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30.08.2016

21:40 Uhr

Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin

Warum die AfD bei Russlanddeutschen gut ankommt

Einst wählten Russlanddeutsche die CDU. Doch bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin dürften viele Aussiedler ihre Stimme der AfD geben. Das hat auch mit der umstrittenen Flüchtlingspolitik der Kanzlerin zu tun.

Die Rechtspopulisten rechnen sich gute Chancen aus, Stimmen von Russlanddeutschen zu bekommen. dpa

Wahlplakat der AfD

Die Rechtspopulisten rechnen sich gute Chancen aus, Stimmen von Russlanddeutschen zu bekommen.

BerlinViele Russlanddeutsche in Berlin machen sich Sorgen. Um Ordnung und Sicherheit. Und das deutsche Verhältnis zu Russland. Die Sanktionen gegen Moskau lehnten viele ab, genauso allzu lässige Lebenseinstellungen, sagt Eleonora Heinze, Beauftragte für die Aussiedler im CDU-Kreisverband Steglitz-Zehlendorf. Lange Zeit waren solche Sorgen eher ein Randthema für die Politik in der Hauptstadt. Doch am 18. September wird in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Und da könnten die Stimmen der Russlanddeutschen plötzlich besonders ins Gewicht fallen.

„In den 90er Jahren haben 80 Prozent CDU gewählt - heute ist das nicht mehr so“, sagt Heinze. Gerade die AfD komme bei etlichen Russlanddeutschen derzeit gut an. In jüngsten Umfragen erreicht die AfD 15 Prozent der Wählerstimmen, sie würde damit erstmals ins Landesparlament einziehen. Es könnte sein, dass die Partei mit dem nationalkonservativen Programm in einigen der zwölf Stadtbezirke sogar Regierungsverantwortung bekommt. Denn neu gewählt werden auch die Bezirksverordnetenversammlungen.

In der Hauptstadt leben nach Angaben der SPD rund 300.000 Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion. Etwa 100.000 von ihnen sind Schätzungen zufolge Russlanddeutsche, allein im östlichen Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf sollen es 30.000 sein. „Dort wird die AfD bestimmt gut abschneiden“, schätzt Heinze. „Ich kämpfe um jede Stimme.“

Die heute 33-Jährige kam 2002 aus Usbekistan nach Deutschland. Bald darauf engagierte sie sich bei den Christdemokraten. Jetzt bewirbt sich Heinze erstmals auch um einen Sitz im Bezirksparlament. „Ich will vermitteln: Du bist in der Lage, etwas zu ändern.“

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kamen Tausende mit deutschen Wurzeln ins wiedervereinigte Deutschland und erhielten den deutschen Pass. Für viele war diese Möglichkeit mit dem Namen des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) verbunden, den sie dann auch wählten. Schon seit 1950 wurden Aussiedler in der alten Bundesrepublik aufgenommen. Fast 2,4 Millionen Menschen siedelten aus Russland und den alten Sowjetrepubliken nach Deutschland über.

Die Büroleiterin eines CDU-Bundestagsabgeordneten rechnet damit, dass viele Russlanddeutsche die AfD wählen werden. dpa

Russlanddeutsche Eleonora Heinze

Die Büroleiterin eines CDU-Bundestagsabgeordneten rechnet damit, dass viele Russlanddeutsche die AfD wählen werden.

Heinze, Mutter einer fünfjährigen Tochter, leitet heute das Büro des CDU-Bundestagsabgeordneten Heinrich Zertik. Der 59-Jährige gehört zur ersten Einwanderer-Generation aus der damaligen Sowjetunion. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe bei den Russlanddeutschen etwas an Akzeptanz eingebüßt, meint er. „Sie kam schon mal besser an.“

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