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15.05.2012

11:08 Uhr

Wahlforschung

„Der SPD fehlt jemand wie Gerhard Schröder“

VonMichael Inacker

Demoskop Manfred Güllner spricht über die Fehler der CDU im NRW-Landtagswahlkampf, meint, Röttgen sei eine Zumutung gewesen und sieht eine unbequeme Wahrheit für die SPD: Ihr fehlt ein richtiger Kanzlerkandidat.

Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder (SPD). dpa

Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder (SPD).

BerlinDie Schuldzuweisungen für das Wahldesaster der CDU gehen vor allem Richtung Spitzenkandidat Norbert Röttgen. Macht es sich die Union damit nicht zu einfach? Wie verhält es sich mit der Verantwortung der Bundeskanzlerin?

Etwa ein Drittel der potenziellen CDU-Wähler in NRW will zwar Merkel als Kanzlerin, fand aber Hannelore Kraft sympathischer als Norbert Röttgen. Diesem Zwiespalt konnte man nur durch Wahlenthaltung entgehen. Merkels Fehler war, jemanden wie Röttgen den Wählern an Rhein und Ruhr zugemutet zu haben.

Sie hat also nicht traditionelle Unionswähler vergrault?

Vergraulen ist das falsche Wort. Merkel hat es aber versäumt, in ihrer Anhängerschaft genügend Identität und Geborgenheit mit Blick auf die traditionellen Wertemuster der Union zu bewahren.

Welche Rückschlüsse ergeben sich aus dem Wählerverhalten in NRW gegenüber der Bundestagswahl im nächsten Jahr?

Da für viele CDU-Anhänger auch in NRW die Macht in Berlin wichtiger ist als die in Düsseldorf, wird die CDU ihr Wählerpotenzial bei der Bundestagswahl deutlich besser mobilisieren als bei der Landtagswahl. Sie hat somit alle Chancen, 2013 auch in NRW wieder mehr Stimmen als die SPD zu erhalten.

Walforscher Manfred Güllner leitet das Forsa-Institut. picture-alliance/ dpa

Walforscher Manfred Güllner leitet das Forsa-Institut.

Die SPD ist Wahlsieger. Wird das durch die Zahlen unterfüttert?

Hannelore Kraft hat am Sonntag genauso viele Stimmen - etwas mehr als drei Millionen - erhalten wie Peer Steinbrück 2005. Doch da kam es zum Machtwechsel, weil die CDU 1,6 Millionen mehr Wähler mobilisierte als 2012. Jetzt steht Kraft als strahlende Siegerin da, obwohl die SPD hinter ihren früheren Ergebnissen geblieben ist.

Die SPD-Linke schöpft aus NRW neue Hoffnung auf eine rot-grüne Machtoption im Bund. Ist diese Hoffnung berechtigt?

Bundesweit glaubt kaum jemand, dass eine rot-grüne Koalition es besser machen würde als die jetzige schwarz-gelbe Regierung. Mangels entsprechender politischer Kompetenz gibt es deshalb keine Wechselstimmung, die SPD und Grüne für sich nutzen könnten.

Welcher Kanzlerkandidat der SPD passt aus Ihrer Sicht am besten in die neue Parteienlandschaft mit ihren unterschiedlichen Koalitionsmöglichkeiten?

Wie nach dem Sturz von Helmut Schmidt hat die SPD derzeit keinen überzeugenden Kanzlerkandidaten, der als wünschenswerte Alternative zu Angela Merkel gewertet wird. Zurzeit fehlt ihr jemand wie Gerhard Schröder, der nach 16 Jahren Opposition der SPD wieder zur Macht im Bund verhalf.

Aber was zeichnet den richtigen SPD-Kanzlerkandidaten aus?

Schaut man sich die jüngere Geschichte an, dann hatte aus Sicht der Wähler Hans-Jochen Vogel viel Kompetenz, aber wenig Sympathie. Johannes Rau hatte Sympathien, aber zu wenig Kompetenz, Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping hatten weder Kompetenz noch Sympathien. Erst Gerhard Schröder hatte - im Vergleich zum damaligen CDU-Kanzler Helmut Kohl - höhere Sympathiewerte und Kompetenz.

Kommentare (18)

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KFR

15.05.2012, 11:45 Uhr

Danke ! ein H4 Desaster ist mehr als genug !
Peer Steinbrück wurde übrigens in NRW abgewählt und hat die SPD auch imBund gecrashed !

Account gelöscht!

15.05.2012, 12:02 Uhr

Schade, dass Herr Güllner sich nicht zu Sympathien und Kompetenzen von Steinbrück äussert. Immerhin ist Bilderbergers Liebling ja schon als neuer Kanzler vorgesehen.
Vielleicht möchte Herr Güllner es sich aber auch mit unserem zukünftigen Kanzler (Horror pur !) einfach nur nicht verscherzen.

Account gelöscht!

15.05.2012, 12:04 Uhr

"Maulkorb bitte(?)"
Es war nicht Röttgen, sondern die ganze UNION hinkt. Wie ist dieser Verein aufgestellt, wenn die Minister überparteilich, nach persönlichen ermessen entscheiden welche Richtung eingeschlagen wird. So etwas kann nicht gut gehen, ist schlicht dem Versagen der Kanzlerin geschuldet. Tatsächlich ist die CSU der bessere Teil der UNION, sollte bundesweit Landesverbände stellen. Das Prinzip "Bürgernähe", vom Bierzelt (besoffen) zur Wahlurne ist eine Steilvorlage. In NRW könnte sich die CSU das Bierzelt allerdings sparen, es geht auch ohne (Suff). Wobei Horst Seehofer im Zusammenhang ein Eigentor plazierte, keiner in Deutschland hat es registriert. Im öffentlichen "Heute Journal Interview" äußerte Seehofer, Zitat: "Das können Sie alles senden!"
Nachgefragt:
Was darf die parteifreundliche Presse ggf. nicht veröffentlichen?
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Die Neuwahl in NRW ist dem Geldmangel geschuldet. Die Sozis sind bekannt und berüchtigt das Geld anderer Leute mit vollen Händen auszugeben. Wirtschaften und planen war noch nie das Ding der Sozen, Katastrophe siehe "Agenda2010".
Klare Antwort auf die Frage, was zeichnet den richtigen SPD-Kanzlerkandidaten aus:
Er muß wissen woher man das Geld für die anstehende Legislaturperiode bekommt. Dann auch ein Frank-Walter Steinmeier als klassischer Politentertainer in die Bütt steigen, mit vollmundige Versprechungen den Wähler so besoffen reden, vergleichbar wie der Suff im bayrischen Bierzelt.

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