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17.09.2013

15:52 Uhr

Wahlgeheimnis

Problematischer Trend zur Briefwahl

VonRaphael Moritz

Seit Jahren steigt die Zahl der Briefwähler in Deutschland. Dieses Jahr könnte es sogar zu einem neuen Rekord kommen. Doch während die Wähler die Flexibilität schätzen, sorgen sich Experten um das Wahlgeheimnis.

Das Risiko der Manipulation ist bei der Briefwahl deutlich höher als an der Urne. Wer tatsächlich das Kreuz macht, kann nicht überprüft werden. dpa

Das Risiko der Manipulation ist bei der Briefwahl deutlich höher als an der Urne. Wer tatsächlich das Kreuz macht, kann nicht überprüft werden.

Köln/DüsseldorfSeit Jahren wählen immer mehr Deutsche per Briefwahl. Timo Stukenberg aus Köln hat sich dieses Jahr ebenfalls dafür entschieden. Der 23-Jährige Student macht derzeit ein Praktikum in Berlin und konnte nicht in seinem Wahlbezirk wählen. Da er sich außerhalb seines Wahlkreises aufhält, hat er schon vorab per Brief gewählt. „Die Bríefwahl war meine einzige Möglichkeit überhaupt zu wählen“, sagt er.

Doch nicht immer ist Abwesenheit wie bei Stukenberg der Grund für eine Briefwahl. Viele scheuen auch aus Bequemlichkeit den Gang zur Urne am gemütlichen Sonntag. Der Trend ist eindeutig: Während 1957 nur 5 Prozent der Bevölkerung lieber per Brief wählten, waren es 2009 schon fast 22 Prozent. In diesem Jahr wurde dann mit 13,3 Millionen Briefwählern ein neuer Höchststand erreicht. Bei der kommenden Bundestagswahl könnte es mehr als jeder Vierte sein.

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In Köln etwa stieg die Zahl der Anträge um mehr als 30 Prozent gegenüber der vergangenen Bundestagswahl. Die Stadt musste deshalb externe Dienstleister mit dem Scannen und Drucken der Wahlbriefe beauftragen. Dabei kam es auch zu Problemen: Einige Wähler erhielten mehr als einen Wahlbrief. Bis jetzt seien davon aber nur 29 Fälle bekannt, heißt es bei der Stadt. Trotzdem kommt es zu Verzögerungen – die kommunalen Wahlämter stellt der Anstieg vor große Probleme.

„Wir haben derzeit über 150.000 Briefwahlanträge, viel mehr als bei der Wahl 2009“, sagt Inge Schürmann, Sprecherin der Stadt Köln. Der allgemeine Trend, „die Wahl schon mal zu erledigen“, werde weiter anhalten. „Das stellt gerade große Kommunen wie Köln vor Riesenprobleme. Der Postweg dauert deutlich länger. Außerdem ist der Aufwand für die Bearbeitung der Briefwahl deutlich höher“, sagt Schürmann.

Auch in Stuttgart ist die Anzahl der Briefwähler um mehr als ein Viertel angestiegen, in München um rund ein Fünftel, wie das Magazin „Spiegel“ berichtete. In Berlin wählten bis jetzt schon über 30 Prozent per Brief. In Bremen machen Mitarbeiter den Angaben zufolge Überstunden, um alle Anträge rechtzeitig bearbeiten zu können. Viele Städte haben zusätzliche Aushilfen eingestellt. Ein Indiz für eine höhere Wahlbeteiligung ist das indes nicht.

Kommentare (22)

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Kamerun

17.09.2013, 16:18 Uhr

Wieso ein gefährlicher Trend? Das ist doch Schwachsinn. Wer soll den Oma und Opa helfen? Oder wird da etwa gemauschelt wie in der Politik selbst?

Der_ewige_Spekulant

17.09.2013, 16:19 Uhr

In der heutigen Zeit, in der von der Bevölkerung Mobilität und Flexibilität verlangt werden, ist es absurd zu verlangen, dass man zum Tag X am Ort Y zu erscheinen hat, um eine Aufgabe von wenigen Sekunden zu erledigen - absolute Zeitverschwendung und sinnlos verschwendetes Geld.

Jeder - der möchte - sollte einen geheimen digitalen Schlüssel zugestellt bekommen und einfach über das Internet wählen.

Eingabe des Vornamen, Nachnamen, Geburtstag sowie diesen geheimen digitalen Schlüssel, bildet das gesamte geheime "Passwort".

Wenn dieses Wahlsystem Gefahr läuft, dass die Wahlen "gefälscht" werden können, dann soll eine solche Stimmabgabe z.B. nur im Amtsgericht möglich sein.

Im Amtsgericht wird eine Räumlichkeit 2 Wochen vor der Wahl zur Verfügung gestellt, in der die Terminals stehen.
Jeder, der seine Stimme vorher abgegeben möchte, sollte es im Amtsgericht tun können.

Den Zutritt zu dieser Räumlichkeit wird erlaubt z.B. nachdem man seinen Personalausweis/Fingerabdruck einem Scanner gezeigt hat. So dass jeder pro Wahl nur einmal Zutritt zu diesem Raum bekommt.

RumpelstilzchenA

17.09.2013, 16:31 Uhr

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