erkannt, dass er nicht CDU-Spitzenkandidat in NRW und Bundesumweltminister sein kann. Er will aber auch nicht als Getriebener erscheinen - und legt sich eine ganz besondere Taktik zurecht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesumweltminister Norbert Roettgen am Rande der Bundesversammlung. dapd

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesumweltminister Norbert Roettgen am Rande der Bundesversammlung.

Nach Informationen des Handelsblatts hat sich Bundesumweltminister Norbert Röttgen nun doch entschieden, ganz in die NRW-Landespolitik zu wechseln. Allerdings wolle er sich darauf erst zum Ende des Wahlkampfs festlegen.„Dann kann er noch einige Prozentpunkte zulegen“, heißt es in seinem Umfeld. Röttgen dürfe dem Druck nicht nachgeben, weil er sonst wie ein Getriebener wirke. Es sei richtig zu warten. „Wir lassen uns nicht unter Druck setzen“, sagte Generalsekretär Oliver Wittke.

Allerdings hält die Debatte über Röttgens Zögerlichkeit an. So berichtete die „Bild“-Zeitung am Montag, Röttgen habe Vertrauten gesagt, er bleibe im Falle einer Wahlniederlage Umweltminister. Das fehlende Bekenntnis für die Landespolitik wurde Röttgen am Wochenende auch unter Wohlgesonnenen in der Partei als Fehler ausgelegt. Die SPD in Düsseldorf schlachtet dies bereits genüsslich aus. „Halbherzig in den NRW-Wahlkampf einsteigen, ohne die Rückfahrkarte nach Berlin abzugeben – das wird nicht klappen“, freute sich SPD-Generalsekretär Michael Groschek.

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Und auch in der Union wächst der Druck. Am Montagmorgen kündigte der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Peter Altmaier, eine rasche Entscheidung über Röttgens künftige Rolle in der nordrhein-westfälischen Landespolitik an. „Ich bin fest überzeugt, dass wir die offenen Fragen, die es gibt, innerhalb der Union diskutieren und klären werden“, sagte Altmaier im Bayerischen Rundfunk. Noch am Montag oder Dienstag wolle sich der Landesvorstand der NRW-CDU mit dem Thema beschäftigen, sagte Altmaier.

Röttgens Dilemma: er will bundespolitisch Einfluss behalten, was als Oppositionsführer nicht möglich ist. „Muttis Klügster“, wie er despektierlich genannt wird, wolle insgeheim Kanzler werden, heißt es. Andererseits kann er nur Ministerpräsident werden, wenn er sich zu dem Land bekennt.

Je länger Röttgen zögert, desto weniger Zeit hat Merkel, einen Nachfolger zu finden, der die stockende Energiewende umsetzt. Infrage käme Tanja Gönner, zuletzt Umweltministerin in Baden-Württemberg. Allerdings wäre damit der Regionalproporz im Kabinett verletzt. Genannt wird auch Ursula Heinen-Esser, Staatssekretärin im Umweltministerium und stellvertretende Landesvorsitzende der CDU in NRW.

Öffentlich hält sich Röttgen selbst weiter bedeckt. Auch eine Koalitionsaussage will er nicht treffen. Intern wird davon ausgegangen, ein Bündnis mit den Grünen anzustreben. Allerdings erfährt auch der natürliche Koalitionspartner, die FDP, wieder Aufwind. In einer Umfrage des Emnid-Instituts erreichen die Liberalen erstmals seit November wieder vier Prozent.

Der FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner, ehemals Generalsekretär der Liberalen, hält es wie Röttgen: Es will sich nicht festlegen, ob er in die Landespolitik wechselt und auch nicht sagen, mit wem er koalieren würde – wenn es die FDP in den Landtag schaffen sollte.

Mit Material von dapd

Kommentare (16)

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derPreis

19.03.2012, 08:56 Uhr

Röttgen und Lindner agieren völlig richtig!
Warum vorzeitig auf ein totes Pferd setzen wenn er die NRW Wahl ohnehin verloren glaubt? Bei Lindner ist es klar. Kommt die FDP wieder in den Landtag kann er sich immer noch entscheiden. Aber Röttgen? Er konnte den Grünen für den Fall einer Koalition und Wahl zum Ministerpräsidenten in NRW damit ködern, mit einer letzten Amtshandlung als Umweltminister das Verbot aller Braunkohlekraftwerke (Kohleausstieg) in Deutschland zu verfügen. Das dürfte es ihm wert sein!

steuer_michel

19.03.2012, 08:56 Uhr

ich freue mich, dass ich in seinem Wahlbezirk Rhein-Sieg Kreis lebe.
Er soll nur mal vorbeikommen.
Die Trillerpfeife liegt bereit und mein Kreuz bekommt keiner der "Blockparteien"!
Er soll aufhören von Schulden in NRW zu sprechen. Er hat alle Rettungsschirme abgenickt und hat sich in seinem Wahlkreis nicht blicken lassen und keine Stellung hier bezogen!

Keine Stimmen diesen etablierten Parteien geben!
Es muss ein Zeichen gesetzt werden!

Torsten_Steinberg

19.03.2012, 08:57 Uhr

Es ist die CDU, die sich um Kopf und Kragen taktiert, nicht Norbert Röttgen. Gehen wir von dem recht wahrscheinlichen Fall aus, dass er nicht genügend Stimmen im NRW-Wahlkampf auf sich vereinen wird, um den Regierungspräsidenten zu stellen, führt die Taktik der selbsternannten Strategen der Koalition dazu, dass Röttgen Oppositionsführer in NRW wird und als Umweltminister im Bund keine Rolle mehr spielen wird. Das heißt, NRW wird nach wie vor von Rot-Grün regiert, und gleichzeitig fehlt in der dann vermutlich noch stärker vom FDP-geführten Wirtschaftsministerium dominierten Umweltpolitik in Bezug auf die "Energiewende" eine überzeugende und wählbare Strategie für die nächste Bundestagswahl im kommenden Jahr. Selbst ein Herr Röttgen lässt eine solche Strategie kaum mehr erkennen, doch Nachfolger, die gegen eine FDP der Konzerne größeres Durchsetzungsvermögen erwarten lassen, sind nicht in Sicht. SPD und Grüne haben allen Anlass, sich angesichts dieser Selbstdemontage erwartungsvoll die Hände zu reiben.

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