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14.05.2012

07:50 Uhr

Wahl-TV-Abend

Chili, Currywurst und K-Fragen

VonChristian Bartels

Welche Rolle haben Currywürste für den Wahlsieg von Hannelore Kraft gespielt? Und was haben Sigmar Gabriel von der SPD und Ursula von der Leyen von der CDU gemeinsam? Die TV-Kritik eines dramatischen Wahlabends.

SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen während eines TV-Interviews zum Wahlausgang. Reuters

SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen während eines TV-Interviews zum Wahlausgang.

„Verdanken Sie Ihren Wahlsieg auch der Currywurst?“, fragte Tom Buhrow in einem Kurzinterview einer Kurzausgabe der „Tagesthemen“ vor Günther Jauchs Talkshow gestern Abend Hannelore Kraft. Die alte und neue nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin parierte die Anspielung auf das bekannteste Wahlplakat der SPD so souverän wie sie auch ihren clevereren Wahlkampfspruch „Wir haben versprochen und wir haben gehalten“ noch mal anbrachte. Auch die K-Frage, die ihr im Laufe des Abends jeder Interviewer gestellt hatte, also ob sie denn nun Kanzlerkandidatin der SPD würde, beantwortete Kraft so routiniert wie zuvor. Natürlich beging sie nicht den Fehler des Herausforderers Norbert Röttgen, Zweifel an ihrem Verbleib in der Landeshauptstadt Düsseldorf zu wecken.

Im Anschluss wurde der Wahlabend bei Günther Jauch noch weniger aufregender. An einem seiner mal wieder weniger inspirierten Tage hielt der Moderator zunächst merkwürdig ausgiebig die „Bild am Sonntag“ in die Kamera. Anhand von Fragebögen, die Kraft und Röttgen ausgefüllt hatten, wollte er äußerst allgemein die Rolle von Emotionen in modernen Wahlkämpfen bereden. Seine vier allesamt niedersächsischen Gäste wollten das nicht so recht. Jürgen Trittin (Grüne) und Ursula von der Leyen (CDU) stritten hingebungsvoll darüber, ob die schwarz-gelbe Bundesregierungskoalition elf Landtagswahlen verloren oder doch nicht ganz verloren habe.

Philipp Rösler (FDP) wies nicht bloß einmal darauf hin, dass die NRW-FDP den Anstoß für die Neuwahlen gegeben hat, als sie bei zwei Prozent Umfragewerten lag, Sigmar Gabriel (SPD) bildete entspannt lange Sätze zu diversen Themen. Als die Runde sich aufs Thema der europäischen Schuldenkrise und die Frage verlegte, ob die Finanzmärkte besteuert werden sollten, von der man in Talkshows schon länger nichts mehr gehört hatte, schien das Moderator Jauch nicht recht zu sein. Er hat kommenden Sonntag Thilo Sarrazin und Peer Steinbrück in einer Euro-Sendung zu Gast, verkündete er am Abend, und wollte sich das Thema vielleicht aufsparen. 

Tatsächlich war es bei der TV-Berichterstattung zur NRW-Wahl ratzfatz zugegangen: Noch vor der ersten Hochrechnung, gegen 18.10 Uhr, war CDU-Mann Röttgen vom Landesvorsitz zurückgetreten. Schon um 18.30 Uhr steckte man in ARD und ZDF in alles erklären sollenden Detailfragen. Wie alt waren die CDU-Wähler, welchen Kanzlerkandidaten würden nordrhein-westfälische SPD-Wähler bevorzugen: Jörg Schönenborn (ARD) hatte eine Fülle solcher Fragen stellen lassen. Im ZDF diagnostizierte der frühere "Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort derweil einen "Linksruck". Der aktuelle "Spiegel"-Chefredakteur Georg Mascolo widersprach insofern, als dass die Piraten erst noch herausfinden müssen, ob sie wirklich links sind. 

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Die ARD-Interviews in Düsseldorf führte Frank Plasberg und genoss es, seine „hart aber fair“-Attitüde mal wieder politisch mit Leben füllen zu dürfen. Zum Wahlkampfspruch „Das ist meine FDP“ und vor allem dem Possessivpronomen darin befragte er den FDP-Spitzenkandidaten Christian Lindner. „Nicht meine persönliche FDP, die die Menschen sollen das sagen“, erläutert der junge alte Talkshow-Haudegen gern. 

Kommentare (6)

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14.05.2012, 09:03 Uhr

Ach, diese Talkshow mit Jauch war schon recht interessant. Ein Rössler der ein bischen mehr Format zeigen kann, eine Frau von der Leyen, die mit einer Attitüde Fürsorge spanische Lehrlinge nach Deutschland holen will, und ein Trittin den ich mit solchen Dingen, wie Exportrückgang im Maschinenbau, noch nicht wahrgenommen hatte.
Und ein SPD-Mann, äh, welcher von den Dreien mit ca. gleicher Statue, habe ich vergessen, der sich versucht ruhig und weltmännisch zu geben.
Es zeigt die Unterschiede in der Sicht auf Europa.
Uns geht es gut, kommt doch her und lernt ist sowas von, mit Verlaub, dämlich, das es beinahe schon kracht. Arbeitskräfte abzuziehen, die eigentlich für einen tatsächlichen Aufbau eines Landes gebraucht werden würden, ja wenn, wenn man denn tatsächlich investieren würden könnte müßte, da ist mir die Spucke weg geblieben. Kein Wunder das die CDU mit ihrem speziellen volksfernen Blick den Bach runter gehen muß.

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14.05.2012, 09:11 Uhr

Alles in allem zusammengefasst: "Verbrecher unter sich!"

Account gelöscht!

14.05.2012, 10:02 Uhr

Die Talkrunde verkommt immer mehr zur von BILD gelenkten Quasselrunde. . Ein " Jauch " kann es einfach nicht. Schon seine auch in der Causa Wulff gezeigte einseitige Nähe zu Bild disqualifiziert ihn. Was sollte denn der dümmlich Einspieler mit den " Merkel - Blumen ". Warum ist er qualitativ nicht in der Lage inhaltlich an der Diskussion teilzunehmen und durch Fakten zu ergänzen. Dafür springt er mit kindlichem Konfirmanden- Blick von Thema zu Thema. Ein roter Faden - Fehlanzeige. Aber dafür wird er und sein Team wahrlich fürstlich honoriert - von den Gebührenzahlern. Unerträglich !!!

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