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25.02.2011

15:07 Uhr

Wahlen

Das freie Irland steht auf dem Spiel

VonMartin Murphy

Die Entwicklung der irischen Gesellschaft in den letzten Jahren könnte durch die Schuldenlast zunichte gemacht werden. Eine Analyse von Martin Murphy

Wie kaum ein anderes Land der Europäischen Union hat sich Irland in den vergangenen zwanzig Jahren verändert. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg öffnete sich die verkrustete Gesellschaft. Verdrängte Themen wie Abtreibung, Scheidung und selbst historische Ereignisse wie die Hungerkatastrophe Mitte des 19. Jahrhunderts kamen auf den Tisch und wurden heftig diskutiert.

Katalysator der gesellschaftlichen Öffnung war die boomende Wirtschaft, die seit den 90er-Jahren Wachstumsraten von bis zu zehn Prozent hingelegt hat. Dieses neue, freiere Irland steht nun auf dem Spiel. Mit dem Rettungspaket für das kollabierte Bankensystem ist die Staatsverschuldung auf 88,6 Milliarden Euro hochgeschnellt. Bei einem Staatsdefizit von 33 Prozent muss die Regierung nun auf die Ausgabenbremse treten. Die Frage ist aber: Wie hoch dürfen die Einschnitte ausfallen, damit dem Land nicht die Luft zum Atmen genommen wird?

Eine entscheidende Rolle hat dabei die Europäische Union, auf deren Hilfe die Insel angewiesen ist. Diese wäre gut beraten, dem Land einen größeren finanziellen Spielraum zu gewähren. Denn bei aller berechtigten Kritik sollten die EU-Länder nicht vergessen, dass Irland ein folgsamer Schüler Brüssels war. Andernfalls wäre der Boom nicht möglich gewesen und der „keltische Tiger“ nicht Vorbild für andere aufstrebende Länder der EU geworden.

Irlands Gesellschaft steckt noch im Umbruch. Eine Antwort auf alle Fragen hat das Land nicht gefunden, dafür ist der Wandel noch zu frisch. Aber wichtige Schritte sind gemacht, darunter die Lockerung der engen gesellschaftlichen Bindung an die katholische Kirche. Der Klerus hat viel Gutes für das Land getan – es gab aber auch Schattenseiten. Jetzt sind die Zeiten, in denen der Missbrauch von Kindern durch Mitglieder des Klerus von staatlicher Seite gedeckt wurde, endgültig vorbei.

Wer die Bedeutung der engen Verbindung zwischen Kirche und Politik verstehen will, der muss weit in die Geschichte Irlands zurückgehen. Als die Insel noch von den Engländern besetzt war, war zeitweilig die Ausübung dieser Konfession verboten. Nur im Geheimen war dies möglich. Katholisch sein bedeutete, Widerstand gegen die Besatzer auszuüben. Die Religion wurde damit Teil des Irisch-Seins. Protestanten waren Teil des verhassten, englischen Besatzungsregimes.

Kommentare (4)

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25.02.2011, 16:36 Uhr

Mir kommen die Tränen. Auf Kosten anderer kann ich auch Wachtstumraten hinlegen. Wann hört endlich das Gejammer auf? Wer über seine Verhältnisse lebt soll dies auch ausbaden und nicht auf die umwälzen welche sich ordentlich verhalen haben. Wo bleibt da eigentlich die Gerechtigkeit

Ulrich

25.02.2011, 17:00 Uhr

Das mag alles gut klingen und auch richtig sein - doch wie wollen Sie den Griechen, den Portugiesen erklären, dass sie keinen Schuldenerlass bekommen? Oder wollen Sie einfach die Türe für inen generellen Schuldenerlass öffnen?
Tja - wer soll ihn bezahlen?

SayTheTruth

25.02.2011, 18:36 Uhr

Irland, da denkt man an Freiheit, Unabhängigkeit, die Weite, das Meer. Aber bestimmt nicht mit EU-Magensonde im Bauch aus Brüssel. Oh Mann, was macht Brüssel nur aus der europäischen Vielfalt. Alle werden abhängig gemacht und gleichgeschaltet und dann die Tür aufgemacht hin zum Nahen Osten. Also Abendland Gut Nacht.

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